Wie finanzierte sich die Terrorgruppe des NSU?

18. Dezember 1998, gegen 18 Uhr, ein Edeka-Markt am Rand von Chemnitz: Die Hauptkassiererin hat eben die Tagesseinnahmen eingesammelt, als ein Mann schreit: „Dies ist ein Überfall!“ Zwei Maskierte stehen in dem Markt. Einer bedroht die Kassiererin mit einer Pistole. Sie gibt ihm das Geld, etwa 30 000 D-Mark. Die zwei flüchten. Dabei schießen sie um sich. Vor dem Oberlandesgericht in München schildert im Juni 2015 ein junger Mann, wie ihm eine Kugel knapp am Kopf vorbeigeflogen ist. Die Täter nehmen den Tod von Passanten in Kauf. Für die Bundesanwaltschaft waren es Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.

Mit diesem schweren Raub soll die Terrorserie des Nationalsozialistischen Untergrundes, der neun Migranten und eine Polizeibeamtin zum Opfer fielen, begonnen haben. 14 weitere Banküberfälle folgten, bei denen Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. Opfer, die kaum bekannt sind. Und noch eine Frage ist ungeklärt: Welches Wissen hatte der Verfassungsschutz über die Raube?

Die NSU-Verbrechen offenbaren eine seltsame Anatomie. Die Mordanschläge wurden im Westen verübt: Nürnberg, München, Hamburg, Köln, Dortmund, Kassel, Heilbronn – einzige Ausnahme: Rostock, doch dort kam das Opfer aus Hamburg. Die Raubüberfälle dagegen geschahen ausnahmslos im Osten. Der Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger (CDU):

„Dieses Auseinanderklaffen der beiden Serien fällt auf: Banküberfälle quasi vor der Haustür – Morde und Sprengstoffanschläge bundesweit verteilt.“

Die Ombudsfrau der NSU-Opfer, Barbara John:

„Es sind natürlich genauso Opfer dieser drei Täter, wie alle anderen, wenn auch in geringerem Maße, was ihre körperlichen Schädigungen angeht.“

Der Opferanwalt Carsten Ilius:

„In der Zusammenschau dieses Wissens muss man davon ausgehen, dass der thüringische Verfassungsschutz, zumindest der thüringische Verfassungsschutz, ein Wissen darüber hatte, wie das Trio sich bis zu dem Zeitpunkt im Untergrund finanzierte.“

Wie finanzierte sich die Terrorgruppe nach ihrem Untertauchen von Januar 1998 bis zur Entdeckung im November 2011? – Herbert Diemer, der Prozessvertreter des Generalbundesanwaltes in München:

„Wir wissen, dass Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe bereits Ende 1998 mit dem Überfall auf den Edeka-Markt in Chemnitz mit Raubüberfällen begonnen haben und dann in der Folgezeit bis 2007 mindestens einmal jährlich Raubüberfälle auf Geldinstitute begingen. Der letzte war dann am 4. November 2011 in Eisenach.“

Mit den 15 bewaffneten Raubüberfällen sollen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe ihren „gemeinsamen Lebensunterhalt bestritten haben“, so die Anklagebehörde. Doch bei genauer Betrachtung passt Vieles nicht zusammen. Allein acht der Überfälle wurden in Chemnitz verübt, drei in Zwickau. Städte, in denen das Trio lebte. Vor Ort ergeben sich überraschende Einblicke: Mehrere Banken liegen in unmittelbarer Nähe von Wohnungen der drei: in derselben Straße zum Beispiel oder nur einen Steinwurf entfernt. Was für die mögliche Ausspähung nützlich gewesen sein könnte, hätte andererseits für die Tat zugleich ein höheres Entdeckungsrisiko bedeutet.

 „Die haben sicher Banküberfälle begangen. Die Frage ist, ob sie wirklich alle begangen haben“,

sagt Clemens Binninger, einst Obmann der CDU-Fraktion im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages, der von 2012 bis 2013 tagte. Der Parlamentarier macht seine Zweifel unter anderem daran fest, dass von den mutmaßlichen Tätern Böhnhardt und Mundlos keine eindeutigen Spuren gefunden wurden, Fingerabdrücke oder DNA-Substanz:

 „Die Spurenlage am Tatort ist ja bei den Banküberfällen ähnlich ernüchternd, wie bei den Morddelikten und Sprengstoffanschlägen auch. Eben, dass man am Tatort selber keine DNA von Mundlos oder Böhnhardt bisher hat, obwohl ja Vieles dafür spricht. Und deshalb hielt ich es auch für denkbar, dass es bei dieser Bankraubserie eben mehrere Täter gibt oder nicht alle von den zweien begangen wurden.“

Der zuständige Kriminalkommissar aus Chemnitz sagte 2012 vor dem Ausschuss:

 „Ich kann hier nicht mit Bestimmtheit sagen: Das sind die Täter gewesen. Ich kann nur sagen, dass ich selber überzeugt bin, dass es sich bei Mundlos und Böhnhardt um die beiden handelt, die auch all unsere Überfälle gemacht haben.“

Überzeugt, aber nicht sicher. Die Fahnder gingen damals in ihren Tathypothesen auch davon aus, dass ein dritter Mann in einem Fluchtfahrzeug gewartet haben könnte. Von einem dritten Täter berichtet im Juni 2015 vor dem OLG in München auch jener Zeuge, auf den beim ersten Überfall im Dezember 1998 geschossen worden war. Drei vermummte Personen seien an ihm vorbeigerannt. Seltsam: Die Ermittlungsakten zu diesem Überfall sind von der Staatsanwaltschaft Chemnitz vernichtet worden, heißt es in Anklageschrift ohne weitere Erklärung. Auch die Tatwaffe wurde nie gefunden.

Und noch etwas anderes ist dem gelernten Polizisten Binninger aufgefallen: Die Täter verhielten sich vollkommen unterschiedlich. Die Bankräuber agierten nervös und aufgeregt – die Mörder dagegen müssen ruhig und kaltblütig gewesen sein. Waren das wirklich dieselben Männer? Binninger:

 „Wir haben es bei den Banküberfällen immer mit sehr aufgeregten, fast schon hysterisch-hektischen, aggressiven Tätern zu tun, wo man den Eindruck haben könnte aufgrund der Zeugenvernehmungen: die Lage war jedes Mal kurz vor der Eskalation. Und zur gleichen Zeit begehen die gleichen Personen an öffentlich belebten Plätzen eiskalt und präzise Morde, ohne dass irgendetwas auffällt oder sie auch nur den kleinsten Anschein von Nervosität zeigen. Das fällt auf.“

Merkwürdigkeit Waffen: Bei den Überfällen wurden insgesamt vier bis fünf verschiedene Schusswaffen benutzt. Sie seien alle in der Habe des Trios gefunden worden, steht in der Anklageschrift. Doch die Ermittler in Chemnitz sehen das anders. Zitat Untersuchungsausschuss des Bundestages 2012:

 „Ich kann nur sagen: Zu meiner Ermittlungszeit haben wir nie eine Waffe typmäßig konkretisieren können.“

Merkwürdigkeit Haare: Auf einigen Fotos von Überwachungskameras sieht man, dass die Täter dichtes Haar haben, keine Glatzen. Sie hätten Perücken getragen, so die Bundesanwaltschaft. Doch Perücken wurden in der Habe des Trios keine gefunden.

Bei einem Überfall wird ein Haar sichergestellt: Im Oktober 1999 in einer Postfiliale in Chemnitz in derselben Straße, wo die NSU-Mitglieder ein Jahr zuvor noch gewohnt haben. Die Täter verriegeln die Tür von innen mit einem Holzpflock. Auf ihm findet die Polizei ein sieben Zentimeter langes Haar. Es wird zunächst aufbewahrt. Jahre später, 2005, verschickt die Polizei dieses Haar zur DNA-Bestimmung. Als 2011 die NSU-Gruppe auffliegt, erkundigen sich die chemnitzer Ermittler beim Landeskriminalamt Sachsen nach diesem Haar und erfahren: Es ist nicht mehr da. Im Ausschussprotokoll findet sich folgender Dialog:

Kriminalbeamter: „Wir haben versucht, als das gegen Mundlos und Böhnhardt bekannt wurde, natürlich dieses Haar, diese – ich sage mal – kleine DNA mit Böhnhardt und Mundlos zu vergleichen. Aber es gibt dort ein kleines Fragezeichen hinsichtlich des Verbleibes dieser Spur, so dass uns das einfach nicht mehr möglich war.“

Untersuchungsausschuss: „Also, die DNA ist weg? Diese Spur ist weg?“

Kriminalbeamter: „Richtig. Die haben wir einfach nicht mehr.“

Untersuchungsausschuss: „Die ist nicht mehr aufzufinden?“

Kriminalbeamter:Genau. Deswegen lässt sich da heute auch kein Abgleich mehr machen.“

Untersuchungsausschuss: „Kommt das häufiger vor, dass Spuren weg sind?“

Kriminalbeamter:Nein, das sollte eigentlich gar nicht vorkommen.“

Es ist nicht der einzige Schwund. Im November 2006 und im Januar 2007 überfallen zwei Männer in Stralsund zweimal dieselbe Sparkasse. Sie erbeuten zusammen über 250 000 Euro. Nachdem die Bundesanwaltschaft im November 2011 die NSU-Ermittlungen übernahm, schickte die Staatsanwaltschaft Stralsund die Originalakten nach Karlsruhe – insgesamt zehn Leitzordner. Die Bundesanwaltschaft leitete sie an das Bundeskriminalamt nach Meckenheim weiter – wo die umfangreiche Fracht nie ankam. Nachforschungen des BKA ergaben, dass die Bundesanwaltschaft die Akten nicht, wie üblich, per Kurier versandte, sondern mit der Post. Zitat:

 „Bundeskriminalamt. Vermerk: Verlust von Originalakten der Staatsanwaltschaft Stralsund. Die Akten wurden dem BKA im März 2012 auf dem Postweg durch den GBA übersandt. Dabei sind die Akten entweder verloren gegangen oder im BKA selber verlegt worden. Es liegen lediglich Kopien der betreffenden Akten vor, deren Vollständigkeit nicht verifiziert werden kann.“

Das BKA entdeckt bei seinen Nachforschungen nebenbei weitere Aktenverluste. Dem Untersuchungsausschuss des Bundestages wurden die Akten aus Stralsund ebenfalls zur Verfügung gestellt. Dass die Originale verschwunden sind, haben die Abgeordneten aber nie erfahren. Clemens Binninger hört das jetzt zum ersten Mal:

 „Das war mir so neu und war jetzt bei uns im Ausschuss kein Thema. Wobei uns der Umstand ja selber auch nicht auffallen konnte, weil wir ja sowieso von allem, was wir gekriegt haben, eigentlich nur Aktendoppel hatten logischerweise.

Nach den beiden Überfällen in Stralsund wurden über viereinhalb Jahre lang keine mehr verübt. Auch die Mordserie endete im Jahr 2007. Doch im Herbst 2011 werden die Täter wieder aktiv: Im September ein Überfall auf eine Sparkasse im thüringischen Arnstadt, schließlich der finale Bankraub in Eisenach am 4. November 2011. Am Ende dieses Tages sind Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos tot, ihre Wohnung in Zwickau ist abgebrannt, Beate Zschäpe auf der Flucht. Und die Öffentlichkeit erfährt zum ersten Mal etwas von einer Gruppierung namens „Nationalsozialistischer Untergrund“. Das große Rätsel beginnt.

Einer der 15 Überfälle schlägt aus der Art. In Zwickau stürmt im Oktober 2006 ein einzelner Mann in eine Sparkassenfiliale, wo sich neun Personen aufhalten. Es ist eine belebte Gegend, ein Wohngebiet mit mehreren Einkaufsmärkten. Der Bankräuber ist überfordert, Angestellte und Kunden wehren sich. Zwei Schüsse fallen. Der Täter flieht ohne Beute. Für die Bundesanwaltschaft war es Uwe Böhnhardt, auch weil der Bankräuber Linkshänder war, wie er. Er sei alleine aufgetreten, weil die Gruppe den Zusammenhang mit den anderen Überfällen verschleiern wollte, so die Anklagebehörde in der Anklageschrift. Die Kripo in Chemnitz jedoch hat bis heute keine Erklärung für diese Tat, Zitat Ausschussprotokoll:

 „Warum er diesmal alleine kam, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir konnten es also bis zum vorigen Jahr nicht aufklären und werden es möglicherweise auch nicht erfahren.“

Auch Clemens Binninger hat Fragen:

 „Der Fall mit dem Einzeltäter unterscheidet sich, und man muss fragen: Warum hat der das gemacht? War hier akuter Geldbedarf? Gab es einen Streit innerhalb des Trios, der Gruppe, des Duos, von was auch immer? War das abgestimmt? Wo war der andere an dem Tag? Weil man ja danach noch mal die Überfälle begeht in Stralsund und dann ist vier Jahre lang ruhig.“

Einer der Schüsse trifft den 18-jährigen Bank-Azubi Nico R. in den Bauch. Er wird lebensgefährlich verletzt – doch kaum jemand scheint das zu wissen. Auch die Opferbeauftragte der Bundesregierung, Barbara John, erfuhr erst durch die Recherchen davon.

 „Das ist ja unglaublich! Das interessiert mich sofort und ich werde mich auch drum kümmern, ob dieser Mann dann in irgendeiner Weise auch ein Schadensgeld bekommen hat.“

Von Opfern der Raubüberfälle wusste John anfänglich nichts:

„Der ist bisher in keiner Liste aufgetaucht. Ich hab ja meine Informationen, als ich mit der Arbeit begann, vom Justizamt bekommen, also vom Justizministerium. Die Opferlisten, das waren einmal die Hinterbliebenen-Familien, zum anderen die Keupstraßen-Opfer. Und auf keiner Liste befindet sich Herr R.“ 

Die Täter besprühten Bankangestellte und Kunden mit Reizgas, schlugen sie mit der Pistole auf den Kopf, mit einem Gewehrkolben ins Gesicht, mit einem Tischventilator auf den Arm, drückten ihnen Schusswaffen an den Kopf. Traumatisierungen bis heute. Rechtsanwalt Carsten Ilius:

 „Es ist bei dem Großteil der Banküberfälle so, dass die Opfer zum Teil psychisch partiell traumatisiert worden sind, dass sie noch lange mit diesen Ereignissen zu tun hatten, dass es auch immer wieder bei einzelnen Vorfällen Körperverletzungsdelikte gab, gefährliche Körperverletzungen zum Teil auch.“

Sie berichten jetzt vor dem Oberlandesgericht in München als Zeugen darüber, wie die Bankkauffrau Gundula K. aus Arnstadt:

 „Als eine Kollegin im Kassenraum nicht gleich die Tür öffnete, schlug einer der Männer mit einem Telefon auf mich ein. Fünf, sechs Mal hat er mich geschlagen. Ich kann seit dem nicht mehr im Kundenbereich arbeiten, trotz mehrmonatiger psychologischer Behandlung. Ich habe lange Zeit Probleme gehabt, überhaupt mein Wohnung zu verlassen und einkaufen zu gehen.“

Diese Geschichten kannte auch die Opferbeauftragte bis vor kurzem nicht:

 „Ich bin natürlich daran interessiert, dass ich mit denjenigen, die sich in München aufgrund der Vernehmungen zu Wort melden, in Kontakt trete und zumindest nachfrage, unter welchem Problem sie leiden und ob sie denken, dass ich etwas für sie tun könnte. Auch durch die Türöffnung, durch die Vermittlung gegenüber Behörden, wenn es da einen Bedarf gäbe.“

Das Bundesjustizamt, zuständig für Entschädigungsansprüche, erklärt auf Nachfrage, es habe nur die Opfer erfasst, die einen Entschädigungsantrag gestellt haben. Sämtliche Opfer zu registrieren, sei nicht Aufgabe des Amtes. Dazu Barbara John:

 „Ich stehe da genauso ratlos davor, wie Sie im Moment. Es kann ja auch sein, dass die Ermittlungsbehörden das gar nicht weitergegeben haben, sondern dass das in den Bundesländern blieb, in denen diese Banküberfälle stattgefunden haben.“

Beim Zschäpe-Prozess in München sind zwar die Raubüberfälle Gegenstand der Beweiserhebung, aber nicht die Körperverletzungen der Bankangestellten und Kunden. Die Bundesanwaltschaft hat einen Großteil der Körperverletzungen nicht als eigene Taten angeklagt, sondern behandelt sie als Nebensache der Überfälle. Und wo keine Anklage, ist auch keine Nebenklage möglich. Allein der Banklehrling Nico R., der den lebensgefährlichen Bauchdurchschuss erlitt, hat eine Entschädigung erhalten. Nebenkläger ist aber auch er nicht. Kein einziges Opfer der Raubüberfälle tritt im Gerichtsverfahren als Nebenkläger auf. Vergessene Opfer, unerwünschte Opfer?  Die Opferbeauftragte der Bundesregierung:

 „Die spielten ja auch bisher in der öffentlichen Auseinandersetzung und in der Berichterstattung so gut wie gar keine Rolle. Man wusste zwar, da sind diese 15 Banküberfälle. dass das alles inhaltlich zusammenhängt, liegt ja auf der Hand, denn die Überfälle dienten der Geldbeschaffung und dem Untertauchen, dem jahrelangen Untertauchen. Und in dieser Zeit sind ja dann auch die Morde begangen worden.“

Aber auch die Kreditinstitute halten sich auffällig zurück. Eine Bank antwortet auf die Frage, warum sie nicht als Nebenkläger auftritt, so (Stand November 2014):

 „Von den zuständigen Strafverfolgungsbehörden konnte bis dato keine Täterermittlung bekannt gegeben werden. Daher haben wir die Erhebung einer Nebenklage noch nicht in Erwägung gezogen.“

Und schließt mit den Worten:

 „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir im Kontext mit NSU nicht genannt werden wollen.“

Bei den 15 Raubüberfällen erbeuteten die Täter insgesamt umgerechnet etwa 600 000 Euro. Wieviel sie davon ausgegeben haben, wieviel Geld später gefunden wurde – darüber gehen die Angaben bis heute auseinander. Neben den 72 000 Euro aus dem letzten Raub in Eisenach sollen weitere 40 000 Euro sichergestellt worden sein. Dem Untersuchungsausschuss des Bundestages wiederum war mitgeteilt worden, in der ausgebrannten Wohnung in Zwickau hätten die Ermittler 190 000 Euro entdeckt, so Ausschussmitglied Binninger:

 „Uns lag ja in der Ausschussarbeit ein Asservatenverzeichnis vor aus dem November 2011. Und aus dem ging eben hervor, dass man in dem Haus in der Frühlingsstraße in Zwickau etwas mehr als 190 000 Euro sichergestellt hat.“

Doch diese Summe stellt die Bundesanwaltschaft inzwischen selber in Frage. Im Juni 2015 erklärt Bundesanwalt Herbert Diemer am Rande des Prozesses:

 „Die Summe, die man in der Habe der Getöteten und von Frau Zschäpe im November 2011 gefunden hat, waren um die 114 000 Euro. Davon waren aber knapp 72 000 Euro aus dem Raubüberfall in Eisenach.“

Nachfragen sind nicht möglich. Die oberste Ermittlungsbehörde der Bundesrepublik beantwortet seit Beginn des Prozesses keinerlei Fragen zum NSU-Komplex mehr. Das „gebiete der Respekt vor der Beweisaufnahme des Gerichtes“, heißt es nur. Die Behörde gab ausnahmsweise lediglich die zitierten kurzen Stellungnahmen ab.

Grundlegende Fragen tun sich auf: Warum überfielen die Täter im Herbst 2011 wieder Banken, wenn sie noch mindestens 40 000 Euro besaßen? Hat das erbeutete Geld überhaupt zum Leben im Untergrund gereicht? – Clemens Binninger:

 „Warum beginnt die Bankraubserie wieder, wenn noch so viel Geld da war? Kann es sein, dass noch so viel Geld da ist? Wieviel hatten die tatsächlich zum Leben? Reicht das dann, wenn noch so viel übrig ist? Also passt das alles irgendwie zusammen? Oder muss es, das war so ein bisschen unsere Einschätzung dann, Bewertung am Ende, hat es möglicherweise neben den Banküberfällen weitere Geld- und Einnahmequellen gegeben?“

Carsten Ilius zu derselben Frage:

 „Wir haben auch mal versucht, Berechnungen anzustellen, was sie eigentlich so zum Leben brauchten. Da ist es tatsächlich so, dass man davon ausgehen kann, nach höheren Berechnungen, dass sie zusätzliche Mittel noch bedurften. Allerdings haben wir keine Erkenntnisse, woher das Geld gekommen sein könnte.“

Ilius vertritt in München die Witwe des achten Mordopfers Mehmet Kubasik aus Dortmund. Wie sich die Mörder finanzierten, diese Frage gehört mit zu seinem Mandat. – Verrechnet man die verschiedenen Summen bleiben für die Zeit in der Illegalität des Trios pro Person und Monat zwischen etwa 700 und 1100 Euro zum Leben. Gab es also weitere Einnahmequellen? Bundesanwalt Herbert Diemer:

 „Andere Finanzierungsquellen sind uns bei den Ermittlungen bisher nicht bekannt geworden.

Die Hauptverhandlung in München hat unterdessen aber noch etwas anderes ergeben: Der Verfassungsschutz muss schon früh Hinweise auf Überfälle gehabt haben. Nebenklageanwalt Ilius:

 „Es gibt einige Erkenntnisse, verdichtete Erkenntnisse, im Wesentlichen von drei V-Leuten.“

Drei V-Leute des brandenburgischen und des thüringischen Verfassungsschutzes in der rechtsextremen Szene lieferten Informationen über den Unterschlupf des Jenaer Trios in Chemnitz, wie über mögliche Raubüberfälle. 1999 meldete der V-Mann Marcel D. dem Amt, ein Kontaktmann habe ihm erklärt, die drei würden „jobben“ und bräuchten kein Geld. „Jobben“ steht dabei nicht etwa für „arbeiten“, wie Ilius erklärt:

 „Er sagte, die würden jobben, und die Diskussion, die wir in der Hauptverhandlung ausgetragen haben, die wir in der Szene nachgefragt haben, ist, ob jobben nicht in Wirklichkeit  genau die Beschaffung von Geld über Überfälle meint und damit quasi das eine Art von Codewort dafür ist, dass eben Überfälle begangen wurden.“

Jener Kontaktmann, der offenbar mit dem Trio in Verbindung stand, wurde ein Jahr später selber V-Mann der Behörden, sein Name: Thomas Starke, gegen den die Bundesanwaltschaft wegen Unterstützung des NSU ermittelt. Ein anderer bekannter V-Mann ist Tino Brandt. Er gab im Jahre 2001 die Information weiter, die Untergetauchten würden sich mit eigenen Aktionen finanzieren. Ilius:

 „Das heißt: Hier fließt eindeutig die Information über die Deckblatt-Meldung an den thüringischen Verfassungsschutz, dass das Trio in der Lage ist, sich über eigene Aktionen selbst zu finanzieren. Das kann notwendigerweise nur auf bewaffnete Überfälle hindeuten. Da gibt es keine andere Option.“

Zumal: Als der Nachrichtendienst die Meldung bekam, waren in Chemnitz bereits vier bewaffnete Überfälle geschehen, die nicht aufgeklärt waren.

Das Rätsel wird aber noch größer. Denn der Verfassungsschutz erhielt obendrein eine Information über einen möglichen bisher unbekannten Bankraub. Der müsste im Frühjahr oder Sommer 1998 verübt worden sein und ist unter den NSU-Taten bisher nicht aufgelistet. Informant war V-Mann Carsten Sz. mit dem Decknamen „Piatto“. Ilius:

 „…der in einer Deckblatt-Meldung angibt, dass das Trio dabei ist, Waffen zu besorgen und nach dem Besorgen der Waffen einen weiteren Überfall begehen will. Das ist eine Meldung, die noch vor dem ersten Überfall in Chemnitz auf den Edeka-Markt am 18. Dezember 1998 erfolgt ist. Aus der Meldung selbst könnte man möglicherweise auch ersehen, dass es schon vorher einen Überfall gegeben haben muss, weil von einem weiteren Überfall die Rede ist.“

Laut Anklageschrift soll die Raubserie des NSU im Dezember 1998 mit dem Überfall auf den Edeka-Markt begonnen haben. Gab es also einen 16. Raubüberfall, der ebenfalls auf das Konto des NSU geht? Und wenn ja, warum ist der bisher nicht bekannt? Wer wären die Täter gewesen? Das Rätsel NSU geht weiter. – Im September wird die Hauptverhandlung vor dem Oberlandesgericht in München fortgesetzt. Auch einige Raubüberfälle stehen noch an.

 Thomas Moser

(4.8.2015), [Überarbeitete Fassung einer Radiosendung.]

11 Gedanken zu „Wie finanzierte sich die Terrorgruppe des NSU?“

  1. Eiskalte Mörder, nervöse Bankräuber. Damit zieht Thomas Moser m.W. zum ersten Mal in Betracht, dass die Taten von unterschiedlichen Personen begangen worden sein könnten. Außerdem deutet er zumindest an, dass für keine Tat harte Beweise bzgl. der Täterschaft existieren. Es kehrt keine Ruhe ein und das ist im Sinne der Wahrheitsfindung auch bitter nötig.

    1. Dass er keinen Millimeter weitergekommen ist, beweist schon die Überschrift.

      Originalakten vom Banküberfall Stralsund verschwinden auf dem Weg von Karlsruhe zum BKA, aber Mosers Hauptsorge bleibt: Was wusste der Verfassungsschutz?

      Widersprüche werden aufgelistet, es wird von Rätseln geraunt. Das gleiche folgenlose sich-Wundern, mit dem schon Berliner PUA-Leute eine ebenso folgenlose Verdachtsaura inszenierten, aber im Abschlussbericht war dann alles prima.

      Welches Fazit dürfen wir ziehen? Der NSU war größer, es gab das Killerkommando B&M und die Bankraubabteilung. Die wird wohl weiter vom Verfassungsschutz gedeckt. Alles im Stil eines Politthrillers der 70er. Grusel und Gänsehaut.

      1. Vielleicht sollte man nicht zuviel erwarten 😉
        Zugegeben, die Überschrift ist schwach, aber das muss nicht auf Moser zurückgehen. Es handelt sich ja offenbar um die Abschrift eines Radiobeitrags und ein freier Journalist ist oft nicht Herr über die Betitelung seiner Beiträge.
        Interessant wäre, ob es gelungen ist, das Stück bei einem Mainstream-Sender zu platzieren. Moser kann hier eine wichtige Brückenfunktion übernehmen, ich halte ihn im Gegensatz zu so manch anderem (selbsternannten) „Aufklärerer“ für integer, professionell und mainstream-kompatibel. Kann jemand sagen, wo der Beitrag lief?

          1. Beim Bad in der Menge wird der US-Präsident von drei Ringen geschützt.
            Der erste wird gebildet durch uniformierte Beamte.
            Der zweite sind welche in „Zivil-Uniform“. Zwar zivil, aber auf den zweiten Blick sieht man schon.
            Der dritte sind security men in Zivil, die man erst auf den zehnten Blick erkennt. Also nicht bevor der Präsident schon wieder im Auto sitzt.
            Funktioniert. Der letzte Mord war Kennedy, der letzte teilerfolgreiche Anschlag Reagan. Jahrzehnte her.

            In ähnlich drei Ringen läuft das ganze Containment in den westlichen Demokraturen.

            Den größten Teil erledigt der Holzhammer der gleichgeschalteten Systemmedien.

            Den zweiten Ring bilden Leute wie Fleischhauer & Gen. Seinen kritischen Habitus nehme ich dem schon ab (Gender kotzt den wirklich an), aber wenn es hart auf hart geht (z.B. Pegida), ist er eben doch auf Linie. So hält er einen größten Teil der Zweifler in der Bahn.

            Der dritte Ring wird gebildet von lonely planets der Förster- und Moser-Klasse, ergänzt durch Spielplätze wie das Forum unzufriedener SED-Funktionäre oder die NPD.
            Ob die Petry-AfD auch dazugehört, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

            Unmittelbar bewirken die nicht viel. Aber sie halten den letzten Rest von kritischer Intelligenz und anderen Abweichlern in einer zwar weiten, aber trotzdem noch Umlaufbahn.
            Die Methode ist die, die uns Moser hier vorführt. Für viel Beschäftigung und Ablenkung sorgen und damit die Aufmerksamkeit am Kern des Geschehens vorbeileiten.

            Denen kann man auf den Leim gehen. Man muss aber nicht.

      2. Das mit „keinen Millimeter weitergekommen“ (nach Jahren!) ist der entscheidende Punkt: auf diesen Spuren geht nichts vorwärts, da will nichts rauskommen. Sie werden wie ein Amulett herumgetragen und möglichst gut konserviert, damit sie bei religiösen Tanzfeierlichkeiten auf der nackten Brust hergezeigt werden können. Mosers Permaspuren sind nicht die einzigen dieser Art: es gibt da noch einen ominösen Johnny W. aus Thüringen, der angeblich das fehlende Glied in der Kette vom Trio zum Sicherheitsdienst des neuen Freundes der Freundin von Kiesewetters Onkel herstellt. Seit Jahren ist genau das der Stand der Spur. Die Betonung liegt auf „Stand“. Der Staat will nicht ermitteln und die Aufklärer tun es auch nicht. Die Gründe dafür werden auf ewig ihr Geheimnis bleiben.

  2. @brain freeze: Besten Dank für den Link!
    Moser ist Profi, richtig, d.h. er braucht Zugang zu offiziellen Quellen und muss seine Arbeit (auch) verkaufen und das heißt, er muss an so formulieren, dass seine Ergebnisse Öffentlichkeit und Establishment „zumutbar“ bleiben. Daran gemessen macht er einen verdammt guten Job (vgl. auch seinen hier wiedergegebenen Fragenkatalog an den PUA BaWü), denn die Abgründe rund um die NSU-Thematik kann man eigentlich überhaupt niemandem zumuten, der noch ruhig schlafen will und am Ende sogar für diesen Staat arbeitet oder Steuern zahlt. Das heißt, Moser kann nur vorsichtig Fragen stellen und Ungereimtheiten aufzeigen, denken und schlussfolgern müssen wir selbst. Ihnen als HPF-Haudegen ist das zu wischiwaschi, wen wundert’s, aber m.E. heiligt hier der Zweck die Mittel. Moser deshalb der „Propaganda“ zu zeihen ist doch zu hart, da schlage ich verbale Abrüstung vor. Nix für ungut.

    1. Hier geht es aber nicht darum, Inhalte möglichst konziliant den Erwartungen und Mechanismen einer Medienmacht anzupassen, um individuell erfolgreich zu sein oder eine größere Breitenwirkung für eine weichgespülte „Wahrheit“ zu entfalten, hier geht es um die Aufklärung von Kapitalverbrechen und zentrale Elemente einer unabhängigen Strafverfolgung.

      Und da ist es eben so, dass der Autor explizit staatliche Thesen vom NSU-Terror stützt.

      Im Übrigen widerspricht es nicht der vom Establishment simulierten Meinungsbreite, dass pseudokritische Fragestellungen thematisiert werden, solange ein mehr oder weniger klarer Verdachtsrahmen nicht verlassen wird. Das ist sogar erwünscht. Nicht nur medienseitig, sondern auch im Sinne einer Dienste-Desinformation.

      Wenn unbewiesene oder zweifelhafte Behauptungen vorausgesetzt werden (NSU-Terrorgruppe), um auf ihrer Basis „kritische“ Fragen zu stellen, dann ist das natürlich eine subtile Form der Propaganda.

  3. Die Banküberfälle sind ein Sinnlosthema.
    Es ist eine beliebige Zahl zu einer Summe geführt worden, die genauso beliebig ist. Gelingt es zwei, drei, oder vier als falsch rauszupopeln, dann waren es eben nur zehn. Unbedeutend für die NSU-Märchenregie. Werden gestrichen ohne mit der Wimper zu zucken.

    Das trifft nicht auf die letzten beiden zu!
    Arnstadt und Eisenach sind zentrale Bausteine des NSU-Märchens. Es reicht, sich auf die zu konzentrieren. Die bringen die Punkte, denn was hier nicht stimmt, beschädigt das Märchen. Die kann man nicht streichen ohne einzupacken.
    Genug Ansätze gibt es, die nachhaltiger in die öffentliche Diskussion geführt werden müssen.

    Aus der Sicht ist Mosers Beitrag leider wischiwaschi.

  4. Der Artikel analysiert die Meldungen zweier „V-Leute“, deren eigene Rolle zunächst mal gründlich zu beleuchten wäre:
    THOMAS STARKE war nicht nur V-Mann, der Infos lieferte, sondern stellte als Sprengstoff-Lieferant die Weichen dafür, dass im Januar 1998 ein Untertauchen des Trios aufgrund Verhaftungsgefahr erst akut notwendig geworden war. Die erste Bleibe (und damit Verankerung) im Untergrund besorgte er dem Trio mit dem Umzug nach Chemnitz zu seinen B&H-Freunden, die auch waffenmäßig besser aufgestellt waren als der Thüringer Heimatschutz (THS).

    Die staatlichen Gelder an ihn begannen aber angeblich erst so richtig zu fließen (2000-2011!), als er bereits von der Szene als Verräter erkannt und ausgestoßen – und somit als V-Mann verbrannt – war. Kaum glaubhaft, aber diese Version (angeworbener ehem. Verbrecher) gefällt den Behörden halt besser als eine Version, in der Starke bei laufenden Staatsbezügen eine Terror-Organisation selber mit aufgebaut und quasi sich selbst dabei bespitzelt hätte.
    Nimmt man (wie fatalist) an, das alles sei nur Theater gewesen, um eine „Aushorchzelle“ BMZ / NSU in der Szene zu installieren, dann wird die Sache nicht weniger anrüchig: Statt staatlich subentionierter Starthilfe für angehende Mörder (1998) haben wir dann eben einen Staat vor uns, der per Fake-NSU die wahren Täter schützt, indem er (ab 2011) die Zuschreibung der Döner-Morde etc. auf diesen Fake-NSU ermöglicht und zugleich das überlebende NSU-Drittel scheinheilig empört vor den Kadi in Münschen zerrt.

    Ganz allgemein ist das Konzept „NSU“ seit 2011 der amtliche Versuch, eine bundesweite Massen-Symbiose (teils Identität) von Schlapphüten, V-Leuten und Neonazis auf ein superböses, superkleines, fast isoliertes Trio zu reduzieren. Damit wird u.a. verschleiert, dass sehr viele sogenannte „V-Leute“ Geld erhielten und manche davon erstaunlich hohe Beträge.
    Selbst bei den „Normalverdienern“ unter diesen Spionen steht der verschwenderischen Dichte (und Kostenträchtigkeit) des V-Mann-Netzes ein magerer Erkenntnis- und Ertragswert gegenüber. Denn wenn fast alle halbwegs wichtigen Nazis auch Spione sind, werden die wenigen echten News zig-fach gemeldet, wogegen bei der Masse der Meldungen die Spione lediglich sich gegenseitig ausspionieren. Wäre es wirklich nur um Info-Gewinung gegangen, dann hätte der ansonsten recht geizige Merkel-Staat („Austeriät“)also hochgradig ineffizient mit großen (Geld-)Kanonen auf kleine Spatzen(-Hirne) geschossen.

    An „Großverdienern“ wie THS-Gründer und -Chef TINO BRANDT zeigt sich jedoch, dass V-Leute als bezahlte Spitzel eben nicht nur Vorhandenes ausspähten, sondern die braunen Netzwerke unübersehbar und generalstabmäßig erst aufbauten – und das dies von den Geldgebern nicht nur hingenommen, sondern gewollt war.
    Brandts Darstellung, er habe seine Geldgeber hintergangen und ihr Geld illoyal für (heimliche) braune Zwecke genutzt, ist eine billige, aber einvernehmliche Lüge, die ihm ebenso nutzt wie den Schlapphüten, die dadurch von großen problematischen Brandt-Komplizen zu harmlosen kleinen Trotteln schrumpfen.

    Wir wissen kaum, ob ein „NSU“ überhaupt und in welcher Größe existiert hat und was genau er trieb. Dass seine ggf. realen Mitglieder aber genauso von staatlichen Geldern profitiert haben müssen wie der Pulk von „V-Leuten“ um den „NSU“ herum, das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Im Münchner Prozess ist das allerdings ein Nicht-Thema – so wie die längst nicht entkräfteten Hinweise auf Zschäpe als langjährige V-Frau und die Zweifel des Thüringer PUA am Selbstmord der Uwes.

    Das Infragestellen der Bankraub-Geschichtchen im Artikel ist daher für sich gesehen überzeugend, aber unvollständig. Auf die bisher nicht aufgeklärte Spur des staatlichen Geldes müsste klar hingewiesen werden, schon weil die Überschrift Offenheit nach allen Seiten signalisiert. Überdies enthält die Überschrift Unterstellungen, die zumindest unglücklich sind: Gab es „die“ Terrorgruppe des NSU (d.h. in Form von BMZ) überhaupt? Finanzierten „sie sich“ oder sollte man besser erst mal fragen „Wer finanzierte BMZ und wofür?“

    1. Sehr lesenswerter Beitrag, bekir. Bis auf einen kleinen Punkt stimme ich Ihnen zu: Das Argument mit den großen (Geld-)Kanonen zieht nicht. Austerität trifft vielleicht den kleinen Streifenpolizisten, der vor lauter Sparerei nicht zum Abbau seiner Überstunden kommt, aber für die (interne) Agenda der Sicherheitsbehörden ist stets genug Geld vorhanden. Und (in staatlichen Relationen) große Summen verschlingt das V-Mann-Unwesen nicht, ich denke da kommt uns die ganze Verschleierung und der ins Leere laufende Prozess in M wesentlich teurer. Unabhängig davon halte ich Ihre Schlussfolgerung für richtig.

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