Florian Heilig: Große Unterschiede in Zeugenaussagen

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtages von Baden-Württemberg befragte Arbeitskollegen von Florian Heilig. Sie gehören zu den letzten Personen, die Heilig lebendig sahen. Die Aussagen eines Kollegen stützen die Darstellung der Polizei, Heilig hätte Selbstmord begangen. Die Angaben des anderen Kollegen würden sich deutlich unterscheiden, jedoch berichten Medien darüber nicht. 

Heilig nahm zwei Arbeitskollegen abends in seinem Auto zu ihrer Ausbildungsstätte mit. Auf der Fahrt hätte Heilig an einer Tankstelle gehalten und einen Kanister mit Benzin gefüllt.

Als sie an der Ausbildungsstätte eintrafen, wäre Heilig alleine weggefahren, er würde noch Schlaftabletten kaufen müssen. Laut der Polizei hätte Heilig sich kurz darauf mit Benzin überschüttet und in seinem Auto angezündet.

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Quelle: twitter

Die Aussagen des anderen Kollegen würden sich jedoch wesentlich unterscheiden. Nur „NSU-Watch BaWü“ gibt darauf einen Hinweis. Die Medien schweigen sich darüber gleichgeschaltet aus! 

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Quelle: twitter

Außerdem berichtet der „spiegel“, dass Florian Heilig eine Status-Meldung auf WhatsApp hinterließ, „der der Mitschüler nun als klaren Hinweis auf einen Suizid sieht.“

„Als er 2013 wegen seiner rechtsradikalen Umtriebe vor Gericht stand, sagte er dort: „Ja, ich bin krank. Ich habe Paranoia.“ Laut einem Mitschüler von der Berufsschule hinterließ er in der Nacht vor seinem Tod eine Status-Meldung auf WhatsApp, die der Mitschüler nun als klaren Hinweis auf einen Suizid sieht.“ (spiegel)

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ kritisiert gar die Angehörigen Heiligs, dass sie einen Selbstmord ausschließen. Sie würden Heiligs Erkrankung „ausblenden“ und, dass er zeitweise das Medikament Resperidon einnahm.

„Sowohl der Vater als auch die Schwester blendeten in ihren Aussagen aber fast vollständig aus, dass Florian wegen Angstzuständen und einer paranoiden Störung in ärztlicher Behandlung war und zeitweise auch das Medikament Resperidon einnahm. Auch die vielfältigen Hinweise, dass er Schwierigkeiten hatte, eine feste Beziehung zu einer Frau aufzubauen, ignorierten die Zeugen weitgehend in ihren Aussagen.“ (faz)

Heilig Vater berichtete dem UA, dass sein Sohn „kurz vor seinem Tod (…) ein Telefonat (…) in Todesangst versetzt haben“ soll.

„Er ist überzeugt, dass sein Sohn sich nicht selbst verbrannte, denn er habe panische Angst vor Feuer gehabt. Außerdem sehe er keinen Grund für einen Suizid.“(swr)

14 Gedanken zu „Florian Heilig: Große Unterschiede in Zeugenaussagen“

  1. Die „Stuttgarter Nachrichten“ erwähnen kurz den anderen Mitfahrer. Das er bestätigt hätte, dass Heilig „komisch drauf“ gewesen wäre.

    „Der angehende Maurer erinnerte sich auch daran, dass H. in der Woche vor seinem Tod „komisch drauf“ gewesen sei, nur noch wenig geredet habe. Das bestätigte auch ein anderer Kollege. H. habe zwei Nächte lang nicht geschlafen, sei alleine auf dem Balkon im Wohnheim gesessen. Von Problemen mit der Ex-Freundin und der Familie, aber auch von Drogenkonsum und Konflikten mit der Polizei habe Florian H. erzählt. Einigen Mitschülern gegenüber habe er geäußert, er werde „am Montag nicht mehr kommen“.
    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nsu-mord-viele-fragen-nach-raetselhaftem-tod.be6c9104-93c3-411c-b8fd-dae1b3a99070.html

    er werde „am Montag nicht mehr kommen“.
    Wenn das stimmt, ist das ein klares Zeichen für einen Mord-Androhung, Selbstmord oder Flucht. So wie das die Zeitung darstellt, hätte er eine Selbstmordabsicht bekundet.

  2. „Laut einem Mitschüler von der Berufsschule hinterließ er in der Nacht vor seinem Tod eine Status-Meldung auf WhatsApp, die der Mitschüler nun als klaren Hinweis auf einen Suizid sieht.”

    „Er schreibt noch Freunden und nutzt um 23.56 Uhr zum letzten Mal das Kurznachrichtenprogramm „Whatsapp“ auf dem Handy.
    Sein neuer Status lautet dort: „Du weißt nicht, was Du morgen erlebst. Du weißt nicht, ob Du morgen noch lebst“.

    http://www.swp.de/schwaebisch_hall/lokales/schwaebisch_hall/art1188139,3044397

    „Du hast dich entschieden „Songtext
    von Nena:

    „Bist du doch mit Worten viel zu weit gegangen
    Lachen hilft und das kannst du von dir verlangen
    Wozu die Last, die du auf deinen Schultern trägst
    Du weißt nicht was du morgen erlebst
    Du weißt nicht ob du morgen noch lebst“

    Nena. Ein klarer Hinweis auf einen Suizid.

    1. Vielleicht hat jemand anderes den Text eingegeben? Für einen Zugang zu Heiligs Facebook-Konto gibt es einen Hinweis:

      „Die Schwester sagt, nach dem Tod Florians sei dessen Facebook-Account gelöscht worden, die Frage sei nur: von wem? Im ausgebrannten Auto fanden die Geschwister Laptop und Handy von Florian H. Sie versuchen derzeit, die Geräte mit fremder Hilfe auszulesen. Die Polizei habe sich dafür nicht interessiert.“ http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nsu-untersuchungsausschuss-raetselhafter-tod-auf-dem-cannstatter-wasen.698f602c-7ea0-4e67-9071-3927dba92941.html

  3. Zwei Kollegen werden vernommen, die am Sonntag von Heilbronn mit ihrem Kumpel im Peugeot ins überbetriebliche Ausbildungszentrum Geradstetten gefahren waren. Sie widersprechen sich in vielen Details, was die ermittelnden Beamten damals 2013 offenbar genauso wenig störte wie die Tatsache, dass auch Einzelheiten der Verbrennung nicht zueinanderpassen. Der Brandamtmann der nahen Cannstatter Feuerwache, der sehr rasch am Ort des Geschehens war, wundert sich im Landtag über das ungewöhnlich kurze, heiße Feuer.

    Von einem Collegeblock seien nur die obersten Seiten angesengt gewesen. Die Polizei hingegen präsentiert der Familie, als die nach dem ungewöhnlich großen und dicht bestückten Schlüsselbund des Sohnes fragt, dass der vermutlich im Auto weggeschmolzen sei. Noch eine von gefühlt tausend neuen Fragen für den Ausschuss: Wo ist der Schlüsselbund tatsächlich abgeblieben?

    Es ist am Ende dieses langen Tages, als wäre die Büchse der Pandora geöffnet. Selbst Saaldiener sind geplättet vom Gehörten. „Da könnte man seinen Glauben an den Rechtsstaat komplett verlieren“, meint eine Mitarbeiterin anderntags. Der Ausschuss will Schritt für Schritt vorgehen: Unabhängig von dem Treffen mit Funke sind bereits für die Vernehmungen von einem guten Dutzend Zeugen am Montag und Freitag der nächsten Woche die Protokolle des Feuerwehrnotrufs angefordert und Bilder, die die Situation in und um den verbrannten Peugeot mit seinem Fahrer dokumentieren.

    http://www.kontextwochenzeitung.de/politik/205/papa-das-ist-meine-lebensversicherung-2765.html#comment-form

    1. Die Medien sind komplett gleichgeschaltet! Es wird der Widerspruch der zwei Kollegen Heiligs verheimlicht! So können die Medien zum Schluss kommen, dass sich Heilig selbst verbrannt hätte und selbstmordgefährdet gewesen wäre. Dabei sagen angesichts der Widersprüche selbst Saaldiener: “Da könnte man seinen Glauben an den Rechtsstaat komplett verlieren”.

  4. Florian hatte seinen ganz persönlichen Spitzel unter seinen Freunden, denen er jede neue SIM-Karten-Telefonnumer auch brav mitteilte. Über irgendwelche Apps, oder wie die Dinger heissen.

    Eigentlich ganz einfach, oder? Kann man drauf kommen…

  5. Was macht jemand, der panische Angst vor Feuer hat und sich gerade Benzin und Schlaftabletten gekauft hat?
    Richtig: Er verbrennt sich selber, weil er unter unlösbaren Einschlaf-Schwierigkeiten leidet.

    „Big Rex, das Aussteigerprogramm des Landeskriminalamts, mit dem Florian sich aus der rechten Szene lösen wollte, habe nur Informationen von ihm abgezapft, trotz Bedrohung aus der rechten Szene aber keine Hilfe angeboten“, so laut SWR die Angehörigen vor dem U-Ausschuss.
    Wenn die Ausstiegshilfe der Behörden versagt (sprich: mehr Schutz versprochen als geliefert) hatte, dann ist es für die Behörden natürlich bequemer, der Tod des Bedrohten lässt sich durch Suizid erklären – statt z.B. durch Mord seitens seiner Bedroher. Daher brauchten die Behörden nicht mal verbandelt gewesen sein mit den Mördern, was umgekehrt aber noch längst nicht ausgeschlossen ist.

    Und es ist überaus einleuchtend, was laut SWR Polizei und Staatsanwaltschaft rasch und messerscharf nach seinem Tod schlussfolgerten: Der erwachsene, gerichtsbekannte Neonazi habe „Suizid wegen schlechter Noten“ begangen. Weiß doch jeder, wie bildungsbeflissen Neonazis sind – alles verkappte kindische Streber. (Später hielt man bei einem erwachsenen Mann vom Bau dann doch Liebeskummer für passender.)

    Die selbstbescheinigte „Paranoia“ bedurfte natürlich auch keiner fachärztlichen Nachprüfung, denn wenn ein Neonazi dies schon selber zugibt, dann muss es einfach wahr sein.
    Dass er als Angeklagter vor Gericht einfach eine geringere Strafe aushandeln wollte, scheidet bei Neonazis als Motiv grundsätzlich aus – aufrechte Nationale machen sich doch nicht zum Affen, nur um zu vermeiden, ein bisschen „Festungshaft“ absitzen zu müssen wie ihr großes Vorbild.

    Und eine Glatze, die Nena-Songs hört und bei WhatsApp zitiert, muss einfach paranoid oder suizidal sein. Oder beides. 😉
    Sicherheitshalber betrachtet die Sache zunächst nur mal ein „Mitschüler nun als klaren Hinweis auf einen Suizid“. Für den Fall, dass die Öffentlichkeit die Deutung doch noch als allzu albern auffasst.

  6. Selbst wenn es Selbstmord war – was immerhin möglich erscheint, so lange der Benzin-Kauf nicht widerlegt ist – haben die Behörden allen Grund, die Hintergründe zu verschleiern. Schließlich wussten die mit Sicherheit, dass er enorm unter Druck stand (und warum) und waren für ihren Aussteiger ja auch verantwortlich. Macht sich nicht so gut, wenn sich die Leute lieber umbringen, als weiter mit dem (tiefen) Staat zu kooperieren. Daher MÜSSEN ja die Schulnoten oder der Liebeskummer der Auslöser gewesen sein.

      1. Sicher, der Benzinkauf wäre kein Beweis, lediglich ein Indiz für einen Selbstmord. Falls aber auch der Benzinkauf noch widerlegt wird, dann können die Behörden die Selbstmord-These endgültig begraben.

  7. Angeblich hat Narin eine Waffe, die in Zusammenhang mit einem Mord steht. Die „NSU-Mordwaffen“ sind jedoch alle „bestimmt, begutachtet und vorhanden“ beim BKA. Die können sie ja schlecht dann nach der Übergabe doppelt haben…

    Man wird sehen, was dabei rauskommt. Eine Dienstwaffe des Polizistenmordes von Heilbronn wäre natürlich schick. Dann wäre der Schauprozess zu Ende, abrupt.

    Wir werden es ja sehen…

    1. Uff, also falls das stimmen sollte…armer Narin kann man da nur sagen, da wird er viel rauchen müssen. Kann es mir eig. nicht vorstellen.
      Ich hoffe, man lässt ihn halbwegs unbehelligt seinen Job machen. Er gehört zu den Vertrauenswürdigeren Darstellern in dieser Tragödie.

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