NSU-Prozess: Herkunft des Brettspiels „Pogromly“ bleibt unklar

Dem Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe wird vorgeworfen, das rassistischen Brettspiel „Pogromly“ ausgearbeitet und vertrieben zu haben. Im NSU-Verfahren wurde dieser Behauptung nachgegangen. Wie nicht anders zu erwarten war, kam nichts dabei heraus. Die Hintermänner bleiben im Dunkeln. Das Trio dient als Sündenbock, als Einzeltäter. Das ist auch bei den anderen ihnen zugeschriebenen Untaten der Fall, siehe: „NSU Tatorte: Keine Spur von Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt„.

Das Portal „Heise“ schreibt:

„Laut Spiegel Online stellte einer der Zschäpe-Verteidiger folgende Fragen: „Woher wissen Sie dann, dass das sogenannte Trio das Spiel hergestellt hat? Waren alle Spiele gleich, oder gab es Unterschiede? Waren die vernichteten Exemplare identisch? Waren Fingerspuren auf den sichergestellten Spielen?“

Auf alle Fragen musste der Zeuge passen. Die Thüringer Allgemeine Zeitung berichtet, der Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben habe den Wert der Zeugenaussage des Kriminalkommissars auf „Null“ eingestuft.“(heise)

Die Hintermänner des Terrors können froh sein: Die deutschen Medien berichten nicht über die Vertuschungs-Aktionen, weshalb kein öffentlicher Druck für Politiker besteht, ihren Sonntagsreden Taten folgen zu lassen.

Der Rechtsanwalt Sebastian Scharmer vertritt beim NSU-Prozess die Tochter des in Dortmund erschossenen Mehmet Kubaik. Er beschreibt die politisch gestützte behördliche Vertuschungsstrategie:

Außerdem heiße es, laut Scharmer, stets: „Diese Fragen können nicht im Prozess geklärt werden – dafür gab es den NSU-Untersuchungsausschuss. Dort hieß es allerdings ebenso, das könne nicht geklärt werden, das müsse Teil des Prozesses sein. So fallen viele wichtige Themen, die etwa das politische Umfeld betreffen, unter den Tisch.“ (ebd)

Ein Gedanke zu „NSU-Prozess: Herkunft des Brettspiels „Pogromly“ bleibt unklar“

  1. M.E. wäre es denkbar, daß das Pogromly-Spiel ursprünglich im Ausland erdacht, konzipiert und gefertigt wurde (die Grafik des Totenkopfes mit Stahlhelm im BBC-Video sieht ziemlich professionell gemacht aus, ebenso das nach Monopoly-Vorbild hellgrüne Spielfeld) und von dem Trio lediglich „auf Deutsch“ getrimmt wurde (Übersetzung der möglicherweise ursprünglich fremdsprachigen Spielkarten (Ereignis- & Gemeinschaftskarten), Nachfertigung des Spielbrettes mittels Drucker, Laminiergerät und Klebstoff). Es hieß ja an einer Stelle auch, das Spiel sei ursprünglich angeblich „in Spanien“ gefertigt worden.

    Dem würden auch Kapkes Aussagen vor Gericht nicht widersprechen:

    »Götzl fragt den Zeugen zum Stichwort „Pogromly“.
    Kapke sagt, das sei ein Brettspiel gewesen, das Uwe Mundlos so 1996/97 mal entworfen habe, also als Gegenspiel zu Monopoly, zum Eigengebrauch. Nachdem die drei weg gewesen seien, hieß es, dass das Spiel eine Finanzierungsquelle gewesen sei oder habe sein sollen. Es sei verkauft worden, der Preis sei ihm nicht erinnerlich.
    Es habe mal ein Gespräch mit einem Journalisten gegeben, der das Spiel unbedingt habe kaufen wollen und es sei ihm dann auch verkauft worden. Er, der Journalist, habe ein Interview mit ihnen gemacht, mit Tino Brandt, Mario Br., Mirko Eb., er, Kapke, wisse gar nicht genau, ob Ralf dabei gewesen sei: „schlagen sie mich tot“. Er wisse nicht mehr, ob sie das Spiel dann bei Ralf geholt hätten, jedenfalls hätten sie dem Journalisten eins verkauft.

    Es könne sein, dass Tino Brandt es ihm verkauft habe. Sie hätten dem englischen Journalisten das Interview nur gegeben, wenn er zusichere, dass der Bericht nicht im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt werde. Tino habe mal Spiele geordert, die habe er, so meine er sich zu erinnern, bei Ralf Wohlleben geholt oder bei seiner Frau. Die Spiele hätten in Großpacken an die Regionen verkauft werden sollen. Er gehe davon aus, dass „die drei“ die Spiele hergestellt hätten. Brandt habe ca. zehn Stück abgeholt; er meine, das sei über „Ralf oder dessen Freundin“ gelaufen, das sei damals Frau W. gewesen.

    Man brauche da nicht groß drumrum reden: das Spiel sei nicht unbedingt gesellschaftskonform aufgemacht gewesen, so habe es statt Bahnhöfen KZs gegeben, das sei ihm am ehesten in Erinnerung. «

    http://www.politikforen.net/showthread.php?117674-quot-D%C3%B6nermorde-quot-NAZI-Hysterie-und-der-Verfassungsschutz/page2504

    »Entworfen« (im Sinne von konzipiert und erdacht) hat es das Trio m.E. wohl eher nicht, wohl aber möglicherweise übersetzt und in einer improvisierten deutschen Ausgabe nachgefertigt.

    Es ist auf politikforen im Dönermordstrang ja auch wiederholt davon die Rede gewesen, daß es offenbar zwei unterschiedliche Versionen (mit originalgetreu hellgrünem Spielbrett die eine, die andere mit weißem Untergrund – eingescannt und mit Laserdrucker ausgedruckt und auf Wellkarton aufgeklebt?) gegeben habe.

    Das könnte dafür sprechen, daß die (englischsprachige) Originalversion aus unbekannter (Geheimdienst-?) Quelle stammen könnte und das Trio daraus eine deutsche Version durch Übersetzung der Spielkarten usw. fertigte und deshalb das Spielbrett einen primitiv handgefertigten Eindruck machte.

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