Bibel verdammt Zinsen!

Seit Jahrtausenden warnen Weltreligionen vor dem Zins und davor, „Geld für sich arbeiten zu lassen“. Heute sind wir ein Volk von Zinswucherern geworden, die Kirchen haben keinerlei Probleme mit dem Zins! Schuldner gnadenlos ausgepresst. Die Wehklagen der Sparer um ihre Geldvermögen werden hoch eingeschätzt. Ihre Zins-Forderungen werden offen und ohne Scham verteidigt, Ihre Verluste werden als etwas Ungerechtes medial dargestellt und von der Allgemeinheit im Zuge von „Bankenrettungen“ übernommen. Dabei wussten Theologen schon vor Jahrhunderten über die verheerenden Zins-Konsequenzen, die man heute als wissenschaftlich bewiesen annehmen könnte.

Bergpredigt Jesus von Nazareth, Lukas-Evangelium, 6, 35

Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.“ (bibelserver)

Zinsverbote in der Bibel

Im alten Testament gibt es insgesamt 5 Stellen, die sich gegen das Zinsnehmen aussprechen. Davon schränken Exodus 22, 24 + Leviticus 15, 35-37 ein, dass das Zinsnehmen nur innerhalb von Brüdern nicht erlaubt wäre:

„Von dem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, aber nicht von deinem Bruder …“ Deuteronomium 23, 20

Die beiden anderen Stellen machen diese Unterscheidung nicht, sondern verdammen den Zinsnehmer als solches: Psalm 15 + Hesekiel (18, 13).

„Herr, wer darf weilen in deinem Zelt?/ Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge?

(…) wer sein Geld nicht auf Zinsen gibt und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen.

Wer das tut, wird nimmermehr wanken.“ Psalm 15

Darüberhinaus war das Zinsverbot eingebettet in weitere Regeln: Das „Erlassjahr“ (5. Mose 15, 1 – 11), „wonach in jedem 7. Jahr alle Schulden zu erlassen sind, und das „Halljahr“ (3. Mose 25), das im 50. Jahr den Grundbesitz an die ursprünglichen Eigentümer zurückfallen lässt (…).“ (Quelle: Geitmann). Nach Gleitmann hätte sich so der Preis der Böden an den Wert der noch ausstehenden Ernten bemessen.

Im Neuen Testament wird diese Haltung wiederholt und sogar verstärkt. Im Lukas-Evangelium steht:

„Wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank wollt ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt.“

Bergpredigt Matthäus (5,38 ff.): Derjenige, der bittet, dem soll man geben:

„Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem ab, der von dir borgen will!“ (5, 42).

Letztlich wird klar, dass materielles Gewinnstreben und Christusnachfolge unvereinbare Gegensätze sind: Ein Kamel ginge leichter durch ein „Nadelöhr“ (schmales Türchen), als ein Reicher ins Reich Gottes:

„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Matthäus 6, 24)

In der Bible ist überliefert, dass Jesus u. a. Geldhändler aus dem Tempel heraus-schmiss, Geld verschüttete und Tische umstieß. Er soll gerufen haben:

„Macht meines Vaters Haus nicht zum Kaufhaus!“ (Joh 2,16)

„Steht nicht geschrieben: ‚Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker‘? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“ (Mk 11, 17)

Die Führungsschichten Jerusalems verstanden dieses als „Tempelreinigung“ bezeichnete Vorgehen als einen „offenen Angriff auf ihre Autorität und Profitquelle, weshalb sie den Tod Jesu beschlossen.“ (Quelle: wikipedia)

Zinsverbote im Mittelalter

Dementsprechend wandten sich manche christliche Könige, Kirchenväter und Theologen den Zins zu:

Karl der Große

Das Zinsverbot erhielt generelle Bedeutung nachdem Karl der Große „der Synode von Aachen im Jahr 789 ein entsprechendes Gesetz“ (Quelle: Geitmann) vorlegte. Kaiser Lothar bestimmte im Jahr 825:

„Wer Zins nimmt, wird mit dem Königsbann belegt, wer wiederholt Zins nimmt, wird aus der Kirche ausgestoßen und soll vom Grafen gefangen gesetzt werden.“

Diese Verbote wurden während des Mittelalters immer wieder erneuert:

Katholische Kirche

Im kanonischen Recht wurde die Dekretale Consuluit von Urbans III (1187) aufgenommen. Wucher ist „all das, was bei einem Leihgeschäft über die Leihgabe selbst hinaus zurückverlangt wird.“ Wucher „ist einzig eine Sünde“ und muss „vollständig ihrem eigentlichen Besitzer zurückgezahlt werden.“ Der Wucher wäre ein Diebstahl.

Das Konzil von Paris im Jahr 1213 setzte die sogenannten „Wucherer“ mit Faulpelzen gleich, die nicht von ihren eigene Händen Arbeit leben:

„So würden alle Wucherer, Rebellen und Taugenichtse verschwinden, man könnte Almosen geben und für die Kirchen spenden, und alles wäre in seinen ursprünglichen Zustand zurückgeführt.“ (Quelle: Le Goff, S. 31)

Thomas von Chobham:

„Der Wucherer möchte, ohne zu arbeiten und selbst im Schlafe, einen Gewinn zu erzielen, was gegen das Gebot des Herrn verstößt, welches sagt: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“. Genesis 3, 19 (Quelle: Le Goff, S. 57)

Wucherzins zurückzahlen!

Die Forderung, den Zins zurück-zu-zahlen, ist gerade heute höchst verständlich:

Im zins-basierten Geldsystem unserer Tage wird der Zins von Schuldnern erwirtschaftet. Dazu stehen zuerst die Einlagen der Geldvermögenden in den Banken bereit. Dank der Kredit-Aufnahme des Staates, von Unternehmen und des privaten Sektors werden die Bank-Einlagen als Geld wieder der Allgemeinheit als Zahlungsmittel zur Verfügung gestellt. Geld kann also in diesem System nur als Schuld erschaffen werden.

Dies kann bei folgender Grafik nachvollzogen werden. Sie veranschaulicht, dass Geld-Guthaben und Schulden spiegel-bildlich vorhanden sind:

Grafik: Helmut Creutz, aus Buch „das Geld-Syndrom“, Neuauflage 2012

Dementsprechend gibt es heute politische Forderungen nach einem „Schuldenschnitt“ für Staaten, die „also die teilweise Zahlungsunfähigkeit“ an ihre Gläubiger erklären würden (Quelle: SPON).

Widerlegung spitzfindiger Entschuldigungen

Die damalige Kirche geht weiter auf die besondere Eigenschaft von Geld ein und differenziert zu anderen Handelswaren und möglicherweise vergleichbaren Gegenständen.

Im 12. Jahrhundert wurde in das kanonische Recht der Kirche aufgenommen, dass Geld nicht alter- und an sich auch nicht frucht-bar wäre. In einer Handschrift aus dem 13. Jahrhundert wird Wucherern vorgeworfen, „gegen die Natur“ zu sündigen, indem sie Geld aus Geld erzeugen wollen, „wie ein Pferd aus einem Pferd oder einen Esel aus einen Esel.“ (Quelle: Le Goff, S.55)

Der Unterschied wird  zwischen den gegen Zins verleihenden Geld-Verleiher und normalen Händlern klargemacht, oder Vermietern und Verpächtern.

Im Gegensatz zum Händler, nimmt der Geldverleiher „nach der Zahlung des Wucherzinses die Sache samt dem Vermögen des anderen wieder zurück, was ein Händler niemals tun würde.“ Im Gegensatz zu anderen Verleih-Geschäften (Pachtzins, Miete), wo „der Boden nach und nach auslaugt, und das Haus beschädigt; hingegen erfährt verborgtes Geld weder Minderung noch Altern“. (Quelle: Le Goff, S. 37).

Die folgende Grafik beweist in der Tat: Die Gewinne aus dem Geld-Verleih steigen heute wesentlich stärker als Gewinne aus Unternehmereigenschaft oder Arbeitnehmer-Löhnen, eben weil der Geld-Besitzer diese Vorteile genießt.

Situation Heute – sind Zins-Nehmer wirklich habgierige Faulpelze?

Die Grafik veranschaulicht die Zuwachsraten der Wirtschaftsleistung, der Arbeitnehmer-Einkommen und der Bank-Zinsen. Sie zeigt, dass die Geldvermögen wesentlich stärker steigen als die Wirtschaftsleistung (Sozialprodukt). Das sich vermehrende Geldvermögen kann also nicht aus unternehmerischen Gewinnen oder Arbeitseinkommen stammen, sondern aus Zins-Gewinnen der Sparer. Die Bundesbank spricht deshalb auch von einer „Selbstalimentation“ des Geldes.

Zuwachsraten im Vergleich, Geldvermögen, Bruttosozialprodukt, Zinsen

Grafik: Helmut Creutz, aus Buch „das Geld-Syndrom“, Neuauflage 2012

Zins steht gegen die Gerechtigkeit

Der heilige Thomas von Aquin (1224 – 1274) ist einer der bedeutendsten Theologen und Philosophen des Mittelalters. Er verurteilte grundsätzlich das gewinn-orientierte Zinsnehmen. Da es keine Berechtigung für den Zins gäbe, ist für Thomas von Aquin der „Wucherdiebstahl“ auch eine Sünde gegen die Gerechtigkeit:

„Ist es Sünde, Geld zu nehmen als Bezahlung für geborgtes Geld, was dasselbe ist wie Zins nehmen?

Zins nehmen für geborgtes Geld ist an sich ungerecht; denn es wird verkauft, was nicht ist, wodurch ganz offenbar eine Ungleichheit gebildet wird, die der Gerechtigkeit entgegen ist. (Quelle: Le Goff, S. 35)

In der Tat begünstigt der Zins eine ungerechte, gesellschaftliche Veränderung: Die Vermögenden werden immer schneller, immer reicher, und immer mehr Menschen werden immer ärmer, denn sie müssen den Zins erwirtschaften. Zinsen zahlen alle – auch Menschen ohne private Schulden, denn Unternehmen preisen den Zins ein, genauso wie der Staat seine Zinsen über Steuern und Abgaben bezahlt. Folgende Grafik zeigt, dass lediglich 20 % der Bevölkerung zum Zins profitieren:

Grafik: Helmut Creutz, aus Buch „das Geld-Syndrom“, Neuauflage 2012

Geld ist Zahlungsmittel und nicht Anlagegut!

Thomas von Aquin sieht im zins-basierten Geldhandel eine grundsätzlich falsche Verwendung des Geldes, denn Geld wurde …

„… vornehmlich erfunden, um Tauschhandel zu tätigen. Und so besteht der eigentliche und hauptsächliche Gebrauch des Geldes in seinem Verbrauch oder Ausgeben (…). Und deshalb ist an sich unerlaubt, für den Gebrauch des geliehenen Geldes eine Belohnung zu nehmen, die man Zins nennt.“ (Quelle: Le Goff, S. 38).

Schwundgeld

Um die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel zu sichern, wurden im Mittelalter sogenannte „Brakteate“ eingeführt. Diese Münzen wurden als Zahlungsmittel seitens einer lokal herrschenden Obrigkeit ausgegeben, aber regelmäßig wieder „verrufen“. Die Münzen verloren dann ihren Status als offizielles Zahlungsmittel und mussten gegen neue Münzen eingetauscht werden – mit Abschlag: Gegen 4 alte Münzen, bekam der Geld-Besitzer lediglich 3 neue.  Diese Bestrafung für Hortung führte dazu, dass Geld als Anlagegut unattraktiv war. Es wurde lieber in Sachwerte investiert oder konsumiert (Quelle: wiki).

Schwundgeld heute

Während der Weltwirtschaftskrise 1929 wurde ein Schwundgeld seitens der österreichischen Stadt Wörgl eingeführt. Die von der Stadt herausgegebenen Zahlungsmittel verloren jedoch monatlich an Wert. Der Schein blieb nur gültig, wenn eine Marke in ein dafür vorgesehenes Feld auf der Vorderseite des Geldscheins geklebt wurde. Der Preis der Marke richtete sich nach dem Nennwert der Note und betrug bis zu einem 1Prozent.

„Das Experiment war erfolgreich. Geldkreislauf und Wirtschaftstätigkeit wurden wiederbelebt, während das übrige Land tief in der Wirtschaftskrise steckte. Überall in Wörgl wurde gebaut und investiert. Bis in die 1980er zeugte unter anderem die Aufschrift „mit Freigeld erbaut“ auf einer Straßenbrücke davon. In den vierzehn Monaten des Experiments sank die Arbeitslosenquote in Wörgl von 21 auf 15 Prozent ab, während sie im übrigen Land weiter anstieg.

(…)

Die positiven Auswirkungen führten dazu, dass der Modellversuch in der Presse als das „Wunder von Wörgl“ gepriesen wurde. Allerdings erhob die Österreichische Nationalbank gegen die Wörgler Freigeld-Aktion vor Gericht erfolgreich Einspruch, weil allein ihr das Recht auf Ausgabe von Münzen und Banknoten zustand. Das Experiment von Wörgl und alle weiteren Planungen wurden verboten. Nach Androhung von Armeeeinsatz beendete Wörgl das Experiment im September 1933.“ (Quelle: Wikipedia)

Umgehung des Zinsverbotes

Weil Juden die Ausübung „ehrlicher“ Berufe verwehrt wurde, blieb ihnen oftmals nichts weiter übrig, als zu Geldverleihern zu werden. Damit wurden sie jedoch Ziel von Anfeindungen und Neid. Es kam regelmäßig zu Vertreibungen, Pogromen und Enteignungen. 1390 rief König Wenzel eine sogenannte „Juden-Entschuldung“ aus, faktisch eine Einteigung (Quelle: Le Goff, S. 162).

Das Zinsverbot wurde also teilweise durch die sogenannte „Judenprivilegierung“ umgangen. Die Juden blieben jedoch immer „Kammerknechte“ der jeweiligen Landesherrn und eine willkommene „Einnahmequelle“ (Quelle: Le Goff, S. 151).  So bedeuteten im 14. Jahrhundert Juden oftmals Geld.  König Wenzel erlaubte Landesherrn nur gegen bares Juden „zu genießen.“ Er stellt gar den Grundsatz auf: „Wer Wolle will, muß Schafe scheren, wer Geld will, muß sich Juden halten.“ Nichtdestoweniger unterstanden Juden weiter dem „Schutz der Krone“ und wurden so als erste zur Ader gelassen, wenn der König Geld brauchte (Quelle: Heine, S. 54) oder sich selbst entschulden wollte.

Aber auch Christen wurden zu Geld-Verleihern, jedoch „maskierten“ sie den Zins. Der Historiker Johannes Fried nennt es „Zinsverschleierung“ oder „trickreiche Umgehungsgeschäfte“ (Quelle: Le Goff, S. 165). Etwa wurde ein befristeter Haus-Verkauf vereinbart:  Nach dessen Ablauf musste der Verkäufer sein ehemaliges Haus zum selben Preis zurück-erwerben. Zusätzlich musste er jedoch in der Zwischenzeit Miete bezahlen.

Beim Geldverleih redeten so Christen statt von Darlehen und Zins lieber von Zahlungsverpflichtung, Schadensausgleich und Risikoausgleich (Quelle: Le Goff, S. 169). Darüber-hinaus kam es zu Überlegungen betreffend eines „maßvollen Zinses“, der kein Wucher darstellen würde: Zins wäre zulässig, um entstehenden Schaden abzuwehren, um einen möglichen Gewinnverlust auszugleichen, zur Risiko-Abwehr oder Strafe bei nicht fristgerechter Zahlung der Schuld. Bis heute dienen diese Entschuldigungen, den Zins zu rechtfertigen. Ein maßvoller Zins läge zwischen 4-12 Prozent. „Kaiser Friedrich II. hat es für sein Königreich Sizilien tatsächlich entsprechend verordnet.“ (Quelle: Le Goff, Seite 161). Das Zinsverbot wurde laut Fried auf diese Weise „zerdacht“ und „zerrieben“.

Doch ist auch der „massvolle Zins“ nichts anderes als Wucher:  Folgende Grafik zeigt die Steigerung der Geldvermögen bei den Zinssätzen 3 %, 6 %, 9 und 12 %. Nach 50 Jahren tritt immer eine Vervielfachung der Kreditsumme ein – durch den Zinses-Zinseffekt. Das heißt, dass auch Zinsen auf Zinsen bezahlt werden müssen und sich dementsprechend die geliehene Kreditsumme vervielfältigt:

  Grafik: Helmut Creutz, aus Buch „das Geld-Syndrom“, Neuauflage 2012

So wurde das Horten von Geld und das Zins-Nehmen langsam gesellschaftsfähig. Heute ist das Feilschen um Zinsen, spekulieren und horten an der Tagungsordnung, bei der sich sogar die katholische Kirche beteiligt (Quelle: Deutschlandsradio).

Der Geld-Besitzende kann sein gespartes Geld ohne Probleme zurückhalten und horten. Mit Geld wird heute beliebig spekuliert – gerade im Zeitalter der Globalisierung. Laut einer Untersuchung der Organisation „Tax Justice Network“ des ehemaligen McKinsey-Volkswirtes James Henry würde in Steueroasen zwischen 21 und 32 Billionen Dollar (…) liegen. Henry bezeichnete diese „dem Fiskus entzogenen Privatvermögen als „großes schwarzes Loch in der Weltwirtschaft“ (Quelle: SPON).

Folgende Grafik zeigt, dass die Tendenz zum Geld-Horten und Spekulieren zunimmt, je niedriger der Zins und Inflation ist (oder die Angst vor Geld-Verlust):

Grafik: Helmut Creutz, aus Buch „das Geld-Syndrom“, Neuauflage 2012

Große Teile der Finanzwelt stecken im Moment genau in dieser deflationären Position:

„Geld bleibt zunehmend liquide, steht dem Wirtschaftskreislauf nur noch kurzfristig zur Verfügung. Die Folge davon ist eine strukturelle Nachfragelücke und langfristig Deflation, verbunden mit latenter Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Liquiditätsfalle

Zins ist ein Zeitdieb; Zeit wird zum Geld

Laut der damaligen Theologen Anselm von Canterbury und Petrus Lombardus würde der Wucherer dem Schuldner etwas leihen, was ihm nicht gehört sondern Gott: Zeit. In der Sammlung von Spruchweisheiten aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, Tabula exemplorum, steht:

„Die Wucherer sind Diebe, denn sie handeln mit der Zeit, die ihnen nicht gehört, und mit dem Eigentum eines anderen gegen den Willen des Besitzers zu handeln ist Diebstahl.“

Es wird Zins-Nehmern vorgeworfen, „mit nichts anderem als mit erwartetem Geld, das bedeutet mit Zeit“ zu handeln.

„Der Tag aber ist die Zeit der Helligkeit und die Nacht der friedvollen Ruhe. Also handeln sie mit Licht und friedvoller Ruhe. So wäre es nicht gerecht, wenn sie das ewige Licht und den ewigen Frieden erlangten.“ (Quelle: Le Goff, S. 55)

Interessanterweise bestätigt Dirk Müller (Mr. DAX), dass Menschen durch den Zinses-Zins immer weniger Zeit haben:

„(…) aber wir müssen das große Bild sehen, wir haben ein System, ein Zinses-Zins System, ein Schuldsystem geschaffen, das aus einer Anlage heraus langfristig so nicht funktionieren kann. (…) vom Beginn an hat unser System eine Halbwertzeit und eine begrenzte Lebensdauer. (…) Die Frage ist nur: „Wie lange geht das noch?“ (…) Wir sind in einer sehr, sehr späten Phase dieses Systems (…) und die Verschuldung geht dramatisch nach oben, exponentiell und diese Verschuldung, diese Zinsen müssen ja von irgendwem aufgebracht werden, von den Bürgern, von den Menschen, die sie erarbeiten müssen und das wird immer mehr, immer steiler, müssen immer mehr Gas geben, immer mehr kriegen sie abgeschnitten für diese Zinsen (…) bis sie irgendwann das nicht mehr tragen können und sagen: „So jetzt gehen wir auf die Straße und dann wird das System „resetted“, d. h. die Schulden werden neu verhandelt, ob es über einen hair-cut ist, Neuverhandlung der Schulden, das ist ein ganz anderes Thema.“(…).“ (Quelle: youtube)

Der Wucher – das ist der Tod

Bereits um die Mitte des 5. Jahrhunderts formulierte Papst Leo I, der Große:

„Des Geldes Zinsgewinn ist der Seele Tod.“

Dementsprechend sieht die heutige zins-geprägte Raff-Gesellschaft nur noch zwei furchtbare „Lösungen“ für das Problem der sich krebsartig vermehrenden Geldvermögen und der damit einher gehenden eskalierenden Verschuldung:

Entweder wird massiv billiges Geld „gedruckt“ seitens der Zentralbank, das der Staat ausgegeben könnte. Eine Inflation würde damit hervorgerufen werden. Dann käme es zu einer Enteignung der Sparer. Oder die andere Möglichkeit: Der Staat spart weiter noch tiefer in die Wirtschaftskrise hinein, und Zentralbanken halten das Geld knapp. Dies wäre lediglich im Sinne der Geld-Besitzenden, der 20 % Oberschicht, die vom Zins heute profitieren.

Der Kabarettist Georg Schramm drückt diese Sachverhalte wunderbar in seinem StückWer regiert hier eigentlich? aus.

Er kommt zum Schluss: Die Habgier. Im Mittelalter hätten die Ackermänner [damaliger Chef der deutschen Bank] noch den Dienstboten-Eingang nehmen müssen, um das Haus der Herrschenden zu betreten. Am Tisch hätten sie erst ab dem Moment sitzen dürfen, wo sie das Monopol zur Silbertaler-Herstellung erlangt hätten. Heute regiert die Habgier und die demokratisch gewählten Politiker dürfen lediglich mit am Tisch sitzen. In diesem Zusammenhang weist er auf CDU-Kanzlerin Angela Merkel hin, die indirekt von der Notwendigkeit einer marktkonformen Demokratie sprach.

Ein Gedanke zu „Bibel verdammt Zinsen!“

  1. P.P.
    Ich halte Eure Informationen für sehr wertvoll und es ist zu wünschen, daß sie
    bald zu den gängigen Bildungsinhhalten gehören werden.
    Dank und freundliche Grüße! Rudi Meergans

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