NSU: Ceska-Mordwaffe doch nicht identifiziert?

Schnell verkündete im November 2011 der Chef des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke, dass die Mordwaffe der Ceska-Mordserie in der Zwickauer Brandruine gefunden worden wäre. Er wurde unterstützt von einem (angeblichen) ballistischen Test an der Ceska-Mordwaffe, die in der Zwickauer Brandruine gefunden wurde.

„Laut einer sogenannten Vergleichsbeschussuntersuchung wurden mit dieser Pistole neun Menschen erschossen, der Erste von ihnen war Enver Simsek am 9. September 2000 in Nürnberg.“ (spiegel)

Jetzt meldet der Spiegel, dass dies offenbar nicht der Wahrheit entspricht:

„Carsten S. konnte nicht mehr sicher unterscheiden zwischen Bildern von der Tatwaffe, die er etwa bei SPIEGEL TV gesehen hatte, und seiner Erinnerung an die Waffe, die er vor elf Jahren in der Hand gehabt hatte. Er erinnerte sich, dass die Waffe, die er seinerzeit an Böhnhardt und Mundlos übergab, ein Gewinde zum Aufschrauben des Schalldämpfers hatte. Doch jeder Büchsenmacher, so Verteidiger Wolfgang Stahl, könne eine Waffe mit einem derartigen Gewinde versehen.

Die Freundschaftsdienste des Holger G.

Wie hoch also ist der Beweiswert von Fotos, von verwaschenen Kopien und baugleichen Vergleichswaffen? Die Originale waren in der Wohnung Beate Zschäpes, die sie nach dem Tod ihrer Gefährten in Brand gesetzt hatte, schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Sie taugen zur Identifizierung nicht mehr.„(spiegel)

3 Gedanken zu „NSU: Ceska-Mordwaffe doch nicht identifiziert?“

  1. Stahl erzählt Blödsinn: Das Gewinde sitzt aussen, nicht innen, also muss der Lauf der Waffe länger sein, um das Gewinde aufzunehmen. Die Legende der Sonderserie ist ja gerade diese, dass es ab Werk mit längerem Lauf ausgestattete Waffen mit Gewinde aussen waren, für einen werksseitigen Schalldämpfer. Forensisch identische Waffen einer Kleinserie.

    Fotos des Gewindes hier:
    http://www.subgunner.com/CZ/CZ70.htm

  2. Ich habe mal bezüglich der 55 Ceskas ein Diagramm erstellt:
    http://i.imgur.com/hZvU7Iw.png

    Die Infos habe ich hauptsächlich aus den Protokollen 12 und 31 des Untersuchungsausschusses entnommen (Aussagen Wolfgang Geier und Werner Jung).

    Ein Punkt ist mir immer noch nicht klar, bzw die Aussagen der beiden Ermittler sind nicht ganz schlüssig.
    Es geht um die 3 Waffen, die von Jan Luxik zurück an die Firma Kaliber in Prag reimportiert wurden. Was ist mit diesen Waffen passiert? Wurden die auch beschossen? Dazu habe ich keine Aussage gefunden.

    Handelt es vielleicht gar um die Waffen, die an den slowakischen Waffenhändler Dalibor Petosky (2 Ceska) und an die Firma MS Rashid Store nach Lusaka, Sambia (1 Ceska) gingen? Glaube ich eher nicht, aber es gibt keine wirklich eindeutige Aussage dazu.
    Falls ja, dann fehlen noch 3 Ceska (30 hergestellte in dieser Charge minus 27 für Jan Luxik).

    Nicht gefunden wurden also:
    – 15 Waffen PLO (die hätten aber sowieso das falsche Spurenbild am Hülsenboden)
    – 1 Waffe Sambia
    – 3 Waffen, Firma Kaliber Prag (ungewiss ob die geprüft wurden)
    – 1 Waffe von Anton Peter Ge., Seriennummer 034671
    – 7 Waffen, Schweiz (034656, 034657, 034666, 034668, 034669, 034671, 034677)
    – evtl 3 Waffen (30 [Chargengröße] minus 27 Jan Luxik, je nachdem was mit den 3 Waffen der Firma Kaliber los ist)
    – es könnte noch eine unbekannte Anzahl weiterer Ceska mit verlängertem Lauf geben, denn wie die Ermittler in den Protokollen erwähnen, wurden auch ganz normale Ceska umgebaut, also ein verlängerter Lauf eingesetzt. Dazu zählen auch die Schnittmodelle, aber nicht nur. Es wurden 8 Stück gefunden, aber niemand garantiert, dass es keine weiteren gibt.

    Besonders interessieren würde mich das Vergleichsbeschussbild der Waffen mit den Seriennummern 034677 und 034579, denn die angebliche Tatwaffe hatte einen Lauf, der unmittelbar nach bzw vor den Läufen dieser beiden Waffen hergestellt wurde (vielleicht sogar aus ein und demselben Rohr gesägt wurde.).
    Mindestens eine dieser Waffen konnte aber nicht gefunden werden.

    1. Zitat:
      Besonders interessieren würde mich das Vergleichsbeschussbild der Waffen mit den Seriennummern 034677 und 034579
      [/Zitat Ende]

      Mein Tippfehler.
      Ich meinte natürlich 034679 (statt 034579).

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