Kapitalismus

Die Armut kommt langsam aber sicher von der dritten Welt über das Meer auch nach Europa. 

Im Kapitalismus steht die Sicherung und Verzinsung der Geldvermögen im Vordergrund. Wir leben in einer Zinswirtschaft. Die Marktwirtschaft erarbeitet den Wert des Geldes und der Zinsen. Der Wert des Geldes ist gedeckt durch unsere Arbeit – die Arbeit der Beamten und Angestellten des Staates, der Arbeit von Unternehmern und Arbeitern, auch durch die ehrenamtliche Arbeit von Privatpersonen und durch kostenlose Naturgüter. Der Wert ist nicht gedeckt von arbeitsscheuen Spekulanten, die lediglich Geld für sich arbeiten lassen oder zunehmend von Grund- und Bodenbesitz profitieren, etwa durch Verpachtung und Vermietung.

Von ihrer Arbeit Hände profitiert die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung immer weniger. Die Einkommen von Unternehmern und Arbeitern stagnieren und sanken jahrelang. Erst 2014 dank sinkender Zinsen ist die Trendwende geschafft worden. Die nach wie vor hohe Steuern- und Abgabenlast mindert den Anreiz unternehmerisch tätig zu werden, zu investieren oder überhaupt zu arbeiten. 70% der Arbeitseinkommen gehen an den Staat, u. a. damit Zinsen bezahlt.

Gleichzeitig können arbeitsscheue Vermögende ihre Kapitaleinkommen in Steueroasen verstecken, sich Grund und Boden aneignen und Macht über Politik und Gesellschaft erringen. Das ist der Grund für die eskalierende Verschuldung der europäischen Staaten, Unternehmen und Privatpersonen.

„Heute führt nicht Leistung zum Aufstieg sondern Beziehungen, Herkunft, Vermögen, im Zweifel Erbschaften. 80 % der Gemeinwohllasten werden heute von den ganz normalen Menschen getragen, nur 12 % der Gemeinwohllasten tragen die Einkommensbesitzer von Kapital und Vermögen.“ Sigmar Gabriel, 2013 (noch als Oppositionspolitiker)

Durch Steuerhinterziehung und Korruption gelingt es den Super-Reichen der Welt, sich aus der Verantwortung zu stehlen und ihre Geldvermögen in Sicherheit zu bringen. Stattdessen werden die „kleinen Leute“, 80% der Bevölkerung, immer mehr ausgepresst.

Dazu verfolgt die Europäische Union (EU) zusammen mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) eine neoliberale Wirtschaftspolitik, angeblich um die europäischen Volkswirtschaften „wettbewerbsfähig“ zu machen und die staatliche Verschuldung zurückzuführen.

Das genaue Gegenteil ist die Wirkung dieser neo-liberalen Politik: Ganze Länder stürzen erst Recht in Wirtschaftskrisen verbunden mit Arbeitslosigkeit und sozialem Niedergang. Der Staat zieht sich überschuldet zurück, spart, verkauft und privatisiert. Immer mehr Menschen haben immer weniger Geld in der Tasche. Es entsteht eine Nachfragelücke. Die Wirtschaft produziert daraufhin weniger. Es gibt Deflation, sinkende Preise. Ein Teufelskreis. Doch unbeirrt wird diese verheerende Politik weitergeführt – von Wirtschafts“experten“ und Frau Merkel verteidigt. 

Der gewünschte Effekt dieser Reformen ist, erarbeitetes Vermögen weiter von unten nach oben zu übertragen. Da Geldvermögen heute nicht mehr genügend verzinst werden, müssen die Preise sinken. Sinkende Preise bewirken, dass Geldvermögen mehr Wert haben. 

Die Europäische Zentralbank hält dieses Unrechtssystem durch Gelddrucken am Leben. Sie kann aber nicht unbegrenzt damit fortführen, denn das Inflationsrisiko steigt immer weiter. Das Geldsystem befindet sich am Ende seiner Lebenszeit: Die Verschuldung ist so groß, dass sie nicht zurückgezahlt werden kann. Die Geldvermögen sind so riesig, dass durch das Überangebot die Zinsen immer weiter sinken. 

Statt diese Wahrheit auszusprechen, wird als Grund der Finanzkrise angeführt, dass die Wirtschaft nicht mehr wettbewerbsfähig wäre, der Staat zu aufgebläht sei. Wir würden zu schlecht arbeiten oder zuwenig und dafür zuviel verdienen. Es wird als Ziel ausgegeben, den Gürtel enger zu schnallen. Es gäbe einen „Schlendrian“, deshalb Überschuldung.

Dabei werden gezielt die einzelnen Staaten gegeneinander ausgespielt. Die korruptesten und gewissenlosesten Populisten gehört die politische Bühne. Im Moment sehen sich viele Deutsche von Griechen ausgenützt. Viele Griechen wiederrum machen Deutschland für ihre Wirtschaftskrise verantwortlich. 

Carl Friedrich von Weizsäcker warnte 1994  in seinem Buch „Der bedrohte Friede – heute“ vor diesem so wiedererstarkten Nationalismus.

„Die Menschheit wird nach dem Niedergang des Kommunismus, das skrupelloseste und menschenverachtendste System erleben, wie es die Menschheit noch niemals zuvor erlebt hat, ihr Armageddon („Endkampf“). Das System, welches für diese Verbrechen verantwortliche ist, heißt „unkontrollierter Kapitalismus“. 

„Die Kapitalwelt fördert wie eh und je, einen noch nie dagewesen Nationalismus (Faschismus), als Garant gegen einen eventuell wieder erstarkenden Kommunismus.“

Von Weizsäcker beschreibt auch das Lebensgefühl vieler Deutschen treffend, als „absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger“. Tatsächlich fühlen sich auch heute viele in einer Untertanen-Mentalität geborgen, wo sie ihrem Führer bzw. ihrer Führerin, der Parteilinie etc. trotz aller Einschläge vor der Haustüre weiter blind vertrauen und an den „Endsieg“ glauben. 

Lügengebäude

Durch Sparen würden Schulden abgebaut, das Vertrauen der Geldbesitzenden in die Marktwirtschaft wiederherstellt werden. Dann würden die Zinsen für Staatsanleihen sinken, Arbeitsplätze geschaffen werden. 

Die System-Medien melden „Erfolge“ der neo-liberalen Rosskur. Beispielhaft wird in Artikeln im Magazin „Spiegel“ (Nr 35/2012) behauptet, dass „die Sparmaßnahmen greifen“ würden. Da die Lohnstückkosten (tatsächlich) sinken, würde die Wettbewerbsfähigkeit der verschuldeten Länder steigen, feststellbar an den steigenden Exporten. Italien wolle schon nächstes Jahr seinen Staatshaushalt ausgleichen, Spanien stünde kurz davor und Portugal hätte bereits jetzt sein Haushaltsdefizit seit 2009 halbiert. Irland würde bereits einen Haushalts-Überschuss erwirtschaften. Deshalb könne sich Irland „wieder Geld an den internationalen Finanzmärkten leihen.“ (Quelle: Spiegel, Nr. 35/2012, S. 71 unten).

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zum Beispiel stützt diese Politik und streut den Menschen Sand in die Augen …

„Irland und Portugal haben bei ihren Bemühungen schon bemerkenswerte Fortschritt erzielt. Auch die Maßnahmen in Italien und Spanien bewerte ich positiv. (…) Der beste Weg um Zinsen nachhaltig zu senken, ist die entschlossene Umsetzung von Versprechen und Vereinbarungen.“ (Spiegel, Nr. 35/2012, S. 77 unten).

In Wahrheit bessert sich die wirtschaftliche und soziale Realität  in Europa nicht, im Gegenteil es wird immer schlimmer. Der Neoliberalismus zieht tatsächlich seit Jahrzehnten eine Blutspur hinter sich her, in der ganzen Welt ist diese freche Lüge gescheitert.

Interessanterweise schreibt der Spiegel in diesem Artikel kaum etwas über die gravierenden sozialen Kosten dieser Maßnahmen. Es geht anscheinend „nur“ um die Interessen derjenigen, die sich Sorgen um ihre Geldvermögen machen. Dabei ist die entscheidende Frage, ob diese finanzpolitischen Erfolge bei der Bevölkerung ankommen oder lediglich den Interessen der Finanzmärkte dienen. In Griechenland werden vermehrte Plünderungen landwirtschaftlicher Anwesen festgestellt – auch in Form des „Mundraubes“ durch verarmte Menschen.

„Es wird gestohlen, um zu überleben.“ In vielen griechischen Krankenhäusern herrscht Versorgungsnotstand; es fehlt Geld für Medikamente. „Selbst wichtige Operationen müssen verschoben werden.“ (welt)

„Die unkontrollierte Zunahme der Prostitution, die laut dem Bürgermeister von Athen 1.500% überstiegen hat, trug zu einem ungeheuren Anstieg der sexuell übertragenen Krankheiten bei. Seit den Kriegszeiten fast in Vergessenheit geratene Krankheiten wie Syphilis, Gonorrhoe (“Tripper”) und Condylomata acuminata (“Feigwarzen”) sind wieder aktuell geworden.“ (griechenland-blog).

Folgende Reportage zeigt ausnahmsweise die Kehrseite der „Erfolge“ in Irland auf und lässt die (außerparlamentarische) Opposition auf den Straßen Irlands auch zu Wort kommen (youtube).

Dabei ist diese brutale Spar-Politik nicht alternativlos!

Die Problematik kann letztlich nur durch Vermögens- und Schuldenschnitte gelöst werden, durch einen Neustart. Dann bahnt sich jedoch die Blase neuerdings auf.

Die Artikel im „Kapitalismus“ zeigen auf …

– dass Staaten nicht Banken retten müssen. Es ist höchst unsozial und es widerspricht den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft, die Geld-Vermögen zu retten, indem Bank-Verluste über den Staat sozialisiert werden. Wo holt sich der Staat wohl das Geld? (Siehe Blogeinträge „Euro-Krise“).

– dass das grundsätzliche Problem der eskalierenden Verschuldung der Zinses-Zins ist (Siehe Blogeinträge „Zinses-Zins“). Die Geld-Vermögen und damit automatisch die Schulden vergrößern sich tumor-artig und stehen zunehmend in einem unvernünftigem Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (siehe Einträge „Vermögen und Verschuldung“).

– dass die „Reformen“ auch nach Deutschland kommen werden, da unser Land auch überschuldet ist, sogar Rettungs-Bürgschaften für Banken abgab, die mittelfristig hoffentlich nicht fällig werden.

Die Frage der Zeit ist dabei ein ganz andere:

Wer soll das steigende Geldvermögen noch als Kredite aufnehmen und den Zinses-Zins erwirtschaften? Es fehlen zunehmend potente Schuldner. Das Geld-System ist ein betrügerisches Schneeball-System, dass nur die Reichen immer reicher und den Großteil der Bevölkerung ausbeutet. Es dient der Gier und Habsucht, und kann nur dank einer nicht-aufklärten Bevölkerung und einer korrupten politischen Elite aufrecht erhalten werden.

8 Gedanken zu „Kapitalismus“

  1. nichts ist richtig. gesell hat nichts von wirtschaft verstanden, und auch nicht die tieferen ursachen der krisen. es ist kein „neoliberalismus“, sondern die eingriffe des staates, die zu größeren verwerfungen führen.
    der glaube daran, das schulden ständig wachsen müssten ist grundfalsch. warum sollten sie das tun? man leiht geld, macht gewinn, gibt es mit zins zurück und die schulden sind wieder weg. die zinseinnahmen kommen nicht automatisch, wenn das geschäft scheitert kommen sie nicht rein. wenn der markt frei ist, gibt es keine „superkapitalisten“ die das geld nur so sammeln können. auch die reichsten werden sich verzocken, wie die finanzkrise gezeigt hat. das problem ist die regierung die sie immer wieder rettet. 2008 war nicht das erste mal. es fing schon 1971 an, als sie den goldstandard ausgesetzt haben, weil amerika zuviel gedruckt hatte. seitdem sorgt der ständige papiergeldstrom der zentralbanken für grenzenlose verschuldung. da der finanzsektor via zb das geld zuerst bekommt, sind die finanzwerte über alles maß aufgebläht.

  2. Die Kritik von „rote Pille“ an Gesell ist allerdings gerechtfertigt.
    Aber was heißt hier Kritik. Gesell ist ein Kind seiner Zeit und wollte durchh die Not dieser Zeit kommen.
    Wir alle sind Suchende! Silvio Gesell konnte es damals noch nicht besser wissen. Letztlich musste er scheitern, weil sein Freigeld nur lokal sein konnte und nicht global, d.h. im größeren Maßstab einsetzbar war.
    In der Sowjetunion oder in der DDR wäre Gesell im Zuchthaus gelandet!

    1. oder auch nicht. er war doch kurz volksbeauftragter für finanzen in der münchener räterepublik und wollte meines wissens als mitglied der sozialisierungskommission gleich 75% der sparvermögen enteignen so wie jeder gute kommunist.

  3. Naja, rote_Pille.
    einige Äußerungen von Dir, zu Ende gedacht, gehen leider auch in die Richtung Enteignung, Zwangsmaßnahmen etc.

  4. Ich wärme hier den redaktionellen Beitrag vom April nochmal auf. Mit scheint das wichtiger, als jahrelang immer wieder auf der „NSU“ herumzureiten, von denen außerdem fast alle Mitglieder tot sind. Lasst die Toten in Ruhe.

    Also; die Redaktion sieht angebliche Probleme bei potentiellen Schuldnern. Ich sehe die Probleme eher bei den Gläubigern!
    Gerade der Fall Griechenland zeigt doch, dass der Geldmarkt sich beginnt zu drehen. Früher sind die Gläubiger den Schuldnern hinterher gerannt um ja ihr Geld hergeben zu können. Das setzte stillschweigend immer voraus, dass die Schuldner genau dieses Geld auch zurück zahlten.
    Inzwischen wurde und wird im zwischenstaatlichen, oder supranationalem Bereich immer öfter von „Schuldenerlass“, also dem Nichtzahlen, gesprochen. Das ist deshalb verheerend, weil auch im privaten Bereich die Fluchttür der „Privatinsolvenz“ geöffnet wurde. Außerdem haben in einer gesunden Volkswirtschaft die Banken überhaupt kein Geld zum Ausleihen. Nämlich dann nicht, wenn es nicht in ausreichender Zahl Gläubiger, Sparer also, gibt, die dieser Bank ihr Erspartes anvertrauen. Und diese Sparer denken immer mit! Allerdings leben wir nicht in einer gesunden Volkswirtschaft, sondern in einer Geld voller Falschgeld, ungedecktem Geld nämlich, welches grenzenlos nicht nur von der EZB, sondern auch von den Banken selbst „erzeugt“ werden kann. Dieses nennt man dann Giralgeld. Gedruckt wird das Falschgeld schon lange nicht mehr, sondern nur noch im Computer in Sekundenschnelle erzeugt.
    Das wissen die Gläubiger und suchen nach werthaltigem, was sich lohnt zu kaufen. Schuldner hingegen gibt es wie Sand am Meer, bzw. in der Wüste.

  5. In der Summe bin ich der Meinung, dass der gute alte Kapitalismus reformiert werden muss, um zukunftsfähig zu bleiben. Aber eben nicht abgeschafft!
    Und das ist der entscheidende Unterschied meines Denkansatzes zu den vielen Linken, denen Marx und Lenin gar nicht so unsympathisch ist- jedenfalls aus der Ferne betrachtet.

  6. WirtschaftsSysteme mit Geld und Zins sind bis jetzt noch immer zusammengebrochen,
    der letzte verheerende Zusammenbruch war 1929.
    Die Begründung liefern neuzeitliche Verfahren, also Systemtheorie und Mathematik.
    Es haben meines Wissens nur 2 Wissenschaftler versucht:
    …Prof. Dr.H.C.Binswanger, Uni St.-Gallen
    in seinem Buch ‚Geld und Wachstum‘ kommt er zu dem Schluss:
    „Geld+Zins zwingt die Wirtschaft zu Wachstum(=Zunahme).
    Ein Lauf auf gleichbleibender Höhe ist nicht möglich.“
    …Prof. Dr. Jürgen Kremer , HS-Koblenz
    in
    Eine andere unsichtbare Hand des Marktes
    kommt er zum selben Schluss wie Binswanger,
    und zusätzlich noch
    „Geld+Zins verteilt Geld automatisch von unten nach oben“
    automatische Umverteilung von Unten nach Oben
    (sein Rechenmodell ist m.E. nicht ganz sauber,
    aber auch das verbesserte liefert dasselbe Ergebnis,
    habs aber nur im Kopf durchgespielt )
    Diese 2 Aussagen werden meiner Beobachtung nach durch die Wirklichkeit bestätigt.
    Prof. Kremer meint:
    „Alternativen zu unserem zinsbasierten Finanzsystem
    sollten ernsthaft diskutiert, entwickelt, experimentell erprobt und schließlich umgesetzt werden.“
    Neue Alternativen sind bereits einige angedacht,
    die neuzeitlichste von Prof. Franz Hörmann , a.o.Univ.Prof. im Institut für Unternehmensrechnung an der Wirtschaftsuniversität Wien:
    informationsgeld
    Wenn ich ‚Informationsgeld‘ richtig verstanden habe, ist es genau das
    2069
    (Suchbegriff: Industriegegenstände)

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