Japan kommt trotz Geldschwemme nicht aus Deflation

Die Zeitung „die welt“ berichtete Mitte Februar 2015 über die fehlgeschlagene geldpolitische Strategie der japanischen Regierung und Zentralbank. Die Zentralbank „druckte“ Geld und kaufte Anleihen von Unternehmen. Der japanische Staat verschuldete sich und gab es aus. Die Wirtschaft wurde „dereguliert“. Dadurch stieg der Schuldenberg Japans weiter beträchtlich an. Die „welt“ veranschaulichte den Schuldenberg in einer Grafik:

japan-schulden-die-welt

Quelle: die Welt

Doch statt diesen Kurs zu kritisieren, lässt die „welt“ nur neoliberale „Experten“ zu Wort kommen. Die kritisieren zwar einerseits die Verschuldung, propagieren jedoch andererseits ein wirtschaftspolitisches „Weiter so“. Diese Entwicklung sollte Europa eine Warnung sein.

Die Welt berichtet, dass die „Geldschwemme“ zwar kurzzeitig die Wirtschaft belebte, „auch die Inflationsrate stieg leicht an“, jetzt würde die Wirtschaft jedoch wieder stagnieren. Das Problem ist, dass das gedruckte Bargeld gehortet wird und nicht investiert:

„Denn das Gelddrucken hat bisher nicht die gewünschten Effekte gezeigt. Die Firmen verfügten nach Angaben des Finanzministeriums am Ende des vergangenen Geschäftsjahrs über rund 300 Billionen Yen (2,2 Billionen Euro) an Barreserven. Doch sie horten sie nach wie vor lieber als zu investieren und damit neue Arbeitsplätze zu schaffen.“

Jetzt müsste für Japan eigentlich die logische Konsequenz sein, eine Umlaufsicherung auf Bargeld einzuführen. Wenn die Geldhortung Kosten verursacht, dann wird sie un-profitabel. Silvio Gesells noch immer aktueller Vorschlag ist, dass Bargeld „rosten“ muss. Der Effekt ist, dass Bargeld dann lieber investiert, ausgegeben wird. Es könnten ggf. auch die Guthaben auf Sichtguthaben mit der Gebühr belastet werden. Dadurch wird Bargeld mittel- und langfristig bei Geschäftsbanken angelegt und die Zinsen sinken auf Null. 

Doch zitiert die „Welt“ stattdessen neoliberale Wirtschafts“experten“. Das Hauptproblem wäre nicht die Deflation, sondern dass die japanische Wirtschaft „nach außen weitgehend vom Wettbewerb abgeschottet“ wäre, es gäbe zu-viele Arbeitnehmer-Rechte, Kündigungsschutz. Anzumerken ist hier, dass Japaner 1-2 Wochen Urlaub in Jahr haben und viele Überstunden machen! In welcher Welt leben solche „Experten“ eigentlich?

Ob Japan seine Märkte nach außen abschottet oder nicht, ist in dem Fall unwichtig. Auch eine nach außen offene Volkswirtschaft kann in eine Deflation fallen, beste aktuelle Beispiele sind die europäischen Volkswirtschaften.

Deflation entsteht dann, wenn das produzierte Angebot größer als die mit Bargeld ausgestattete Nachfrage ist. Bei dieser Betrachtung spielt der Außenhandel keine Rolle.

Der Export kann eine Deflation etwas abmildern, das zeigt das Beispiel Deutschland, da die produzierten Güter nachgefragt werden. Dadurch verschuldet sich jedoch das importierende Land beim exportierenden Land. Diese Situation ist mittel- und langfristig untragbar, das zeigt die momentane Situation Europas.

Japan wertete durch die „Geldschwemme“ den Wert ihrer Währung ab. Dadurch sollte auch der Export angekurbelt werden. Vom „Export“ kann keine Volkswirtschaft leben, sondern von der Binnen-Nachfrage.  

Die Aussagen in der „welt“ sind volkswirtschaftlich auch deshalb unsinnig, da durch vermehrte Exporte der Wechselkurs der Währung des exportierenden Land sich verteuert. Das macht am Ende das Export-Modell un-profitabel.

16 Gedanken zu „Japan kommt trotz Geldschwemme nicht aus Deflation“

  1. nein, wenn die geldhaltung kosten verursacht, kauft man für das geld sachwerte oder fremde währungen. wenn alle gleichzeitig das machen, kann man es auch gleich als toilettenpapier benutzen. die menschen lassen sich nicht widerstandslos enteignen.

    1. Genau das Kaufen von Sachwerten (ausgenommen Markteintrittsmonopole, wie Grund und Boden) ist mit der Umlaufsicherung beabsichtigt.

      Das Kaufen von fremden Währungen wird durch die Verteuerung des Wechselkurses eingeschränkt.

      Aufgrund der geringen Umlaufsicherung (je nach Umlaufgeschwindigkeit 1-6 % im Jahr) steigen die Leute doch nicht „alle gleichzeitig“ auf eine Fremdwährung um. Das ist mir von afrikanischen Staaten bekannt, wo es eine Hyperinflation von mehreren hundert Prozent gibt. Die Umlaufgeschwindigkeit wirkt genau anders herum: Sie verhindert sowohl Inflation wie Deflation, weil die Umlaufgeschwindkeit dann endlich kontrolliert wird und die Hortung verhindert.

      Es wird also niemand durch eine Umlaufgeschwindigkeit „enteignet“, das Gegenteil ist wahr.

      1. sie können die umlaufgeschwindigkeit nicht beliebig erhöhen. wenn sie das erzwingen steigen die preise bis es eine panik gibt woraufhin die preise regelrecht explodieren und die waren gehortet werden. auch der wechselkurs einer währung muss einigemassen stabil oder wenigstens unvorhersehbar sein. wenn ich sehe wie der kurs heruntergeht und gleichzeitig weiss, dass ich auch noch eine umlaufgebühr zu zahlen habe, und mir bewusst bin dass die anderen auch diesem zwang ausgesetzt sind, nehme ich an dass der wert noch weiter sinkt. was könnte ihn auch stabilisieren? die anderen werden ja dasselbe tun und die papierwährung ist nur durch das allgemeine vertrauen gedeckt, welches zunehmend schwindet. ein szenario wie derzeit in venezuela

        1. „Panik, explodierende Preise, unvorhersehbare Wechselkursschwankungen …“ Sie machen verrückte Horror-Szenarien auf, die mit der Realität nichts mehr zu tun haben! Nochmal: Wir reden hier über Umlaufsicherungsgebühren von 1%-6% im Jahr, je nach Umlaufgeschwindigkeit.

          Im Moment wären die Zentralbanken froh, wenn sie die Umlaufgeschwindigkeit nur ein bisschen erhöhen könnten, dafür pumpen sie Billionen Euro/Dollar/Yen in die Märkte.

          „Rote_pille“ – Sie verdrehen die Wahrheit, wenn Sie behaupten, dass die Umlaufsicherungsgebühr Instabilität hervorbringen würde. Das jetzige System ist bereits hochgradig instabil, und Sie haben keinerlei Reformvorschläge in Petto.

          1. doch hab ich: alle bankrott gehen lassen, schulden und vermögen streichen und mit einer sachwertwährung, ohne zentralbanken oder staatliche eingriffe ins geldwesen und verschuldungsverbot für staaten neu beginnen.
            nehmen wir an, es kommt zunächst nicht zu einer hyperinflation. was wird dann passieren?
            die wirtschaftsteilnehmer werden versuchen ihre kassenhaltung zu verringern. das bedeutet aber nicht notwendigerweise sinnvolle neue investitionen. man kann auch die bereits vorhandenen vermögenswerte kaufen und ihren preis in die höhe treiben. und was wurde dadurch erreicht? investoren nehmen kredite auf, die nun nichts kosten, und kaufen damit weitere vermögenswerte. deren werte steigen dadurch immer und generieren eine blase. genau die blase, die die krise verursacht hat, denn auch hier war der leitzins unter dem marktgegebenen zinssatz. irgendwann bemerken die investoren: moment mal, die rendite rechtfertigt nicht den preis. dann platzt die blase und die krise kommt. jetzt kann die umlaufgebühr nur noch weiter erhöht werden, um die kassenhaltung zu verhindern, weil die investoren nun bereit sind sie zu bezahlen, um nicht in den markt reingehen zu müssen. das wiederum führt früher oder später zur entwertung der währung, da die investoren nun auf fremdwährungen umsteigen.
            nehmen wir nun an, die lage wäre besser und es würde tatsächlich viel mehr investiert werden. dann werden jedoch viele unternehmer auf die gleiche idee kommen und der kreditbedarf steigt. die zinssätze werden deswegen positiv bleiben, selbst wenn das geld rostet. wenn ihr mir das nicht glaubt, seht euch an wie die zinssätze der großen inflationsperioden der 70/80er verlaufen. sie steigen mit kurzem zeitabstand stets mit der inflation, obwohl die kapitalgeber doch gezwungen sind das geld loszuwerden, da es an wert verliert.
            man kann mit staatlichen eingriffen, die umlaufgebühr ist so einer, das wirtschaften nicht vom zins lösen. der (ur)zins ist die gebühr für das verleihen von eigentum, geld hat wie alles andere einen privaten eigentümer und wird deswegen auch nur gegen zins verliehen.

          2. Angesichts der heute bereits inflationierten (aufgeblähten) Zentralbankgeldmengen ist eine Umlaufsicherung schon ein „Tanz auf dem heißen Vulkan“. Durch die Gebühr kann die Geldmenge gesenkt werden, aber nur langsam, nicht in dem Ausmass, wie jetzt nötig. Erstmal müsste wahrscheinlich eine Währungsgeform die Währung auf eine vernünftige Geldmenge zurückbringen, also alte Bankscheine umtauschen gegen neue, Verhältnis 10 zu 1. Guthaben/Schuldenschnitt sind notwendig.

            Die geschilderte Blasenbildung ist bereits Realität! Siehe Finanzspekulationen, Preise für Grund und Boden in Grund und Boden in ausgewählten Lagen. Das hängt eben nicht mit der Umlaufsicherung zusammen, sondern im Gegenteil mit dem eskalierten (Zinses-Zins) Geldvermögen, die vagabundierend durch die Welt geistern. Damit würde die Umlaufsicherung Schluss machen, da es keine hohen Zinsen mehr geben würde, wie in den 70/80er Jahren.

            Die Höhe der Umlaufsicherung richtet sich an der Umlaufgeschwindigkeit. Wenn das Bargeld ausgegeben wird, geringe Umlaufsicherung, wenn nicht, höhere Gebühr. Statt Bargeld zu horten, sollen Vermögenswerte gekauft werden, ausgenommen Markteintrittsmonopole. Es würden die Preise, etwa für Kunst, steigen, was zu begrüßen ist.

            Warum kann heute nicht alle Welt Kredite aufnehmen, trotz günstiger Zinsen? Geringe Zinsen bedeuten nicht zwangsläufig hohe Kreditnachfrage. Auch mit Umlaufsicherung und Guthabenzinsen um Null muss der Kreditnehmer selbstverständlich nicht nur den Kredit zurückzahlen, sondern auch die Bankvermittlungskosten, mit denen das Kreditrisiko auch weiterhin abgedeckt wird. Bei hoher Umlaufgeschwindigkeit und Kreditnachfrage, gibt es eine geringere Umlaufsicherungsgebühr! Laut Creutz könnte es beim Boom sogar wieder zu leicht positiven Zinsen für mittel- und langfristige Kredite kommen!

            „Und kommt es in einer Volkswirtschaft zu einer sich belebenden Kreditaufnahme, z. B. im Zusammenhang mit neuen Innovationen, dann würde sich damit natürlich auch wieder vorübergehend ein Knappheitsaufschlag und damit eine Verschiebung der Guthaben-Zinstreppen in den positiven Bereich ergeben.“

            Die Haltung von Liquidität ist ein Markteintrittsmonopol, denn das benötigte Zahlungsmittel Bargeld wird dem Kreislauf asozial entzogen und nur dann ausgegeben, wenn der Zins erpresst wird. Genau das beobachten wir heute. Um die Blockade aufzubrechen, drucken Zentralbanken neues Geld.

            Auch bei Sachwertwährungen ist diese Erpressung möglich, der „Urzins“ weiter in Kraft. Ihr Vorschlag würde die Problematik nicht lösen, sondern noch weiter verschärfen, weil Zentralbanken nicht mehr Geld schöpfen könnten. Ihr Vorschlag ist ein alter Käse, das ist schonmal mit aller Härte durchgespielt worden, siehe Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre.

          3. nein, die wirtschaftskrise wurde in den 20er jahren durch jahrelange manipulation des zinssatzes durch die zentralbank nach unten verursacht, und heute schon wieder! die existenz einer zentralbank macht es möglich den zinssatz beliebig zu senken. wenn eine privatbank alleine die zinsen senkt, dann fließt das geld bei ihr ab, weil bei ihr mehr kredite aufgenommen werden (wegen günstigen konditionen) als sie einlagen bekommt (weil zu wenig gezahlt wird). früher oder später muss sie die zinsen wieder anheben, um bares zu bekommen. aber wenn eine zentralbank existiert, senkt sie einfach den zins für das ganze system und sorgt für das aufblasen der vermögenswerte. keine umlaufgebühr kann daran etwas verhindern, denn die umlaufgeschwindigkeit wird immer nur eine richtung kennen: nach unten, weil der blaseneffekt langsam nachlassen muss (siehe hierzu mises‘ konjunkturtheorie, kursiert frei im netz). das müsste durch eine ständig steigende gebühr ausgeglichen werden, bis zur vollständigen entwertung. in der zwischenzeit (bei guter wirtschaftslage) hat sie keine zinssenkende wirkung. genausowenig wie das inflationsgeld, dass 10% an wert verloren hat, was doch dasselbe ist wie eine umlaufgebühr in der höhe. trotzdem mussten 15% zinsen gezahlt werden. grund: man geht einfach in einen anderen währungsraum, der weniger inflationiert oder investiert in sachwerte, die die gleiche rendite abwerfen. hier noch ein beispiel dazu: ein auto verliert doch auch an wert, aber wenn sie es leihen werden sie trotzdem mit einer gebühr zurückgeben müssen, und in der leihgebühr werden sie auch den wertverlust mitbezahlen, weil der eigentümer die wahl hatte ob er das auto in seinem besitz hält und verleiht oder es nicht für irgendetwas längerlebiges eintauscht. der eigentümer senkt seine leihgebühr nicht, weil sein auto an wert verliert. ebenso ist es mit dem geld.
            das momentane gelddrucken kaschiert die allgemeine verarmung, die verbraucher müssten eigentlich schon pleite sein, wenn sie nicht ständig nachdrucken würden. die vermögensunterschiede resultieren daraus, dass das meiste neue geld bei den reichen hängen bleibt (die es als 1. erhalten) und nicht aus dem zinseszinseffekt. außerdem werden ihre verluste, die sie in einem liberalen system schon erlitten hätten (finanzkrise) durch den staat aufgefangen und der allgemeinheit aufgebürdet.
            die umlaufgeschwindigkeit in einem sachwertsystem würde leicht oszillieren. wenn irgendwo zu hohe schulden aufgetürmt werden, müssen sie halt mit dem entsprechenden guthaben abgeschrieben werden. da gibt es keine dauerhafte exponentielle entwicklung, weil sie immer wieder unterbrochen wird. überschuldete privatleute gehen halt pleite. mit einem wirksamen staatsschuldenverbot geht daran auch nicht die wirtschaft zugrunde, weil andere privatleute gerade erfolg haben.
            das bargeld wird auch nicht „asozial“ entzogen um irgendwas zu erpressen. es ist privates eigentum. der eigentümer gibt es heraus wenn er eine gegenleistung dafür bekommt, er hat es auf dem gleichen wege erhalten.

          4. Der Weg zum Crash 1929 ist der kapitalistische Weg ins Chaos, den wir auch heute beobachten: Der Zinses-Zins-Effekt schaffte über Jahre eine untragbare Ungleichheit in der Vermögensverteilung, der auch durch Löhne nicht lösbar ist. Es gab immer mehr Schuldner, Super-Reiche und immer mehr vagabundierendes Geld, das der Spekulation diente. Der Grund für steigende Bargeld-Haltung und Spekulation sind zwar wirklich für Anleger zu geringe Zinsen, aber das ist nicht die Schuld der Zentralbank sondern zwangsläufige Folge des Zinses-Zins-Effektes, der Übervermögen und Überschuldung. Das System hat sein Haltbarkeitsdatum überschritten.

            Meinen Sie ernsthaft, dass die Zentralbank den Geschäftsbanken zu geringe Zinsen aufzwingen würde? Dafür kenne ich keine Belege. Erst nachdem eine Rezession und Deflation (damit auch Bankencrash) droht, wurden die Leitzinsen gesenkt (das passiert heute). Umgekehrt auch: Während Zeiten der Inflation und Wirtschaftswachstums, gab es Leitzins-Erhöhungen. Die Leitzinsen orientieren sich nämlich an der Inflation. Bei hoher Inflation wurden die Leitzinsen angehoben, bei geringer Inflation gesenkt. Zins-Senkungen belebten auch die Wirtschaftsentwicklung. Doch Erhöhungen der Leitzinsen führten auch zu höheren Guthaben-Zinsen und damit zu wachsender Ungleichheit.

            Ich kann mir nicht erklären, wie Sie aus ideologischen Gründen diese Zusammenhänge nicht sehen können.

          5. ich nehme an, dass sie auch den 2. teil des letzten kommentars gelesen haben, denn ich habe mir wirklich mühe damit gegeben.
            doch nun zur antwort auf die wirtschaftskrise:
            erst einmal die kurzerklärung wie der urzins zustande kommt: die konsum- oder sparentscheidungen bestimmen ihn. wenn viele ersparnisse zur verfügung stehen, dann sinkt er, kann jedoch niemals 0 werden oder gar negativ, weil immer ein teil konsumiert werden muss.
            bevor die finanzkrise zuschlug, haben die zentralbanken den kreditgeldumlauf erhöht. dazu haben sie die zinsen unter den durch die ersparnisse gegebenen satz gesenkt. dazu sind sie sehr wohl in der lage, es handelt sich um eine regierungsbehörde, die unbegrenzte mengen an geld schaffen verleihen kann, denn die regierung haftet für sie. investitionen, die bei den gegebenen ersparnissen unrentabel waren, wurden dadurch angeregt.
            jetzt drängen immer mehr unternehmer auf den markt. die arbeit selbst wird nun teurer, die produktionsgüter ebenfalls. das kapital, was für die produktionszeit zurückgelegt wurde, reicht nun nicht mehr aus, um die laufenden kosten zu decken. der unternehmer wurde in die irre geführt, seine erwartungen decken sich nicht mehr mit der realität. das geld wird nun knapp, folglich muss der zinssatz wieder ansteigen (es braucht mehr geld für den konsum der arbeiter) und die unrentablen unternehmen müssen deswegen aus dem markt gedrängt werden, denn sie hatten mit einem niedrigeren zinssatz gerechnet. da das von einer regierungsbehörde aus für das ganze system gleichzeitig gemacht wird, gibt es eine allgemeine krise. wenn es nur von einer privatbank betrieben worden wäre, hätte man den effekt nicht gespürt. aber wenn die kreditausweitung in großem umfang gemacht wurde, wird die krise entsprechend katastrophal ausfallen. es kommt noch unsicherheit hinzu, die eine zeit lang dafür sorgt, dass die kapitalgeber ihre ersparnisse dem markt nicht mehr wie unter normalen umständen zur verfügung stellen.
            das schlimme ist, die regierung versucht den wiederanstieg so lange wie möglich zu verhindern. sie senkt den zinssatz immer weiter um den gewünschten effekt zu erzielen und die unternehmen, deren kosten unverhofft gestiegen sind so zu entlasten. es soll immer mehr geld hereingepumpt werden.
            die große inflation konnte bis jetzt dadurch verhindert werden, dass man die arbeiterlöhne niedrighalten konnte (durch inkaufnahme von hoher arbeitslosigkeit) und somit die preise der konsumgüter auch nicht so schnell steigen können. wenn man sich aber die vermögenswerte im 10-jahreschart ansieht, kann man sehen wo das geld geblieben ist. das schafft auch diese wahnsinnig großen vermögen, und nicht die zinsen. erinnert euch nur daran wie schnell die vermögen in der letzten finanzkrise zusammengeschmolzen sind. es ist nur eine vermögensillusion, nichts weiter. wenn die regierung aufhört, sich in die märkte einzumischen ist es damit aus.
            wie gesagt, der zinseszins hat natürliche grenzen. wenn der schuldner nicht mehr zahlen kann, hilft einem auch die schönste exponentialfunktion nicht. außer die regierung greift ein und sozialisiert die schulden. aber auch das muss eines tages ein ende haben, oder? spätestens wenn das volk es leid ist, für fremde schulden zu bezahlen. warum sonst sollten die ach so mächtigen kapitalgeber darauf angewiesen sein, dass z.b. griechenland gerettet wird?
            dass es einem gläubiger in einem freien system gelingen sollte, ausgaben immer unter den einnahmen zu halten, immer auf das richtige pferd zu setzen und auszusteigen, bevor die sache ein ende findet und so sein vermögen exponentiell mit einer wachstumsrate zu vermehren, die auch noch über dem allgemeinen wirtschaftswachstum liegt, ist unwahrscheinlich, aber machbar. dass das aber über viele generationen passiert, die alle eine verschiedene einstellung zum geld haben, erben usw. ist unmöglich und noch nie vorgekommen (selbst die alten privilegierten aristokraten haben das nicht geschafft, selbst mithilfe der regierungsmacht nicht). und erst über solche zeiträume und unter solchen voraussetzungen könnte das für das system ein problem darstellen.

          6. es für Ihre Grundannahme keinerlei Belege, die Zentralbanken hätte die Guthabenzinsen der Geschäftsbanken ohne Grund gedrückt. „dazu haben sie die zinsen unter den durch die ersparnisse gegebenen satz gesenkt.“
            Damit erübrigt sich auch eine Antwort auf die restlichen Ausführungen. Sie machen den Bock zum Gärtner, wenn Sie (angeblich) zu geringe Zinsen als Ursache für die Krise aus. Ich sehe diese Darstellung als unrealistisch an und werde ab sofort darauf auch nicht mehr antworten.

          7. ich habe mich wohl falsch ausgedrückt. die zentralbank hatte natürlich einen grund. einen politischen grund. der grund war der, dass es die allgemeine auffassung gibt, niedrige zinsen würden die wirtschaft ankurbeln. das tun sie in der tat, aber nur temporär. und dann kommt die dadurch ausgelöste krise.
            weitere gründe können sein: die regierung möchte mehr geld ausgeben, wenn sie es sich am kapitalmarkt besorgt, steigt der zins für die unternehmen und würgt die wirtschaft ab (ein teil der ersparnisse wird von der regierung aufgebraucht, der ihnen sonst zur verfügung stünde). regierungen wollen aber ständig über ihre verhältnisse leben, und möglichst so, dass die nachfolgende generation die lasten trägt. deshalb lautet ihre daueranweisung an die zentralbank: runter mit den zinsen. schneller blick auf den schuldenstand und die geschehnisse in der eurozone: die nachfolgende generation sind WIR!

      2. was die afrikanischen staaten mit der hohen inflation angeht: jeder wohlhabende, der dort sparen will, hat fremdwährungen. die armen interessiert es nicht, welche währung sie bekommen, da sie sie schon am gleichen tag oder in der gleichen woche für das nötigste ausgeben müssen. wirtschaftliche vorteile wie 0-zinsen gibt es dadurch aber nicht. die kredite kommen immer mit devisenklausel. die eliten messen ihre vermögen in dollar.

  2. Sind vermutlich doch kommunistisch bei – der – Verschuldung!
    Anders kann das gar nicht sein.

    Die können das eben nicht im Gegensatz zu uns……. vermitteln da die erzkonservative Lügenblattler von -die Welt.

  3. @ rote Pille
    „doch hab ich: alle bankrott gehen lassen, schulden und vermögen streichen und mit einer sachwertwährung, ohne zentralbanken oder staatliche eingriffe ins geldwesen und verschuldungsverbot für staaten neu beginnen.“

    Und das soll neu sein?
    Genau darauf arbeiten doch die Notenbanken hin.
    Ich aber sage: es wäre besser gewesen 2008 die Kreditkrise auszuschwitzen. Das hätte zwar eine handfeste Krise mit sich gebracht, aber heute 6 Jahre später, wäre diese Krise schon so gut wie vorbei. Stattdessen wurde und wird Geld ohne Ende erzeugt, die Verarmung der Vermögenden in Kauf genommen und das alles aus politischen, d.h. aus geopolitischen Gründen!
    Das was Sie hier vorschlagen ist ohne Konzentrationslager und Massenerschießung nicht machbar.
    Und ohne Notenbanken? Das halte ich für eine Mischung aus wilhelminischer Zeit (Goldstandard; die Geldmenge durfte nicht schneller steigen, wie die Summe des national verfügbaren Goldes) und leninscher Planwirtschaft.
    Letztere wurde, nachdem Lenin vorzeitig an Syhillis verstarb, von den berümten leninschen Suppenküchen verschont.
    Der wollte nämlich, das in der gesamten Sowjetunion die privaten Küchen, weil angeblich unwirtschaftlich, durch Großküchen ersetzt würden. Also jeden Tag für alle im ganzen Land immer dasselbe Essen. Heute sind die Marxisten schlauer
    und wollen das große Ziel: „Armut für alle“ auf Schleichwegen erreichen.
    Da muss ich mir nur die Sprüche der Neokommunisten im Bundestag anhören: „Enteignet die Expropriateure“ wurde ersetzt durch: Reichtum muss geteilt werden.
    Und dann? Ich weiß es: Wenn das letzte Vermögen, der letzte monetäre Reichtum aufgeteilt und aufgefessen ist, führt das ansonsten wenig effektive Planwirtschaftssystem zu Armut für alle. Deshalb braucht es KZ und Massenerschießung.
    Es braucht eine Stasi. Ohne dem wird es nicht gehen!
    Und was Sie weiter oben schreiben, die Besitzenden liessen sich ja nichts freiwillig wegnehmen, deutet genau in diese Richtung.
    Aber der absolute Schrott ist die Behauptung, die Notenbanken sollten durch Privatbanken ersetzt werden.
    Aber das haben wir doch schon lange! Die FED in den USA ist eine Privatbank und keine staatliche Notenbank!
    Nach Ihrer Meinung und diese deckt sich sogar mit meiner, dürften die Zinsen nicht niedriger sein. Aber wie wollen Sie dann die „Reichen“ geräuschlos enteignen? Das geht nur mit niedrigeren Zinsen als die Inflationsrate ausmacht.
    Genau das hatte ich mir doch für 2008 bis jetzt gewünscht: angemessenen Zins und keine Bankenrettungen.
    In Summe: die Krise sollte ausgeschwitzt werden!
    Der Kollateralschaden hätte hingenommen werden müssen.
    Jetzt ist dieser Schaden nur vertagt worden, aber nicht aufgehoben. In Folge treten Leute wie „rote Pille“ in Erscheinung und stellen die Systemfrage!
    Dagegen wäre auch nichts einzuwenden, wenn diese Systemkritiker eine funktionierende Alternative vorzuweisen hätten. Aber für ein paar Jahre würde nur der Überwachungsstaat (der unverzihtbar dazu gehört) funktionieren. Mit wessen Geld? Mit Schulden, mit einer wieder aufgeblähten, aber anders aufgeblähten Finanzwirtschaft!
    Und das beste kommt jetzt: all das hatten wir schon mal.
    Wir hatten sibirische Straflager, wir hatten zigmillionen Tote wegen Verhungerns und in Summe immer wieder dasselbe:
    „Armut für Alle“!

  4. Der springende Punkt ist doch die hartnäckige Deflation und nicht anderes. Darauf hatte die japanische Notenbank nach altem Rezept reagiert.
    Und jetzt zeigt sich, dass die Deflation andere Ursachen hat.
    Diese wäre erst dann beendet, wenn man „Helikopter Ben“ von der Leine lassen würde.
    Das ganze Gerede von Erhöhung oder Verminderung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ist nicht zielführend.
    Wir haben in Japan ein Nachfrageproblem!

    1. Wenn die Armen das Zentralbankgeld bekämen, würde das sofort in die Nachfrage gehen und würde höchstwahrscheinlich eine Inflation entfachen. Das Problem kann nicht mit Gelddrucken gelöst werden, sondern nur aufgeschoben.

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