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Teil 5) Andreas Temme telefonierte nur „vermutlich“ „gegen 16:11“ mit Informanten Benjamin Gärtner

Mit der sogenannten „Selbstenttarnung des NSU“ Mitte November 2011 rückte die rechtsextreme Szene in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Die Kasseler Polizei führte daher in diesem Zeitraum einen „Abgleich der Telefondaten“ durch, mit folgenden Ergebnis:

Der hessische Geheimdienst-Agent Andreas Temme telefonierte mit seinem Informanten aus der rechten Szene, Benjamin Gärtner, um 16:11 von seinem Festnetzanschluss im Büro. Ein Bericht der Staatsanwaltschaft Kassel vom 04.01.2012 informiert:

„Neu bekannt wurde aufgrund einer erneuten Überprüfung der erhobenen Massendaten, dass vermutlich [geschwärzt] am Tattag gegen 16.11 ein weiteres Telefonat mit [geschwärzt] führte.“ (Bundestag, Anlage 58 – MAT A OLG-1, Sachakten, Ordner 145, Band 6.6, Ordner 4, S. 1-19)

„Dieser Abgleich war zum Zeitpunkt der Einstellung des Verfahrens gegen [geschwärzt] noch nicht möglich, da die Massendaten zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung standen. Dieser Abgleich ergab ein Telefonat zum angegebenen Zeitpunkt zwischen dem Anschluss [geschwärzt] und einem Anschluss in der Außenstelle des Landesamtes für Verfassungsschutz.“ (ebd)

Es gibt bei dieser Darstellung Ungereimtheiten, die auch der zweite parlamentarische NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages nicht aufklärte: Teil 5) Andreas Temme telefonierte nur „vermutlich“ „gegen 16:11“ mit Informanten Benjamin Gärtner weiterlesen

Teil 3) Stellte Internetflirt TanyMany Geheimdienst-Agenten Andreas Temme eine Falle?

Ich vermutete in einem früheren Artikel, dass der (damalige) hessische Geheimdienst-Beamte Andreas Temme „reingelegt“ worden sein könnte. Betraten die Mörder das kasseler Internetcafe und erschossen den Betreiber Halit Yozgat just in dem Moment, als Temme mit seinem Auto wegfuhr? 

Nach meiner Einschätzung hätte der Iraker Hamadi Sh. die ideale Beobachterposition gehabt, das Opfer auszuspähen und den passenden Moment zum Angriff per Telefongespräch mitzuteilen. Er telefonierte nur 3-4 Meter neben Yozgat, als er erschossen wurde. Just in dem Moment als Temme das Cafe verließ, startete sein zweiter Anruf.

Wurde Temme beschattet?

Benjamin Gärtner war einer der Informanten Temmes. Sie trafen sich einige Tage nach der Ermordung Yozgats. Gärtner schildert seinen Eindruck:

„Mir fällt jetzt noch ein, dass der Alex [Aliasname Temmes] bei diesem Treffen besonders nervös war, weil er sonst sein Jackett auszog und über den Stuhl hängte. Bei diesem Treffen hat er das nicht gemacht. … Außerdem hat er sich dauernd umgeschaut. Für mich hatte das den Eindruck, dass er sich beobachtet fühlte.“ (Bundestag, erster NSU-Untersuchungsausschuss, Protokoll 27, S. 43) 

Wurde Temme von Hamadi Sh. beschattet?

Um 16:50 betrat Temme das Cafe und begab sich in den hinteren Bereich an einen Computer. Vier Minuten später, um 16:54, startete Hamadi Sh. vorne, direkt neben der Theke, sein erstes Gespräch. Er beendete es just um 17:01, als Temme das Cafe verließ. Daraufhin fing Hamadi Sh. sein zweites Gespräch an.

In den Anlagen des zweiten NSU-Bundestags-Untersuchungsausschusses fand ich Material, welches ausgerechnet Hamadi Sh. weiter ins Zwielicht rückt – er informierte nachweislich die Ermittler falsch!

Zwei im Cafe im hinteren Bereich sitzende Zeugen hörten verdächtige Geräusche, aber erst nachdem Temme seinen Computer um 17:01 verließ. Zum Beispiel hörte eine Person ein „dumpfes Geräusch“, aber erst „2-3 Minuten“ nachdem Temme seinen Platz verließ.

Ausgerechnet Hamadi Sh. will Schüsse kurz vor 16:54 gehört haben, als Temme noch im Internetcafe anwesend war. In einem Bericht der Staatsanwaltschaft Kassel steht, dass Hamadi Sh. …

„… unmittelbar zu Beginn seines Telefonates (um 16.54 Uhr) Knallgeräusche wahrgenommen habe. Kurz danach habe vermutlich eine Person das Internet Cafe verlassen.“ (Anlage 40, S. 11)

Seine Darstellung ist falsch, denn zu Beginn des ersten Gespräches war Yozgat noch am Computer aktiv.

„Bezüglich dieser Zeitangabe ist aber festzustellen, dass 50 Sekunden nach Beginn des ersten Telefonats von [geschwärzt], d.h. um 16.54.51 Uhr noch eine Action am PC des Getöteten (Aufruf einer Internetseite) erfolgte.“ (Anlage 58, S. 5)

Außerdem gibt es eine Zeugin, die Yozgat um 16:57 lebendig hinter dem Schreibtisch sitzen gesehen hat:

„Im Nachhinein konnte noch die Zeugin [geschwärzt] ermittelt werden. Sie (…) führte anschließend von ihrem Handy aus mehrere Telefonate. Eines dieser Telefonate führte sie in Höhe vom Internet Cafe. Sie wollte das Cafe betreten, um eine Telefonkarte zu kaufen, unterließ dies aber, weil das zu „schmuddelig“ auf sie wirkte. Durch die Schaufensterscheibe konnte sie einen Mann hinter dem Schreibtisch sitzen sehen. (…) Feststellungen ergaben, dass das besagte Telefonat der [geschwärzt] um 16.57 Uhr geführt wurde.“ (Anlage 40, S. 7)

Die Falschauskunft könnte dazu gedient haben, eine genaue Rekonstruktion der Tat zu vereiteln. Tatsächlich nahm die Sonderkommission einzig aufgrund der Aussage von Hamadi Sh. an, dass der Mord auch schon um 16:54 sich ereignet haben könnte. Des Weiteren nahm sie an, dass der Mörder nur ein kleines Zeitfenster von 40 Sekunden gehabt hätte, um nach 17:01 Yozgat unbemerkt zu erschießen. Hamadi Sh. sagte nämlich aus, dass er nach Beendigung seines zweiten Telefongespräches um 17:03:26 die Telefonkabine verließ und keine verdächtigen Beobachtungen machte. Er hätte Halit Yozgat vergebens bis zum Eintreffen dessen Vaters um 17:05 gesucht.

Warum ging Temme ins Internetcafe?

Temme stempelte sich gegen 16:45 von seiner Arbeitsstelle beim Amt für „Verfassungsschutz“ aus und sass seltsamerweise schon ein paar Minuten später im Internetcafe hinter einem Computer.

„Ich habe mich gegen 16:45 Uhr [im Büro] ausgestempelt. Um 16:50 Uhr hab ich mich [am PC im Internetcafe] eingeloggt und um 17:00 Uhr wieder ausgeloggt.“ (Zeugenaussage Temmes im NSU-Prozess, Wortprotokoll von Jürgen Pohl)

Nach Temmes Darstellung hätte er sich dort aus privaten Gründen aufgehalten, um mit einer Frau im Internet zu flirten.

… oder um Halit Yozgat zu ermorden?

Dies ist abwegig, denn Temmes Verhalten wäre sehr unvorsichtig gewesen. Er wäre mit der Waffe ins Cafe gegangen und hätte dort mit ihr erstmal 11 Minuten verbracht. Er war jedoch im Internetcafe seit Jahren persönlich bekannt und hätte daher damit rechnen müssen, gesehen und erkannt zu werden! Dann surfte er laut der polizeilichen Auswertung im Internet auf der Flirtseite „iLove.de“, wo er mit seiner Handynummer registriert war. Auf diese Weise konnte er von der Polizei auch aufgespürt werden.

Wer könnte Temme in die Falle gelockt haben?

Die Mörder hätten im Vorfeld wissen müssen, dass Temme ins Cafe fahren würde. Es ist unbekannt, ob er seinen Besuch jemand im Vorfeld mitteilte. Er chattete jedoch im Flirtportal laut Polizeiauswertung ab 16:50 mit der bis heute unbekannten „TanyMany”, für die sich seltsamerweise niemand interessiert. Dabei wäre sie eine wichtige Zeugin, da sie sich offenbar mit Temme verabredete. Die weitere Frage ist, warum die beiden schon nach 11 Minuten ihren Austausch wieder beendeten. 

Die Bundestagsabgeordneten des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses ignorierten die Möglichkeit, dass Temme in eine Falle gegangen ist. Es ist davon auszugehen, dass auch der hessische NSU-Ausschuss dementsprechend  ungenügend untersuchte und den Sachverhalt nicht beleuchtete oder gar aufklärte.

Wurde Andreas Temme hereingelegt?

Zurecht glaubt fast niemand die Darstellung des früheren hessischen Geheimdienstbeamten Andreas Temme. Als er am 6. April 2006 in einem kasseler Cafe im Internet surfte, hätte er nichts davon mitbekommen, dass der Betreiber Halit Yozgat erschossen wurde. Er hätte vergebens nach ihm gesucht, um zu zahlen, dabei lag das Opfer hinter der Theke. Zeitweise stand Temme unter Mordverdacht, aber welche alternative Hintergründe könnte es stattdessen geben? Wurde er reingelegt? Wurde Andreas Temme hereingelegt? weiterlesen

Welche alternative Hintergründe könnten die sogenannten „NSU-Morde, -Bomben“ haben?

Es gibt drei grundlegende Möglichkeiten, welchen Hintergrund die Verbrechen haben könnten, und wie die sogenannte Selbstenttarnung des NSU (National Sozialistischen Untergrund) zu erklären ist. Dazu werden die beiden letzten Morde verglichen, der an Halit Yozgat am 06.05.2006 und der an Michele Kiesewetter am 25.04.2007. Welche alternative Hintergründe könnten die sogenannten „NSU-Morde, -Bomben“ haben? weiterlesen

NSU: Wurde die Einzeltätertheorie schon im Dezember 2005 in Auftrag gegeben?

Bereits einen Tag nach dem achten Ceska-Mord an Mehmet Kubasik in Dortmund am 04.04.06 wurden zwei Polizisten aus der Abteilung „Staatsschutz“ den Ermittlungen hinzugezogen. Sie wurden instruiert: Sie sollten eine Zeugin gezielt fragen, ob zwei verdächtige Männer wie Nazis ausgeschaut hätten. Gingen Ermittler etwa schon früher von einem rechtsterroristischen Hintergrund der Ceska-Erschießungen aus? NSU: Wurde die Einzeltätertheorie schon im Dezember 2005 in Auftrag gegeben? weiterlesen

Oberstaatsanwältin Greger: Undenkbare NSU-Tatorte Heilbronn, Kassel unplanbar!

Im Gegensatz zu den Medien berichtete die Pressestelle des Bundestags von der letzten Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses. Dies ist immer Hinweis darauf, dass etwas für die Regierung nicht gut gelaufen ist. Oberstaatsanwältin Anette Greger war geladen. Sie ist seitens der Bundesanwaltschaft mit den NSU-Ermittlungen beauftragt. Sie sagte, dass die Mordanschläge in Heilbronn und Kassel „undenkbar“ gewesen wären, da die Täter jederzeit hätten gestört oder beobachtet werden können.  Oberstaatsanwältin Greger: Undenkbare NSU-Tatorte Heilbronn, Kassel unplanbar! weiterlesen

Richter Götzl glaubt Ex-Geheimdienstler Temme, entblößt NSU-Schauprozess

Am 06.04.2006 erschossen Unbekannte Halit Yozgat, den Betreiber eines kasseler Internetcafes. Dieser letzte Tatort der Ceska-Mordserie bot Ermittlern zum ersten Mal eine heiße Spur: Ausgerechnet war der Agent des Geheimdienstes „Verfassungsschutz“ Andreas Temme einer der Tatverdächtigen. Dessen Darstellung ist, dass er von der Erschießung nichts mitbekommen hätte, obwohl er am Tatort zur Tatzeit anwesend war. Er verließ zur Tatzeit den Tatort, nachdem er bezahlte und umsonst nach Halit Yozgat gesucht hätte, der erschossen hinter dem Schreibtisch lag.

Hier ist die polizeiliche Tatortbegehung mit ihm zu sehen:

Im Juli 2016 verlautbarte der vorsitzende Richter des münchner NSU-Prozesses, Manfred Götzl, dass der Staatschutz-Senat ihm glaube. Götzl begründete die Einschätzung u. a. mit der Aussage eines mehr als dubiosen Zeugen, der zeitweise gleichfalls als Tatverdächtiger galt.
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NSU: Wurde Geheimdienstler Andreas Temme wieder beim Lügen erwischt?

Die Spiegel-Journalisten Gisela Friedrichsen berichtet über neueste Erkenntnisse im 9. Mordfall der Ceska-Mordserie. Die Anwälte der Familie des Mordopfers Halit Yozgat haben offenbar in Akten neue Informationen gefunden, die den damaligen Geheimdienst-Agenten Andreas Temme weiter belasten. Es wird zunehmend eng für ihn und seinen Schutzpatron Volker Bouffier (CDU). NSU: Wurde Geheimdienstler Andreas Temme wieder beim Lügen erwischt? weiterlesen

NSU-Opfer wurden vor Ermordung bedroht!

Fallanalytiker der Ceska-Morde berichteten, „dass nahezu alle Geschädigten Tage bis Monate vor der Tat von unbekannten Personen bedroht bzw. zumindest angegangen wurden. Bei einzelnen Opfern wurde durch nahestehende Personen nach solchen Besuchen eine gewisse Wesensveränderung beobachtet.“ (Sonderkommission „Bosporus“) Knüpften die (angeblichen) Todesschützen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos Kontakt zu den Erschossenen? Die damaligen Ermittlungen und der NSU-Prozess ergaben keinerlei Hinweise. Die Bundesanwaltschaft bleibt trotzdem dabei, dass das Trio die Taten aus rassistischen Gründen und Hass gegen Polizisten verübte und eine „Kleinstzelle“ gewesen wäre. Die Opfer wären nur deshalb ausgewählt worden, weil sie Ausländer bzw. Polizisten gewesen wären. Sie schließt kategorisch aus, dass eine kriminelle Organisation bei der Auswahl beteiligt war. War also alles nur ein großer Zufall?  NSU-Opfer wurden vor Ermordung bedroht! weiterlesen

Hessen: Unglaubliche Wendung im Ceska-Mordfall Halit Yozgat?

Der Mord am Hessen Halit Yozgat wird bis heute der NSU-Terrorgruppe zugeschrieben; bis jetzt gab es scheinbar keinerlei Hinweise auf organisierte Kriminalität als Tathintergrund. Im Gegenteil: Ein dubioser Geheimdienstler namens Andreas Temme hatte sich massiv verdächtig gemacht.

Jetzt tauchten aber Unterlagen der damaligen Sonderkommission „Cafe“ der zuständige kriminalpolizeilichen Stellen auf, die dem Fall eine unglaubliche Wendung geben könnten, vorausgesetzt diese Unterlagen sind authentisch und es handelt sich bei den beobachteten Umständen nicht um Zufälle. Hessen: Unglaubliche Wendung im Ceska-Mordfall Halit Yozgat? weiterlesen