Archiv der Kategorie: Vermögen und Schulden

Widerlegung einer Geldschöpfung aus dem Nichts

Kreditinstitute würden Geld aus dem Nichts schaffen können, meinen Befürwortet des „Vollgeldes“. Während der Kreditvergabe würden Banken per Knopfdruck dem Kreditnehmer ein Sichtguthaben einräumen. Eine Refinanzierung des gewährten Guthabens wäre nicht notwendig, da Banken ihre Forderungen und Verbindlichkeiten gegenseitig abrechnen, bis auf den „Nettoabfluss“. Deshalb würde die Kreditvergabe lediglich von der Mindestreserve gebremst werden, sie beträgt 1% der Guthaben. So könnten die Banken aus 100 Euro Guthaben, 10.000 Euro Kredit schöpfen. 

Als Beispiel führe ich folgende Aussage des Wirtschaftsblogs „Querschüsse“ an. 

„Nur wenn das geschöpfte Buchgeld an eine andere Bank abfließt, dann braucht die Bank Zentralbankgeld, in Form von einem Guthaben auf dem Zentralbankgeldkonto der BuBa. Dieses Zentralbankgeld kann sich die Bank auf dem Interbankenmarkt besorgen (leihen) oder direkt bei der BuBa über ein reguläres Refinanzierungsgeschäft oder über Wertpapiere (Staatsanleihen, Unternehmensanleihen), welche die BuBa der Bank über das Asset Purchase Programm abkauft. Überschussliquidität in Zentralbankgeld, wie es gerade zu vielen hunderten Mrd. Euro durch die EZB über das Eurosystem (nationale NZBs) geschaffen wird, ist für die Buchgeldschöpfung der Banken gar nicht nötig. Sie müssen nur ihre tatsächlichen Nettoabflüsse von Sichteinlagen mit Zentralbankgeld bestreiten.“ (Querschüsse)

Dieser Darstellung wird hiermit entgegengetreten, indem der Kreditschöpfungsprozess Stufe um Stufe nachvollzogen wird.

  1. Geschäftsbank A leiht sich 100 Euro von der Zentralbank aus und hinterlegt als Sicherheit ein Wertpapier. Dieses Geld wird auf einem Konto der Zentralbank Bank A gutgeschrieben. Gleichfalls Bank B erhält einen Kredit von der Zentralbank. Das Geld könnte auch von einem Sparer stammen, der den Banken sein Geld ausgeliehen hat, in Form einer Einlage. 
  2. Die Geschäftsbank A vergibt einem Kreditnehmer einen Kredit über 99 Euro und schreibt den Betrag als Sichtguthaben gut.
  3. Beide Banken buchen jeweils 1 Euro als Mindestreserve auf ihre Konten bei der Zentralbank.
  4. Der Kreditnehmer gibt die 99 Euro aus und überweist das Geld an den Verkäufer, der ein Konto bei der Geschäftsbank B hat.
  5. Zur gleichen Zeit erfolgt der gleiche Vorgang, nur umgekehrt. So heben sich die Forderungen und Verbindlichkeiten von Bank A und Bank B gegenseitig auf.
  6. Weder Bank A, noch Bank B verlieren auf ihren Konten bei der Zentralbank Geld. Sowohl Bank A, wie Bank B haben 99 Euro Guthaben auf ihren Konten bei der Zentralbank, und jeweils 1 Euro auf ihren Mindestreservekonten.

Aufgrund dieser Verrechnung gehen Vollgeld-Befürwortet davon aus, dass eine Geldschöpfung aus dem Nichts real wäre. Die Geschäftsbanken bräuchten kein Zentralbank zur Kreditvergabe, weil sie ja untereinander abrechnen. Die einzige Begrenzung wäre die Mindestreserve, deshalb könnten aus 100 Euro Einlage „nur“ 10.000 Euro Kredit vergeben werden. Diese Annahme ist jedoch irrig. Warum?

Zwar haben die Banken A und B jeweils 99 Euro Guthaben auf ihren Konten bei der Zentralbank, jedoch gehören ihnen die Guthaben nicht, sondern ihren Geldgebern. Die Sichtguthaben rühren nun nicht mehr von den ursprünglichen Kreditvergaben her, sondern von Bankkunden, die eine Zahlung erhalten haben. Diese Bankkunden haben einen Anspruch an die Banken, keine Schulden. Die Geschäftsbanken müssen damit rechnen, dass die Guthaben abfließen und verrechnet werden müssen. Deshalb können sie nicht mit diesem 99 Euro ihre Schulden bei der Zentralbank bzw. bei dem Sparer begleichen.

Was passiert aber, wenn die 99 Euro kreditiert werden? Der Geldvermögende lässt das Geld auf dem Sichtguthaben liegen und die Bank verleiht es, im Zuge der Fristentransformation. Auch in diesem Fall kann das Geld nicht zur Refinanzierung des ursprünglichen Kredits genützt werden. Der obige Fall wiederholt sich einfach. Es entsteht stattdessen ein zweiter Anspruch. Zur Veranschaulichung wird das Beispiel fortgesetzt

  1. Bank A kreditiert 98,01 Euro an Kreditnehmer, zahlt 0,99 Cent in Mindestreserve.
  2. Kreditnehmer überweist 98,01 Euro an Person, die Konto bei Bank B besitzt.
  3. Vorgang wiederholt sich, nur umgekehrt. Bank A und Bank B rechnen Verbindlichkeiten und Forderungen ab.
  4. Bank A und Bank B haben jeweils 98,01 Euro auf dem Zentralbank-Guthaben und 1,99 auf dem Mindestreservenkonto.
  5. Bank A und B schulden den Geldgebern jeweils 98,01 Euro und fordern 98,01 von den Kreditnehmern.
  6. Insgesamt schulden nun die Banken ihren Geldgebern 199 Euro und fordern von Kreditnehmern 197,01 Euro.

Obwohl die Geschäftsbanken A und B ihre Forderungen und Verbindlichkeiten abrechnen, sind sie weiterhin existenziell darauf angewiesen, dass die Kreditnehmer die Kreditsummen ihnen zurückbezahlen. Ansonsten könnten die Banken ihren Geldgebern gleichfalls nicht das anvertraute Geld zurückzahlen. Es wird durch das Beispiel klar, dass Banken nicht Kredite „aus dem Nichts“ schaffen können, auch wenn sie untereinander abrechnen. 

So reagieren Vollgeld-Befürworter und Blogger auf Bundesbank-Stellungsnahme

Im April 2017 veröffentlichte die deutsche Bundesbank eine Stellungsnahme zur Kernforderung der sogenannten „Vollgeld-Initiative“, Sichtguthaben zu 100% mit Bargeld zu decken. Es gibt verschiedene Stellungsnahmen im Netz. Eine besondere Rolle spielt dabei die sogenannte Fristentransformation. Darunter versteht man folgendes: Banken verleihen Geldvermögen auf Sichteinlagen an Krediteure. Die Sichteinlagen sind kurzfristig abrufbar, die Kredite werden jedoch erst mittel- und langfristig zurückgezahlt. So reagieren Vollgeld-Befürworter und Blogger auf Bundesbank-Stellungsnahme weiterlesen

Deutsche Bundesbank distanziert sich von Vollgeld

Im April 2017 äußerte sich die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht kritisch zum sogenannten „Vollgeld“. In der Schweiz wird es voraussichtlich 2018 eine Volksabstimmung über die Kernforderung der Vollgeld-Initiative geben, Sichtguthaben zu 100% mit Zentralbankgeld zu hinterlegen, siehe „Vollgeld-Initiative„. Deutsche Bundesbank distanziert sich von Vollgeld weiterlesen

Dr. Gero Jenner vergleicht die Werke „Geldsyndrom“ und „Monetäre Modernisierung“

Dr. Gero Jenner veröffentlichte auf seinem Blog folgende Analyse: 

Prof. Dr. Joseph Hubers Vollgeldtheorie – gebaut auf Sand und schlechtem Denken

Er vergleicht dazu die Hauptwerke von Helmut Creutz und Prof. Dr. Joseph Huber und kommt zu einem klaren Ergebnis.

Empfehlenswert ist auch sein Vortrag und die anschließende Diskussion, die bei „youtube“ zu sehen ist.

Steigende Zinsen würden Staatsverschuldung untragbar machen

Die Internetseite „Querschüsse“ veröffentlichte einen Gastbeitrag der „Mack & Weise Vermögensverwaltung“. Darin beschreiben die Autoren den Hintergrund, warum die US-Zentralbank „FED“ bisher nicht die Leitzinsen erhöhte. Die Folgen steigender Zinsen wären für den US-Staat verheerend.  Steigende Zinsen würden Staatsverschuldung untragbar machen weiterlesen

Geldmuseum der deutschen Bundesbank klärt über Geldschöpfung auf

Es gibt viele Missverständnisse, wie Geschäftsbanken Geldschöpfung betreiben. Die Organisation „Monetative“ etwa meint, dass Banken nicht Einlagen ihrer Anleger kreditieren, sondern den Kreditbetrag einfach selbst „aus dem Nichts“ schaffen. Professor (em) Bernd Senf stellte eine Liste dementsprechender Zitate verschiedener Persönlichkeiten zusammen. Das Geldmuseum der deutschen Bundesbank klärt über diese heute durchaus populäre Idee auf. Die Zitate stammen aus aufgestellten Schautafeln und der ausgelegten Broschüre „Geld und Geldpolitik„. Geldmuseum der deutschen Bundesbank klärt über Geldschöpfung auf weiterlesen

Egal ob angebots- oder nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik – Schuldenlast eskaliert immer

Es gibt innerhalb linker Parteien die Hoffnung, den „Euro“ zu retten, mit einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik. Exemplarisch steht der Artikel „Portugal als Referenz gegen Austeritätswahn“- veröffentlicht bei „Telepolis„.

Seit der linken Regierungsübernahme wäre die Wirtschaft gewachsen. Die Arbeitslosigkeit verringerte sich. Portugal wäre jetzt auf dem richtigen Weg. Das linke Rezept wäre vermehrte Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, durch Sozialtransfers an die Armen:

„Die Linksregierung hilft darbenden Familien, was die nationale Nachfrage und Wirtschaft angekurbelt hat.“

Weil durch den Wirtschaftsaufschwung gleichzeitig die Steuereinnahmen und Einnahmen in die Sozialkassen stiegen, könnte Portugal 2016 sogar das Haushaltsdefizit unter die Grenze von 3% drücken „und das Stabilitätskriterium wieder einhalten“.

Diese Hoffnung ist jedoch unbegründet. Egal ob angebots- oder nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik – Schuldenlast eskaliert immer weiterlesen

Super-Reiche kommen seit Mittelalter bis heute aus denselben Familien

Die „welt“ berichtete heute, dass die „reichsten Familien (…) die gleichen [sind] wie vor 600 Jahren“. Dazu werden 3 Studien angeführt:

  • Eine wissenschaftliche Untersuchung von Guglielmo Barone und Sauro Mocetti stellte fest, dass die höchsten Steuerzahlungen in der Stadt Florenz sowohl im Mittelalter wie heute aus den gleichen Familien kommen. Umgekehrt kommen die geringsten Steuerzahlungen von den gleichen Familien, aus der sogenannten „Unterschicht“. Welt.de: „Demnach kommen die wohlhabendsten Bürger der Stadt aus denselben Sippen, die Florenz schon im Mittelalter ökonomisch beherrschten.“ 
  • In Großbritannien fanden Gregory Clark und Neil Cummins heraus, dass viele Studenten der privaten Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge zwischen 1170 und 2012 aus denselben Familien kommen. „Die Studenten kamen über mehr als acht Jahrhunderte hinweg vorwiegend aus den gleichen Familien.“
  • Der Ökonom Hervé Joly stellte fest, dass  die alte wirtschaftliche Elite hierzulande trotz „Entnazifizierung“ nach dem Krieg schnell wieder an die Macht zurückkehrte. Die Namen der deutschen Wirtschaftsführer veränderte nach 1945 kaum.

Folgende Grafik erklärt, dass heute wie im Mittelalter Reichtum meist nicht aus eigener Arbeit resultiert, sondern aus der Aneignung von Privilegien.

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Professor Dr. Dirk Löhr bezeichnet die heutige Marktwirtschaft daher als „Machtwirtschaft“, „in der wenige Leute, wenige Konzerne tatsächlich den Ton angeben und auch die Politik in diesem Lande bestimmen.“

An dem Urteil der Anarchistin Emma Goldman scheint was dran zu sein:

„Wenn Wahlen etwas verändern würden, dann wären sie verboten.“

Wann kommt es zum Schuldenkollaps im Euroland?

Die Kapitalmärkte meinen es im Moment gut mit uns in Deutschland. Anleger bewerten den Staat als sicheren Hafen. Auf seine Anleihen zahlt er kaum Zinsen. Auch private Schuldner werden wenig belastet, Kredite fließen mit geringen Kosten in die Wirtschaft. Dank der Mini-Zinsen kommen die meisten Bürgern gut über die Runden, die drohende Altersarmut ist noch weit weg. Sie glauben, die Finanzkrise wäre gelöst, der Schuldenkollaps wäre von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgewendet worden. Die Schuldenkrise ist jedoch nur aufgeschoben. Wie ist die Zukunftsprognose für die nächsten 1-2 Jahre? Entspannt, langfristig holt uns der Teufel.
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