Schlagwort-Archive: bodenwertbasierte Grundsteuer

Prof. Dr. Rainer Mausfeld: Linke versteht nicht neoliberales Projekt

Am 1. Mai 2017 hielt Prof. Dr. Rainer Mausfeld bei der „ökologisch-demokratischen Partei“ (ÖDP) den Vortrag „Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert“. Darin kritisierte er Linke, die das neoliberale Projekt nicht verstehen würden. Prof. Dr. Rainer Mausfeld: Linke versteht nicht neoliberales Projekt weiterlesen

Superreiche zahlen kaum Steuern, erzwingen arbeitslose Einkommen

In einem vielsagenden Interview mit dem Portal „Telepolis“ verteidigte Dr. Dr. Rainer Zitelmann die Vermögenselite. Laut seines Blogs ist er von Beruf u. a. Immobilieninvestor. Für sein Buch „Psychologie der Superreichen: Das verborgene Wissen der Vermögenselite“ befragte er vermögende Menschen und machte sich offenbar viele ihrer Meinungen zu eigen. Er bringt zwei zentrale Argumente, warum die „Superreichen“ weiterhin das Recht haben sollten, von ihren Vermögen zu profitieren: Zum einen würden sie auch mehr Steuern bezahlen und zum anderen wären sie meist „selbstständige Unternehmer und Investoren“, hätten also rechtmäßig ihren Reichtum sich erarbeitet. Im Folgenden wird kritisch auf diese Begründungen eingegangen. Superreiche zahlen kaum Steuern, erzwingen arbeitslose Einkommen weiterlesen

So könnte Donald Trump Amerika stark machen

Der kommende US-Präsident Donald Trump versprach im Wahlkampf, die US-Wirtschaft zu beleben, Arbeitsplätze zu schaffen sowie die korrupten Eliten zu bekämpfen. Seine Regierung würde die Steuern senken und in die Infrastruktur investieren.

Offen ist bisher, wie er dies gegenfinanzieren will. Die Vergangenheit zeigt, dass durch Steuersenkungen der Staat nicht mehr einnehmen kann und verschuldet zurückbleibt. Es steht zu befürchten, dass Trump sich massiv Geld bei der Zentralbank ausleiht und die Geldmenge weiter aufbläht. Da das Geld bei den einfachen Menschen ankäme, nicht wie bisher beim Geldadel, dürfte eine Inflation dann unausweichlich sein. Was wäre die Alternative? So könnte Donald Trump Amerika stark machen weiterlesen

Goldene Regeln, goldene Zeiten – so ist eine ausbeutungsfreie Wirtschaft möglich

Im Jahr 1800 ernährten 3 Bauern einen Städter; 200 Jahre später ernährt 1 Bauer 48 Städter. 1800 waren 360 Stunden Handarbeit nötig, um einen Hektar Getreide zu mähen und zu dreschen, heute 1-2 Stunden. Was ist der Unterschied?

Heute gibt es eine Infrastruktur, die es der Landwirtschaft ermöglicht, mehr zu produzieren. Die Allgemeinheit entwickelte sich weiter: Es gibt Straßen, Motoren und gutausgebildete Arbeitskräfte sowie eine Infrastruktur. Der hohe Bildungs- und Gesundheits-Standard ist Errungenschaft unserer Evolution.

Aber warum profitiert der einzelne Landwirt nicht von dem produzierten Ertrag? Weil ihm die Früchte seiner Arbeit weg-genommen werden. Pachtzahlungen steigen, im Gegensatz zu Preisen. Damit stehen immer mehr Landwirte vor dem Aus: Entweder sie produzieren immer größere Mengen oder sie gehen ein. Goldene Regeln, goldene Zeiten – so ist eine ausbeutungsfreie Wirtschaft möglich weiterlesen

Bodenwertbasierte Grundsteuer könnte Verschuldungs- und Flüchtlingskrise lösen

Professor Dr. Dirk Löhr gehörte zu den Vordenkern und Wegbereitern einer bodenwertbasierter Grundsteuer. Die heutige Grundsteuer basiert auf dem Wert des Gebäudes und auf Bodenwerten vor 40 Jahren. Stattdessen schlägt Löhr vor, die Höhe der Grundsteuer lediglich nach dem aktuellen Bodenwert auszurichten. Bodenwertbasierte Grundsteuer könnte Verschuldungs- und Flüchtlingskrise lösen weiterlesen

Was ist Freiland? Definition Silvio Gesell

Silvio Gesell (1862-1930) veröffentlichte sein Hauptwerk „die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ im Jahr 1916. Der Kaufmann Gesell lebte zeitweise in Deutschland, in der Schweiz und in Argentinien. Auf dieser Grundlage machte er Vorschläge, wie alle Grenzen der Welt aufgehoben werden könnten und jeder Mensch frei sein könnte zu leben, wo er will. Seine Vorschläge sind gerade in der momentanen Flüchtlingskrise aktueller denn je.

Unsere Gesellschaft wird re-feudalisiert durch Grund- und Bodenspekulation

Im Blog „arbeit.wirtschaft“ veröffentlichte Andreas Maschke am 9.Oktober 2014 eine interessante Grafik. Sie zeigt, wie extrem ungleich der Immobilienbesitz in Österreich verteilt ist. 50% der Bevölkerung haben keine eigenen Immobilien. Der durchschnittliche Wert des Immobilienbesitzes der obersten 5% hingegen liegt bei über 1 Mio. Euro. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, dann werden wir eine mittelalterliche Ständeordnung wiederhaben, mit Feudalherren, die auf ihren Feldern Leibeigene für sich arbeiten lassen. Wer dies nicht glaubt, soll einmal „Monopoly“ spielen.

grund-und-boden-besitzQuelle: arbeit-wirtschaft

Der Wert einer Immobilie hängt entscheidend vom Grund- und Bodenpreis ab, nicht vom Gebäude. Die Allgemeinheit und der Staat investierten in die Infrastruktur, die den Bodenwert erst schafft.

Der Professor für Steuerlehre an der Fachhochschule Trier, Dr. Löhr, errechnete, dass in den letzten Jahren die Vermögen dank steigender Grund- und Bodenpreise weiter eskalieren konnten. Großunternehmen investieren gezielt in Grund und Boden und sind wahre „Landbanken„. Die Bodenrente (ökonomische Renten) ist der Gewinn, den der Grundbesitzer aufgrund der steigenden Bodenwerte und entstehenden Möglichkeiten einstreicht. Prof. Löhr:

“Stattdessen stiegen die ökonomischen Renten, was sich sowohl in den Gewinnen der Großunternehmen [7] wie auch in den Bodenrenten bemerkbar machte: Sowohl das operative Ergebnis nichtfinanzieller börsennotierter Großunternehmen als auch die Mieten in Großstädten wie München, Hamburg, Frankfurt oder Berlin stiegen zwischen 2005 und 2013 um ca. 30 % an [8].

Die Werte von Unternehmen und Boden stiegen während der Niedrigzinsphase also, weil diese sich in wachsenden Erträgen niederschlug. Die niedrigeren Zinsen verhinderten zwar weitere offene oder verdeckte Steuererhöhungen (v.a. zu Lasten der Arbeitnehmer). Dies hat den dargestellten Trend in der Einkommensverteilung aber nur abgeschwächt und nicht etwa umgekehrt.” (Rent-Grabbing)

“Den steigenden Anteil der Bodenrente am Volkseinkommen stellt Abbildung 2 dar. (…)

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen


Beispielsweise hat ein Gasthaus direkt am Marktplatz deshalb großen Erfolg, weil viele Touristen die historische Stadt besuchen und am Marktplatz zusammenströmen. Der Monopolist profitiert mit seinem Gasthaus von der Existenz der jahrhunderte-alten Gebäude und der Geschichte (für die er aber nichts beigetragen hat). Je weiter ein anderes Gasthaus vom Marktplatz wegliegt, desto weniger profitiert dieser Unternehmer davon. Eine Erhöhung der Fiskalsteuern würde diesen benachteiligten Unternehmer wesentlich empfindlicher treffen als den Unternehmer mit dem Gasthaus am Marktplatz. Im schlimmsten Fall müsste der benachteiligte Unternehmer wegen der Steuererhöhungen dichtmachen.

Je höher die Fiskalsteuern steigen, desto mehr ökonomische Renten werden dadurch zerstört. Mit Steuern erschlägt der Staat das Pferd auf dem er reitet. Dagegen schöpft eine bodenwertbasierte Grundsteuer zielgerichtet die ökonomische Rente des Grundbesitzers ab und belastet nicht die Unternehmen. Es wäre eine „neutrale“ Steuer.

Da dem Grund- und Bodenbesitzer keine Kosten für die Bodenrente entstehen, kann er ohne Pleite zu gehen auf sie verzichten. Die Bodenrente ist sozialer Überschuss. Sie ist der Rest des Gewinnes, der übrigbleibt, wenn die unternehmischen Kosten für Kapital und Arbeit vom Gewinn abgezogen werden.

Wenn der Grund- und Bodenbesitzer jedoch die bodenwertbasierte Grundsteuer auf die Miete, Pacht oder seinen Preisen aufschlagen würde, dann würde er Mieter und Pächter verlieren oder die Nachfrage nach seinen Angeboten würde zur Konkurrenz ausweichen, zur Not in der Randzone, weit ab vom Schuss. Der erzielbare Preis am Markt wird von dem Grund- und Bodenbesitzer bestimmt, der “gerade noch kostendeckend” wirtschaftet (Grenzkosten).

Auf das Beispiel mit dem Gasthaus am Marktplatz bezogen, heißt das, dass der Grundbesitzer keine Pächter finden würde, wenn er die Pacht um die bodenwertbasierte Grundsteuer heraufsetzen würde. Es würde sich einfach für den Pächter nicht mehr lohnen, dort ein Gasthaus zu betreiben. Der Grund ist, dass die Touristen nicht bereit wären, für das Schnitzel mit Pommes den doppelten Preis zu bezahlen.

Professor Dirk Löhr begründet bodenwertbasierte Grundsteuer

Dr. Dirk Löhr ist Professor für Steuerlehre und ökologische Ökonomie an der Fachhochschule Trier. Er veröffentlichte eine ganze Reihe von interessanten Artikeln in seinem Blog „Rent-Grabbing„. Vor kurzem stellte er im Internetportal „Telepolis“ „Die beste von allen schlechten Steuern“ vor: Eine reformierte Grundsteuer, deren Höhe sich am Bodenwert orientiert. Überraschenderweise kritisierten die meisten Kommentatoren den Vorschlag scharf. Auf diese Kritik wird hiermit eingegangen, indem aus verschiedenen Blogbeiträgen Löhrs zitiert wird. Professor Dirk Löhr begründet bodenwertbasierte Grundsteuer weiterlesen