Tsipras, Varoufakis arbeiten an ihrem Opferstatus

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und sein ehemaliger Finanzminister Yanis Varoufakis betonen, dass die neue Vereinbarung auf einer „Erpressung“ beruhen würde.  „Wir hatten die Wahl zwischen Exekution und Kapitulation“, sagte Varoufakis. Deswegen habe Tsipras sich für die Kapitulation als letzten Ausweg entschieden.“ (spiegel) Varoufakis warf der europäischen Zentralbank auch „Terrorismus“ vor, weil sie nicht die Liquidität der griechischen Banken garantierte.

„Terrorismus“
Griechen hoben allein in den letzten Wochen 30 Mrd. Euro von ihren Sichtguthaben ab. Auch im Moment wird frisch nachgedrucktes Bargeld gehortet / gehamstert. Fast ein Fass ohne Boden, den die Zentralbank gedrosselt befüllt, mit 60 Euro am Tag. Übrigens zeigt Griechenland, dass die Guthaben auf den Sichtguthaben nicht „aus dem Nichts“ geschaffen wurden, sondern auf Sparvorgängen von realen Menschen beruhen.

Wenn das bei uns passieren würde, wären die Banken genauso in einem Liquiditäts – Engpass. Die Sichtguthaben hier liegen bei irrwitzigen 1 Billion Euro, die gedruckte Bargeld-Menge liegt bei 200 Mrd. 

Es versteht sich von selbst, dass das Nachdrucken von Bargeld massiv das Inflations-Potential erhöht, da irgendwann das Bargeld wieder in den Markt fließt.

Die griechische Links-Regierung versäumte es, eine umlaufgesicherte Parallel-Währung zu planen, die längst eingeführt hätte werden müssen. Es ist ein volkswirtschaftlich selbstmörderischer und fast krimineller Akt, die griechischen Banken noch 2-3 Monate im Grunde zahlungsunfähig zu belassen! Aber die Schuld dafür einfach auf die Zentralbank abzuwälzen ist sachlich falsch.

„Erpressung“

In der sogenannten „Erpressung“ liegt die einzige Hoffnung für die griechische Volkswirtschaft wieder auf die Beine zu kommen: Banken pleite gehen lassen, Staatsschulden streichen und mit der abgewerteten Währung Importe stoppen, Exporte ankurbeln und konkurrenzfähig werden. Die Volkswirtschaft kann von Null wieder anfangen. Argentinien zeigt den Weg. 

Fazit
Alexis Tsipras, unterstützt von seinem ehemaligen Finanzminister Yanis Varoufakis, arbeitet an seinem Opferstatus und macht sich so zum willfährigen Gehilfen einer verbrecherischen Politik: Jetzt geht es darum, das Tafelsilber des Staates zu verhökern. Wenn nichts mehr zum verkaufen da ist, alle Insel Privatgrund ohne Zutritt für die Öffentlichkeit sind, wird der Euro-Stecker endgültig gezogen. Dann werden viele Griechen merken, dass sie ihre Euros nicht essen können.

4 Gedanken zu „Tsipras, Varoufakis arbeiten an ihrem Opferstatus“

  1. Die ganz praktische Frage, die sich mir stellt:
    Wer reist nach GR, um dort für die Treuhandanstalt 2.0 zu arbeiten? Es sollte jedem klar sein, dass das ein Himmelfahrtskommando ist. Ich meine das keineswegs im übertragenen, sondern im ganz konkreten Sinn: absolute Lebensgefahr! Schon Detlef Rohwedder hat seinen Job nicht überlebt, und für die Diagnose an sich ist es völlig unerheblich, ob dieses Mal echte griechische Widerstandkämpfer oder V-Leute irgendeines Geheimdienstes zuschlagen werden. Sie werden zuschlagen, und das Entsetzen der Naiven, Dummen und Ahnungslosen wird groß sein: „Aber die Griechen haben doch selbst zugestimmt!“ Mit der Pistole am Kopf, ja, aber das interessiert keine Sau. Merke: General Pétain hat auch Verträge unterschrieben, weil er nicht anders konnte. Trotzdem gab es (völlig zu Recht) eine Résistance, die deutsche Besatzer massakriert hat.
    Dann wird die Diskussion aufflammen, ob die EU aus humanitären Gründen eine „Friedenstruppe“ nach GR schicken muss, so lange, bis wir schlicht und einfach eine Kolonial- bzw. russsische Inkasso-Truppe in GR haben. Dann wird die Bundeswehr an dem Ziel angekommen sein, für das sie vor über 20 Jahre angefangen hat, „humanitäre“ Auslandseinsätze zu unternehmen. Und wir werden verstehen, was der Bundespräsident-Gauckler gemeint hat, als er von der Verteidigung wirtschaftlicher Interessen durch die Bundeswehr geschwafelt hat. Aber erst wenn es zu spät ist. Stoppt den Wahnsinn jetzt!
    Deshalb: der Euro muss so schnell wie möglich weg und die Gläubiger ihre Guthaben verlieren! Sonst fangen diese irren Gläubiger an, unsere guthabenlosen jungen Leute in absolut aberwitzigen Kriegen zu verheizen, die niemals zu gewinnen sind. Als ich vor 30 Jahren als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr war, hat ein Rekrut nach dem Unterricht (Verbot von Auslandseinsätzen, eines Angriffskriegs etc.) ausgerufen: „Ich wette meinen Arm darauf, dass es eines Tages wieder Auslandseinsätze und Angriffskriege geben wird, an denen die Bundeswehr teilnimmt!“ Genau so ist es gekommen und es wird noch schlimmer werden.
    Die Verstaatlichung privater Guthaben in Griechenland 2010 war der Einstieg in den Weg, an dessen Ende junge Männer für diese uneinholbaren Kredite ihr leben lassen werden. Spätestens das war das Ende der liberalen Demokratie und Marktwirtschaft in Deutschland. In einer solchen hätten die privaten Gläubiger ihre Verluste realisieren müssen, ohne ihre Mitbürger in irgendeine Mithaftung oder Gerichtsvollzieher-Rolle bringen zu können. Stattdessen stecken wir jetzt im Staatskapitalismus und demnächst im Wirtschaftsfaschismus. Und die durch und durch verblödete linke Mitte um die SPD herum sitzt mal wieder mit auf dem Führerstand dieses Kamikaze-Zuges und verrät als Agent der Gläubiger die Interessen der einfachen Bürger Deutschlands und ganz Europas. Wie 1914! Es ist der blanke Hohn, wenn Volldeppen wie Gabriel Schäuble den Grexit vorwerfen. Wie verquer die Gründe und Hoffnungen von CDU/CSU auch immer sein mögen, der Grexit ist besser als die Euro-Zwangsjacke, die bereits jetzt große Teile der Demokratie in Europa aufgefressen hat. Nieder mit der Verräter-SPD!!!

    1. Denkbares Szenario.
      Es bleibt aber abzuwarten, ob es überhaupt zu einer Einigung kommt. Noch hat man keine.
      Tsipras hat seine letzte Reihe aufgestellt. Es zeichnet sich aber ab, dass auch die feilschen wollen. Bricht die Reihe ebenfalls weg, weil Europa hart bleibt, kommt nichts mehr.

      Europa dagegen will auch nicht mehr so richtig. Viele Länder maulen. Auch Schäuble hat sich gedanklich längst weggedreht.

      Damit steht es 50:50 das es wirklich so weiter geht. Warten wir mal ab welche 50 gewinnt.

    2. @ hintermbusch

      Mich stört bei Deinem Beitrag einzig die Behauptung, dass die französische Resistance nicht anders konnte.
      Ja, aber warum denn? AH hatte 1940 nach dem Sommersieg doch erklärt, dass die deutschen Truppen sich sofort aus Frankreich zurückziehen würden, wenn England auf sein Friedensangebot einginge.
      Alles andere von Dir kann ich auch unterschreiben.

  2. Die von den Nord-Staaten als „Erpressung“ diffamierte Variante (keine Staatshaftung, sondern Banken pleite gehen lassen) funktionierte nicht nur in Argentinien, sondern auch in Island, sehr zum Verdruss der Finanzmafia.
    Der erfolgreiche Weg war zwar auch nicht ganz einfach, erforderte aber bei beiden Ländern keinen Ausstieg aus einem Währungsverbund, sondern allenfalls (Argentinien) den Verzicht auf das Ankoppeln des Wechselkurses an den Dollar.

    Die Griechen – Volk wie Politik – sind hingegen immer noch eisern entschlossen, den Euro behalten zu wollen. Beide zeigten zwar ihre grimmige Ablehnung des „Sparpakets“, knickten aber letztlich ein, wenn der Grexit ernsthaft im Raum steht. Da kann das Sparen noch so widersinnig-schmerzhaft und die Demütigung noch so groß sein.

    Das geht sogar so weit, dass die Justiz jetzt gegen den zurückgetretenen Varoufakis wegen „Hochverrats“ ermittelt – nur weil er einen Plan B in der Schublade hatte für den Fall, dass die Gläubiger an den per Volksabstimmung abgelehnten Sparmaßnahmen festhalten und den Geldhahn zudrehen.

    So was muss man schon als psychopathisch betrachten: Der eigene beschämende Wankelmut, die eigene Inkonsequenz wird auf einen Sündenbock projiziert. Der Sündenbock tat nur das, was jeder Politiker tun sollte: Handlungsalternativen ausarbeiten statt nur labern und aussitzen. Und Varoufakis‘ Plan B rechnete nicht mit Militärputsch / Diktatur etc., sondern ganz nüchtern und basisdemokratisch mit dem Fall, dass er den griechischen Volksentscheid auch dann ernst nimmt, wenn Schäuble hart bleibt.

    Varoufakis braucht nicht an seinem Opferstatus arbeiten. Das besorgen schon die Griechen, die erst über Schäuble schimpfen und dann doch zu dessen Konditionen weiter leiden wollen.

    Tsipras hingegen ist kein „Opfer“, sondern ein Siegertyp – die Stimme der Mehrheit, mag diese noch so wankelmütig und inkonsequent sein. So jemand findet bestimmt künftig auch bei Konservativen oder Papandreou-Sozis eine neue Heimat, sollte ihn der linke Syriza-Flügel stürzen. Unsere grüne Tonne Joschka kann ihm da ein leuchtendes Vorbild sein.

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