Geister U-Boote tauchen wieder vor der Küste von Schweden auf

Viele Schweden haben heute Angst vor Russland, immer mehr wollen in das Verteidigungsbündnis „NATO“. Ein Grund ist ein (angebliches) russischen U-Boot, auf das die schwedische Marine 2014 gestoßen wäre und welches als mediales Schreckgespenst die Schlagzeilen über Wochen beherrschte. Das ist kein neuer Vorgang. Während des kalten Krieges setzte die US-Propaganda gezielt auf die „Inszenierung von Realität, um Schock und Entsetzen als Reaktion hervorzurufen“. Im Rahmen dessen tauchten schon in den 80er Jahren (angebliche) sowjetische U-Boote vor der schwedischen Küste auf. Deshalb scheiterte die geplante Entspannungspolitik des damaligen schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme bereits im Ansatz. Die Parallelen zur derzeitigen Situation im Ukraine-Konflikt sind augenscheinlich.

Der russische Fernsehkanal „RT“ berichtete 2014 über das russische Geister U-Boot vor der Küste Schwedens.

Quelle: RT

Die Geschichte wiederholt sich: Der Fernsehkanal „arte“ berichtete in der Dokumentation „Die Methode Reagan“, wie Geister U-Boote in den 80er Jahren die Friedensbemühungen des damaligen schwedischen Premierministers Olof Palme sabotierten. Dafür gab es ein „Täuschungskomitee“ unter Führung der CIA.

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Quelle: youtube

Schnell nach Ausbruch des dritten Weltkrieges hätte sich die militärische Infrastruktur Deutschlands in strahlenden „Schutt“ verwandelt. Schweden, nördlich von Deutschland gelegen, wäre dann zu einem unsinkbaren „Flugzeugträger der USA“ geworden. Es gab eine direkte Telefonverbindung zum Hauptquartier der US-Luftwaffe in Wiesbaden.

„Seit 1960 war Schweden in die Militärplanung der NATO integriert. (…) Das US-Militär baut auf die heimliche Treue der Schweden zur NATO.“

„In Schweden gibt es eine erz-konservative Elite in Militär, Wirtschaft und Aristokratie, die ganz auf US-Linie ist und dem sozialdemokratischen Schweden zutiefst misstraut.“

„Olof Palme macht sich mit seiner Politik der Blockfreiheit und Unabhängigkeit junger Staaten mächtige Feinde. (…) Er will einen dritten Weg zwischen den Systemen anbieten.“

„Whiskey on the rock“

Am 28. Oktober 1981 strandete ein sowjetisches U-Boot an der Küste Schwedens in einem „extrem engen Fjord“. Der schwedische Stabschef vor Ort Karl Andersson hinterfragt in der arte-Doku verwundert die Motivation des Befehlshabers, da sein U-Boot der Klasse „Whiskey“ dort „auf Grund laufen“ musste. Es war einfach nur „bescheuert“ gewesen, es dort hinein zu manövrieren.

„Die Weltöffentlichkeit erfährt, das U-Boot hätte spionieren sollen. In einem Fjord in dem es nicht tauchen konnte, weil es nur 50 cm Wasser unter dem Kiel hatte?“

Karl Andersson berichtete, dass er die entscheidende befehlshabende Person an Bord nicht verhören durfte, obwohl allein sie für das Manöver verantwortlich war.

Schwedische Taucher machen unter dem U-Boot eine „verblüffende Entdeckung“:

„Hinter den Schiffsschrauben hat sich ein großer Sandwall gebildet.“ [31:34)

Ola Tunander, Forschungsprofessor für Sicherheitspolitik:

„Vor der Schiffsschraube war kein Sandwall. Das bedeutet: Jemand wollte das U-Boot noch höher auf den Felsen bringen. Es sollte dort festsitzen. Und dann wurde es noch um 50 Grad gedreht, damit das komplette U-Boot auf dem Felsen festsass und nicht herunter-rutschen konnte.“

„… und der verantwortliche Offizier dieser absurden Operation darf ausdrücklich nicht weiter befragt werden.“

„Schweden ist geschockt und entsetzt.“

„Olof Palme gewinnt die Wahl 1982. Er will echte Neutralität in Schweden. Abrüstung und ein Ende der Militärblöcke.“

„Aus Sicht des Täuschungskomitees ist Palmes Sieg ein Warnsignal.“

„Deswegen beginnt das Täuschungskomitee Operationen der psychologischen Kriegsführung zu planen. Inszenierungen einer Realität, die Schweden wieder auf einen Kurs bringen soll, die zur Reagans Strategie passt. “ [35:40]

„Knapp zwei Wochen nach Palmes Amtsantritt werden U-Boot-Periskope vor der schwedischen Marinebasis „Muskö“ gesichtet. Nach „Wiskey on the rocks“ können das, so kann man überall hören, nur sowjetische U-Boote sein.“

Ola Tunander:

„Sie zeigen ihre Periskope und U-Bootstürme der Öffentlichkeit. Das sollte man als U-Boot-Kapitän eigentlich nicht tun.“

Mathias Mossberg war der Generalsekretär der 3. Schwedischen U-Boot-Kommission, die die Affäre aufklären sollte. Er hinterfragt:

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Quelle: youtube

„Warum will man gesehen werden? Natürlich um einen Effekt zu erzielen und man erzielte den gewünschten Effekt sehr gut.“ [36:21]

„Nur Stunden nach der Sichtung kündigt die schwedische Marine eine Pressekonferenz an. Mehr als 500 Journalisten aus aller Welt berichten und können beobachten, wie die schwedische Marine erfolglos sowjetische U-Boote jagt, mit scharfen Waffen. Ein inszeniertes Medienereignis?“

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Quelle: youtube

„In den folgenden Jahren wiederholt sich die Jagd auf U-Boote mehrere hundert Mal. Fremde U-Boote werden vor dem Königspalast, vor Sommerhäusern und Marinebasen gesichtet. Während Palme mit den Sowjets über Abrüstungspläne und Friedensvorschläge verhandelt, macht das sowjetische Militär offenbar, was es will.

In Moskau herrscht Verwirrung. Niemand hat solche Einsätze angeordnet oder gibt es etwa eigenmächtige Kapitäne?“ [37:13]

„Palme protestiert immer wieder beim sowjetischen Botschafter. Der übermittelt schließlich einen Vorschlag aus dem Kreml:“

Boris Pankin, damaliger sowjetischer Botschafter in Schweden:

„Bitte, wenn ihr glaubt, dass das unsere U-Boote sind, dann bombardiert sie! Wir wissen, sie sind nicht von uns. Deswegen haben wir keine Angst.“ 

„Der endlose, erfolglose Krieg gegen die Geister U-Boote hat Folgen…“

Ulf Svensson, Direktor Sicherheitspolitik im schwedischen Außenministerium:

„Für Palme war es unmöglich, irgendetwas anderes zu tun, als die Russen vehement zu beschuldigen.“

„Die Führung der schwedischen Marine versenkt kein einziges fremdes U-Boot, aber sie torpediert erfolgreich Palmes Sicherheitspolitik. Ohne die schwedischen Medien wäre diese Operation nicht gelungen.“

Mathias Mossberg:

„Die Medien waren die Anführer, wenn es darum ging, die Sache aufzublasen, entsprechend der Informationen, die sie von unseren Militär bekamen.“

„Zwischen 1981 und 1983 wächst die Anzahl der Schweden, die sich von der UDSSR bedroht fühlten von 27% auf 83%.“

Boris Pankin:

„Es gibt etwas, was mich sehr beunruhigt. Dass es sogar in einem so aufgeklärten, gebildeten, nord-europäischen Land, in einem Bollwerk der Demokratie ziemlich einfach ist, wie sich herausgestellt hat, die Mehrheit der Bevölkerung hinters Licht zu führen, sie zu zombiefizieren.“

Mathias Mossberg:

„Es gab drei Untersuchungskommissionen zur U-Boot Affäre seit 1983.

Die erste Untersuchung kam zum Ergebnis, das waren sowjetische U-Boote. Die zweite stellte fest, dass man das nicht beweisen konnte. Ein paar Jahre vergingen, dann gab es dieses Interview mit dem US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger, der eindeutig zugab, dass die USA darin verwickelt waren.“

„Man musste sich erneut damit beschäftigen. Es gab eine weitere Untersuchung und ich wurde ihr Generalsekretär.“

„Moosberg entdeckt im Archiv der Marinebasis Muskö ein Dokument. Einige der höchsten Admiräle waren durch Weinbergers Aussage alarmiert und wollten Vorbereitungen treffen.“

Mathias Mossberg:

„Es lief darauf hinaus, dass sie ihre Antworten untereinander absprechen wollten. Ich wollte eine Kopie des Dokumentes. Aber unser Militärexperte sagte uns „nicht nötig, wir haben dieses Dokument auch in unserem Büro in Stockholm.“ Ich glaubte ihm. Aber dann stellte sich heraus, dass wir das Dokument nicht hatten und als wir zum Archiv zurückgingen, war genau dieses Dokument verschwunden. Und mit sowas mussten wir uns ständig herumschlagen.“ [42:21]

„Mit was wir es zu tun hatten war eine bestimmte Gruppe, die ihrer Regierung nicht die volle Wahrheit erzählte über ihr Wissen, was geschehen war und ihre Taten. Sie hatten Entscheidungen getroffen mit weitreichenden Folgen für Schwedens Sicherheit und Außenpolitik. Entscheidungen, die außerhalb der demokratischen Struktur der schwedischen Regierung getroffen wurden.

Da fragte man sich, wo man eigentlich ist.“

„In einem Land in dem das Militär mit einer fremden Macht gegen seinen eigenen Ministerpräsidenten konspiriert?“

4 Gedanken zu „Geister U-Boote tauchen wieder vor der Küste von Schweden auf“

  1. Das beweist, dass der Mensch des Lernens aus der Geschichte unfähig ist. Wird dieses mal garantiert wieder genauso ablaufen. Die Russen sinds ! Dass mal die Frage aufkommt, was die da eigentlich ausspionieren wollen mit U – Booten im Zeitalter von Drohnen, Satelliten etc., darauf kann man lange warten. Und das eigentlich tragische an der Sache ist, dass es wieder funktionieren wird da die Verblödung der Massen eine Generation weiter gekommen ist.

    MfG

    1. Das ist leider so. Die Medienmacht deprimiert mich, obwohl Schweden gesellschaftlich eines der fortschrittlichsten und gebildesten Länder Europas ist. Trotzdem lassen sich viele Schweden hinters Licht führen und denken, wie klug sie sind, wenn sie Putin beschimpfen.

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