Ein „erfolgreicher“ V-Mann? Ein kleines Portrait des Hans-Dieter Lepzien

Als mögliche (bezahlte) Informanten des Verfassungsschutzes (V-Mann) …

„… gibt es kaum rechtlich verbindliche, die eine oder andere Personengruppe … ausschließende Kategorien.“ (Roewer, H.: Nachrichtendienstrecht der Bundesrepublik Deutschland, Köln 1987, S. 119)

Diesen Kommentar zum „Recht der Nachrichtendienste“ schrieb ausgerechnet Helmut Roewer, der Chef des Thüringer Verfassungsschutzes von 1994-2000. Genau in dieser Zeit bildete sich der „Thüringer Heimatschutz“ (THS), in dem jeder zehnte ein Informant war. THS-Mitglieder gründeten die Terrorzelle „National Sozialistischen Untergrund“ (NSU), der eine Mord-Serie an türkisch-stämmtigen Mitbürgern zu Last gelegt wird. Darüberhinaus hätte sie Todes-Listen angelegt, Banküberfälle und Bomben-Attentate verübt. Abgesehen von der Mord-Serie kam in der Vergangenheit bereits etwas recht ähnliches vor – jedoch in Mitwirkung eines V-Mann, Hans-Dieter Lepzien!

Lepzien war V-Mann des niedersächsischen Verfassungsschutzes und beteiligt an Bomben-Attentate in Niedersachsen, die Ende der 70er Jahre seitens der rechtsextremen „Gruppe Otte“ verübt wurden. Auszug aus einem Spiegel-Artikel:

„Im Zentrum steht Hans-Dieter Lepzien, damals Taxi-Unternehmer und stadtbekannter Neonazi, der sowohl für die Stasi als auch für den Verfassungsschutz spionierte. „Der in Peine wohnende Günter Bachmann, ein Bruder des Dutschke Attentäters Josef Bachmann, gehört ebenfalls einer NS-Zelle an“, meldete der Doppelagent damals nach Ost-Berlin.

Lepzien erinnerte sich an einen gemeinsamen Gaststätten-Besuch. Günter habe einen NSDAP-Aufkleber aus seiner Tasche geholt und gesagt: „Hier, das ist jetzt meine neue Partei.“ Selbst über Waffen „für den Untergrundkampf“ haben die beiden Kumpane nicht lange nach dem Attentat diskutiert. Bachmann habe angeboten, „nagelneue tschechische Waffen, Maschinenpistolen und italienische Pistolen“ zu besorgen. Eine Anschuldigung, die Bachmann heute maßlos ärgert – weniger wegen des Nazi-Vorwurfs. Der andere, Lepzien, „war es, der die Waffen anbot“, sagt er.

Das Attentat seines Bruders muss eine Art Startschuss für die Peiner Neonazis gewesen sein, so jedenfalls steht es in den Stasi-Akten. Der frühere Josef-Bachmann-Freund Paul Otte sammle „Waffen, Munition, speziell Sprengstoff, um die Kampfgruppen der NSDAP/AO ausrüsten zu können“ – AO steht dabei für „Aufbau-Organisation“. Zur Terrorfinanzierung habe Otte sogar einen Banküberfall „ähnlich den Überfällen der Baader-Meinhof-Gruppe bereits schon vorexerziert“.

Selbst „schwarze Todeslisten“ mit den Namen von 600 Juden, Linken und prominenten Bundesbürgern legten Otte und seine Kumpane an, um sie „durch Attentate auszuschalten“. Weit oben, mit exakt ausgekundschafteten Privatanschriften, standen Personen wie der Fernsehstar Hans Rosenthal, dessen Angehörige im Holocaust ermordet worden waren, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Berlins Heinz Galinski und der Filmregisseur Ulrich Schamoni („Spezialist in Hetzfilmen gegen Deutsche“).

Otte, ein Altnazi, Jahrgang 1924, war seit Anfang der sechziger Jahre eine Art Vaterfigur für Josef Bachmann und andere Jugendliche in Peine. Der Anschlag auf Dutschke muss ganz in Ottes Sinn gewesen sein, schließlich wollte der „die staatliche Ordnung von innen her erschüttern“, damit die Bevölkerung nach „mehr

Ein Gedanke zu „Ein „erfolgreicher“ V-Mann? Ein kleines Portrait des Hans-Dieter Lepzien“

  1. Traurig, wie man sich ausschließlich auf die „objektive“ Berichterstattung des Spiegels verlässt….
    Übrigens: Die Oftmals erwähnte „Stasi-Akte“ über Lepzien ist scheinbar nur dem Springer Verlag bekannt…..

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