Die ungeklärte Rolle von Beate Zschäpe bei der NSU-Selbstenttarnung

Warum stellte sich Beate Zschäpe am 08.11.11 der Polizei, wenn sie eine bekennende Rechtsterroristin gewesen war? Warum schweigt sie vor Gericht?

Gab es einen Plan zur „Selbstenttarnung des NSU“ und war sie eingeweiht am gewaltsamen Ableben ihrer beiden „Freunde“ Uwe Mundlos (UM) und Uwe Böhnhardt (UB)? Es gibt Hinweise auf Spannungen innerhalb des Trios und eine Trennung. Tatsächlich lebten die Männer nicht mehr in Zschäpes Zwickauer Wohnung. 

01.11.2011

Frau Zschäpe verhielt sich laut Aussage ihrer Freundin Heike K. un-normal. Sie vermutet, dass Frau Zschäpe ihr etwas sagen wollte und, dass die Drei “einen Pakt geschlossen haben, dass sich alle drei das Leben nehmen.”

“Drei Tage vor dem Banküberfall und dem Hausbrand besuchte Beate Zschäpe sie ein letztes Mal in ihrer Zwickauer Wohnung in der Polenzstraße. “Sie war ein bisschen verändert. Sie war sehr in sich gekehrt, sehr gesetzt. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir etwas sagen wollte”, erinnert sich Heike K. an Zschäpe im Interview mit dem NDR. “Sie war ein bisschen unruhig.” (tagesschau)

Die Trennung bei ihrem letzten Treffen verlief dramatisch. Sie warteten offenbar gemeinsam auf das Taxi …

“Beim Lebewohl habe die Zschäpe sie “bestimmt eine ganze Minute” an sich gedrückt und Tränen in den Augen gehabt. Als dann das Taxi gekommen sei, habe Zschäpe sich “komischerweise noch einmal verabschiedet”. Das habe sie sonst nie gemacht. Dann sei sie “fast weggerannt”.” (SZ)

02.11.12, Streit

Die Tagesschau berichtet von einem Streit zwischen den Herren Mundlos und Böhnhardt einerseits und Frau Zschäpe andererseits, übrigens in unmittelbarer Nähe zur Wohnung des mutmaßlichen Unterstützers, André E.

“So will ein Zeuge zwei Tage vor dem dramatischen Ende einen Streit zwischen zwei jungen Männern und einer Frau vor einem Wohnmobil gesehen haben. Im Zwickauer Stadtteil Niederplanitz will der 37-jährige Dominik R. beobachtet haben, wie die beiden Männer immer wieder abwechselnd auf die Frau einredeten und lautstark mit ihr diskutierten. “Ich konnte sehen, wie die Frau gestikulierte. Sie schüttelte immer wieder mit dem Kopf und hat sich mit der ganzen Hand an die Stirn gegriffen”, sagt R. Nur 500 Meter von der Stelle des Streits entfernt lebte damals der wichtigste Unterstützer der Zelle, André E.” (tagesschau)

03.11.11, Sorge um Katzen

Frau Zschäpe hätte “für einen längeren Zeitraum” ein Zuhause für ihre Katzen gesucht, glaubt sich eine Tierpension-Betreiberin zu erinnern:

“Einen Tag später meldete sich eine Frau telefonisch bei Susanne S., die eine Tierpension im Umland von Zwickau betreibt. “Ich glaube, sie hatte sich mit dem Namen Zschäpe gemeldet und wollte ihre beiden Katzen für einen längeren Zeitraum bei mir abgeben”, sagt die Tierbetreuerin. Zschäpe liebte ihre Katzen sehr. (tagesschau)

Im NSU-Prozess fragte die Nebeklage:

Haben Sie Ende Oktober 2011 oder am 02. oder 03. November 2011 bei einer Hundepension in Langenbernsdorf angerufen und gefragt, ob Sie dort Ihre zwei Katzen für längere Zeit unterbringen können? Hierzu vergleiche die Zeugenvernehmung der Frau S., Susanne, SAO 209, Bl. 53.

Anfang November 2011

Nachdem jahrelang aus Rassenhass kaltblütig mordend durch Deutschland gezogen wurde, hätten sich die Drei Anfang November 2011 entschlossen, ihre NSU-Bekennerfilme fertig zu programmieren und zu verschicken. Dort hätten sie sich zu ihrem Terrorismus bekannt. Der Bundesgerichtshof schreibt:

Anfang November 2011 trafen sie Vorbereitungen zu deren Versendung insbesondere an Zeitungsredaktionen und an religiöse und kulturelle Vereinigungen türkischstämmiger Personen in Deutschland.” (BGH)

Zufälligerweise ging am 04.11.11 ein Banküberfall schief, und die beiden Herren verloren ihre Nerven und hätten sich gegenseitig erschossen.

Wenn Beate Zschäpe unschuldig am Geschehen wäre, hätte sie sich sofort nach dem Tod von UB und UM  bei der Polizei gemeldet. Das tat sie erst am 08.11, nach 4 Tagen; seitdem sitzt sie hinter Gitter. Davor reiste sie kreuz und quer mit der Bahn umher. Das ist ein wichtiger Punkt zur Unterlegung der offiziellen NSU-Geschichte: Zschäpe wäre geflohen, um nach dem Tod ihrer Freunde die „Bekennerfilme“ zu verteilen. Die Faktenlage entlastet jedoch Beate Zschäpe in diesem Punkt.

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Die Reiseroute per Bahn wäre aber laut der „Stuttgarter Nachrichten“ schon in den Wochen vor dem 04.11. ausgearbeitet worden, von Beate Zschäpe! Dies hätte die Analyse des Zwickauer Computers ergeben. Warum sollte sie das machen – wusste sie vom kommenden Tod von UM und UB sowie dem Ablauf der „Selbstenttarnung des NSU“?

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Sie stellte sich am 08.11. „wegen einer Brandstiftung“. Auch vor Gericht wird dieser Punkt von ihren Anwälten geradezu hergeschenkt, obwohl kaum Beweise für ihre Täterschaft vorliegen. Jedoch verließ sie laut Aussagen der Nachbarn kurz vor dem Flammeninferno das Haus. Hatte sie Vorwissen?

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Außerdem rief Zschäpe am 05.11 bei den Eltern von UM und UB an und sagte, dass sie sich selbst getötet hätten!

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Auch der Selbstmord wird von der Bundesanwaltschaft als ein Art Schuldeingeständnis gewertet. Die Faktenlage im Wohnmobil deutet jedoch vielmehr auf einen Doppelmord an UM und UB hin!

Bis heute sind das die zentralen „Beweise“ der Selbstenttarnung: Brandstiftung, Flucht und Verteilung der „Bekennerfilme“ durch Zschäpe sowie die Selbstmorde von UB und UM. Bei dieser Darstellung kann sich die Bundesanwaltschaft hauptsächlich auf Beate Zschäpe selbst stützen, die sie als Terroristin lebenslang einsperren möchte!

In gewisser Weise spielen Zschäpe und ihre Anwälte ein Doppelspiel vor Gericht: Einerseits UM und UB nicht verteidigen, die beiden Männer also indirekt als die NSU-Mörder darstellen, aber andererseits durch Zschäpes Schweigen auf ein mildes Urteil hoffen.

Diese Strategie wird umso unglaublicher, weil es an den Tatorten keine Spuren von Beate Zschäpe gibt, die sie als „NSU-Haupttäterin“ überführen könnten.

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Bei Beate Zschäpe tun sich menschliche Abgründe auf. War sie erpressbar und hegte großen Groll gegen UM und UB, so dass sie bis heute bei dem unwürdigen Spiel mitgespielt?

12 Gedanken zu „Die ungeklärte Rolle von Beate Zschäpe bei der NSU-Selbstenttarnung“

  1. und welcher wäre der? Sie bekommt selbstredent im Sommer 2016 öffentlichkeitswirksam Lebenslänglich wegen Mittäterschaft. Volkes Stimme ist im Sinne Muttis beruhigt. Dann geht das Ganze zur Revision an den Bundesgerichtshof. Der kann binnen Jahresfrist nur feststellen, dass eine Tatbeteiligung oder Befürwortung nicht nachgewiesen ist. Zurück beim OLG München bleibt im dritten Verfahren nur noch Mitgliedschaft nach §129a und Brandstiftung. Sie wird keinesfalls wie die RAF- Gefangenen 24 Jahre einsitzen. Das Strafmaß wird es erlauben, sie gegen Auflagen im Sommer 2018 freizulassen. Vielleicht am Abend des WM- Finales, an dem zufällig alle Verantwortlichen, die berechtigt sein könnten, etwas dazu zu sagen, ihren wohlverdienten Urlaub angetreten haben. Sie werden ihr den maximalsten Bewährungszeitraum aufdrücken (plus zwei Drittel der verbüßten Zeit), verbunden mit konkreten Kontaktverboten und Betretungsverboten der Orte, an denen die fraglichen Straftaten verübt wurden. Nix ist mit der verkauften Stern- Story „Ich war die Nazi Braut“. Das werden die Regeln sein. Sonst ist ihr Überleben gar nicht denkbar. Das wird ihr klargemacht. Dies ist die Version nur für den Fall, dass sie nicht „verselbsmordet“ wird.

    1. Das stimmt schon vom Ansatz her nicht.
      Eine terroristische Vereinigung besteht – wie auch die kriminelle Vereinigung – aus mehr als 2 Personen, also Mitgliedern, und ist dauerhaft zum Zwecke des Terrors angelegt.
      Es steht und fällt also alles mit BZ und dem Nachweis, sie sei ein Mitglied. Kann ihr die Mitgliedschaft nicht nachgewiesen werden, so hat es niemals eine terroristische Vereinigung gegeben, da UB und UM – so sie denn verantwortlich für die Taten wären – eben nur 2 Personen sind, die nach juristischer Definition gar keine Vereinigung bilden können.

      Bliebe in dem Fall nur Beihilfe zum mehrfachen Mord für alle Angeklagten und auch das wird nach derzeitigem Stand schwierig zu beweisen. Selbst wenn die Übergabe der Waffe gesichert sein sollte, ist zunächst nur ein Teil des doppelten Vorsatzes erfüllt. Es wäre noch zusätzlich zu beweisen, dass der Übergeber/ der Organisator der Waffe tatsächlich vom vermeintlichen Plan der Uwes wusste und also aktiv unterstützen wollte.

      Für BZ steht zudem besonders schwere Brandstiftung durch Verdecken der vermeintlichen Straftaten der Uwes, so denn nachgewiesen werden kann, sie hat etwas von den Taten gewusst und diese die Täter waren. Wenn nicht, nur noch schwere Brandstiftung.
      Nichtmal Strafvereitelung kommt in Frage, da gegen die Toten Uwes nicht ermittelt werden kann.

      Schwere Brandstiftung mit Rufen der Feuerwehr, Klingeln bei der Oma, Retten der Katzen und stellen bei der Polizei.
      Macht <5 Jahre, davon bereits 3,5 in U-Haft abgesessen. Darauf läuft es hinaus…jedenfalls im zweiten Verfahren.

      Mit Sicherheit wird jetzt das Maximum gezogen werden, ist nämlich gut vorbereitet durch Presse, Politik und Co.

      1. Geklingelt bei der Oma hat es laut deren Aussage ganz genau 1 Mal, und nach Aussage des Handwerkers Rene Kaul war er das.

        Wo man da jetzt „Zschäpe“ unterbringen will, die geklingelt haben soll, das erschliesst sich mir nicht, und das geht aus den Akten auch nicht hervor.

  2. Aufenthalt und Rolle von Zschäpe sind völlig ungeklärt, was den 4.11.2011 und davor angeht. Ob Frau Heike K. aus der Polenzstrasse da eine verlässliche Zeugin ist sei dahingestellt.

    Hättet Ihr die Akten durchgearbeitet wüsstet Ihr, dass eine Bahnverbindung von Zwickau nach Haste gesucht wurde, von wo aus man per Bus nach Lauenau fährt, wo Holger Gerlach wohnte. Das ist aus dem Internetverlauf des PC in der Frühlingsstraße EDV 01 ganz klar abzulesen.

    Steht da drin.

    Wer bequemeren Gemütes ist, der schaut bei „Nachdenkerin“ im Forum nach. Auf die Presse ist man jedenfalls keineswegs angewiesen. Zum Glück nicht.

    1. Achso, auf die Presse ist man nicht angewiesen?!

      2 Drittel des Forums bestehen doch nur aus Meldungen der Presse . Insgesamt rund 170 000 Klicks nur auf Pressemeldungen aller Art. Das ist doch Deine Hauptbeschäftigung : Pressemeldungen. Weil es so schön passt, noch ein Zitat vom Fatalisten :

      „Man kann das ablesen anhand der zeitlichen Entwicklung der Todesart über 2 Wochen (!!!) bis hin zum 21.11.2011: Bundestag, Russlungen-Selbstmordlüge.
      Noch am 17.11. stand in der BILD: der eine nahm sich ne Pistole und schoss sich in den Kopf.

      So geht nicht „vorherige zentrale Planung“.
      No way.“

      Zitat Fatalist Ende

      Der Brüller schlechthin! Weil am 17.11. die BLÖD ihren Senf dazu gab, geht kein Weg da rein?!

      Muss mabn sich gaaanz langsam auf der Zunge zergehen lassen, wie der Kerl gestrickt ist!

      BLÖD zitieren und 170 000 Klicks auf Pressemeldungen und dann erzählen, die „Lügenpresse“ bräuchte man Gott sei Dank nicht!

      1. Was heißt zentrale Planung …

        Die Planung der genauen „Todes“-Umstände sind Detailplanungen, der NSU-Komplex als Projekt gewaltig, nimmt man nur die planerischen Schwerpunkte

        -„Terrornest“ Frühlingsstraße arrangieren,
        – Banküberfall, Showdown, Handling der „Aufklärung“
        – stringente Legendierung der NSU-Täterschaft,
        – DVD-Verteilung, Spuren legen, Wohnmobil arrangieren
        – Beweismittelmanipulation
        – Medienmanagment,
        – juristische, politische Folgen, Risikomanagment
        – Integrierung des komplexen Heilbronn-Kapitels
        usw.

        Der eigentliche „NSU“-Planungsstab selbst dürfte naturgemäß klein gewesen sein – und eben nicht „allmächtig“ trotz Regierungsauftrag, also aufgrund verdeckter Vorbereitung (unter relativem Zeitdruck) und restriktiver Informationsweitergabe an Ausführende waren Pannen unvermeidlich.

        Reibungsverluste sprechen nicht gegen Vorplanungen oder nötige Planungstiefe. Abstimmungsprobleme auch dadurch, dass unzureichend oder zu spät gebrieft wurde.

  3. In Summe würde ich sagen: Beate Zschäpe war Mitwisserin
    (das liegt auch in der Logik) aber nicht Mittäter.
    Denn dann, wenn es dafür außer theoretischer Anhaltspunkte auch nur einen Beweis gäbe, hätte sie sich nicht freiwillig gemeldet. Die Zschäpe hätte im arabischen Raum sehr gut untertauchen können.

  4. Zschäpe hat höchstens ein moralisches Problem, sie schuldet den Eltern der Uwes die Wahrheit. Diese Eltern leben für den Rest ihres Lebens mit dem Stigma „Monsterkinder“ herangezogen zu haben. Zschäpe könnte ihnen ihren Frieden und ein Stück Lebensqualität zurückgeben.

    Den Schritt will sie aber nicht gehen, sie dealt für sich selber, andere zahlen mit. Kann man ihr nicht vorwerfen, sollte man aber im Auge behalten. Sie ist kein Opfer, in dem Sinne ist sie Täter.

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