Zinsen für „Attac“ kein Problem?

Die Arbeitsgruppe (AG) Grundeinkommen des globalisierungskritischen Netzwerks „Attac“ sah sich 2011 während eines Kongresses konfrontiert mitinhaltliche Nachfragen wegen der Kritik an Helmut Creutz‘ Texten“. Der freiwirtschaftliche Wirtschaftsanalytiker Creutz schickte dem Netzwerk die Analyse „Grundeinkommen und Kapitaleinkünften“ zu, die als „ungewöhnlich“ seitens der AG bezeichnet wurde. Als Reaktion verweist sie auf ein Papier des „Vereins für gesellschaftliche Transformationskunde“ aus dem Jahr 2005, namens „Bye bye Zinskritik“ und gibt bekannt: „Wir (…) diese Debatte ansonsten hier nicht weiterführen [werden]“.

Die Zinskritik, von der Helmut als Grundübel ausgeht, wird in Attac im Allgemeinen und auch speziell in unserer AG nicht geteilt. Sie ist auch kein Thema, mit dem wir uns aktuell auseinandersetzen.“ (grundeinkommen-attac)

Zinsen sind für Attac aber schon ein Thema. Bei der Suche nach Zinsen in ihrer Internetseite gibt es „352 Ergebnisse (0,22 Sekunden)“ Treffer! (attac)

Wegen der Ungleichverteilung der Vermögen wären Zinsen „Motor und Ursache der aktuellen Finanz- und Schuldenkrisen„.

„Um mehr ausgeben zu können, als durch Steuern und Abgaben hereinkommt, verschulden sich Staaten bei ihren Vermögenden. Sie geben Staatsanleihen heraus. Ganz massiv mussten sie dies für die  Bankenrettungen tun – und sicherten damit einen  Teil der großen Geldvermögen ab. Infolgedessen sind über Jahrzehnte Schuldendienste zu leisten, Zinsen fließen reichlich an die Wohlhabenden, die Geld zur Verfügung stellten. Für die am meisten verschuldeten Länder in der Eurozone wird das Misstrauen der Finanzmärkte zur Falle: Es sind jedes Jahr mehr Zinsen zu zahlen. Aber selbst die öffentlichen Haushalte der Bundesrepublik, deren Staatsanleihen lange nicht so billig waren wie aktuell, gaben 2011 62 Milliarden für Zinsen aus.

Während das Geld auf der einen Seite fehlt und die Schulden zu massiven Kürzungen in Sozial- und Kulturhaushalten führen, ist es auf der anderen Seite in so großer Menge vorhanden, dass „normaler Konsum“ keine Perspektive mehr ist. Gerade die großen Vermögen sind auf den Finanzmärkten unterwegs, um aus viel Geld noch mehr Geld zu machen – auch um den Preis von weiteren Krisen oder unter Inkaufnahme von massiven „Nebenwirkungen“ wie der Verschärfung des Hungers, Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen.“ (attac)

Unter den Treffern mischt sich auch ein Veranstaltungshinweis, in dem es heißt:

„Seit einiger Zeit herrscht wieder der Wahnsinn an den Finanzmärkten. Die Krise entstand durch zu niedrige Zinsen und zu viel billiges Geld. Heute wird sie mit noch niedrigeren Zinsen und mehr billigem Geld bekämpft. Dadurch wird momentan eine Blase unbekannter Größenordnung aufgebläht.“ (attac-netzwerk)

Woanders wurde eine Filmvorführung „Der Schein trügt“ (attac-netzwerk) beworben. Dort wird zwar die Legende einer „Geldschöpfung aus dem Nichts“ durch die Privatbanken verbreitet, jedoch das kapitalistische Geldsystem teilweise treffend kritisiert; es funktionierte …

„… zinsbedingt nur unter der Bedingung grenzenlosen Wachstums (…), [es} führt zu einer Wirtschaft, die ohne Wachstumsrate zusammenbricht. Da kann nicht gut gehen. Die Rechengeschichte vom Josephspfennig führt das anschaulich vor Augen: 1 Cent, der im Jahre 0 zu fünf Prozent Zins angelegt worden wäre, hätte heute den Wert von 40 Milliarden Erdkugeln aus purem Gold.“ (derscheintrügt)

Dagegen gibt es lediglich „4 Ergebnisse (0,11 Sekunden)“ auf Creutz, auf Freiwirtschaft „2 Ergebnisse (0,40 Sekunden)“, auf „ZinsesZins“ gibt es ganze „7 Ergebnisse (0,33 Sekunden)“ und auf Umlaufsicherung keinen einzigen (attac).

In den Lösungs-Vorschlägen von attac wird dementsprechend nicht mit der Macht des Kapitals gebrochen, Geld dem Wirtschafts-Kreislauf zu entziehen und den Zins zu erpressen, sondern an den Symptomen herumgedoktert. Statt ganz einfach Geld rosten zu lassen und damit die Flucht von Geldvermögen abzustellen, gibt Attac eine ganze Reihe unrealistischer Forderungen.

Es wird der „Verzicht auf Zinsen im herkömmlichen Sinne“ gefordert, sie wären nur gerechtfertigt, damit …

“ a) die Kosten der Bank gedeckt, b) Geldentwertung durch Inflation ausgeglichen und c) ausfallende Kredite finanziert werden;“ (attac)

Gegen die Kapitalflucht ins Ausland möchte Attac vorgehen, indem …

„Alle Deutschen (…) mit ihrem gesamten Weltvermögen steuerpflichtig [wären], so wie es jetzt die Deutschen mit Wohnsitz in Deutschland sind, es sei denn, dieses Vermögen unterliegt bereits  in einem anderen Land einer Vermögensteuer.“

Vermögen wären „aus technischen Gründen nur sehr eingeschränkt ins Ausland“ verlagerbar!

„Bei Immobilien- und Betriebsvermögen ist das praktisch unmöglich. Anders beim Geldvermögen: Über die Summen, die Deutsche z. B. in die Schweiz oder auf die Cayman-Inseln transferiert haben, lässt sich bisher nur mutmaßen. Allein auf Schweizer Konten sollen bis zu 300 Mrd. Euro deutsches Schwarzgeld liegen. Laut Netzwerk Steuergerechtigkeit seien weltweit gar zwischen 21 und 32 Billionen Dollar in Steueroasen versteckt und damit der Abgabe und einer Besteuerung entzogen.“ (attac)

Dazu mehr: Arte: “Zeitbombe Steuerhinterziehung” – Horst Seehofer kapituliert (Friedensblick)

„Notwendig seien strenge Regulierungen auf den Finanzmärkten, eine Finanztransaktionssteuer, Verbote des gerade neu erblühenden Handels mit vergifteten Risikopapieren, wirksame Vereinbarungen zur Bekämpfung von Steuerflucht sowie Banken, die nicht zu groß sind, um insolvent gehen zu können, ohne das Finanzsystem mit sich zu reißen. Im Fall einer Bankeninsolvenz müssten die Gläubiger selbstverständlich an den Kosten beteiligt werden.“

Ein Gedanke zu „Zinsen für „Attac“ kein Problem?“

  1. „Der Gebrauch der Vernunft ist für die Menschheit noch zu neu und zu unvollkommen, um die Gesetze des Unbewussten enthüllen zu können und besonders, um es zu ersetzen. Der Anteil des Unbewussten an unseren Handlungen ist ungeheuer und der Anteil der Vernunft sehr klein.“

    Gustave Le Bon (Psychologie der Massen)

    Die Arbeitsteilung erhob den Menschen über den Tierzustand, und die Qualität der makroökonomischen Grundordnung bestimmt den Grad der Zivilisiertheit, die der Kulturmensch erreichen kann. Ist die Makroökonomie noch fehlerhaft, bedarf es einer künstlichen Programmierung des kollektiv Unbewussten, um den Kulturmenschen im wahrsten Sinn des Wortes „wahnsinnig genug“ für das Unternehmen „Arbeitsteilung mit Konstruktionsfehlern“ zu machen.

    „Die Wirtschaftsordnung, die Gesellschaftsordnung, der Staat sind, das sieht man jetzt endlich ein, auf dem Geldwesen, auf der Währung aufgebaut. Mit der Währung steht und fällt der Staat, und zwar nicht nur der Staat, wie ihn die herrschende Schicht zu Herrschaftszwecken errichtet hat, sondern der Staat schlechthin, der Staat der Bureaukraten, der Sozialisten, sogar der „Staat“ der Anarchisten. Denn mit dem Sturz der Währung hört jedes höhere Gesellschaftsleben einfach auf, und wir fallen in die Barbarei zurück, wo es keinen Streit um Staatsformen gibt.“

    Silvio Gesell (Vorwort zur 7. Auflage der NWO)

    Was heute als „moderne Zivilisation“ bezeichnet wird, konnte nicht aus der Vernunft, sondern musste aus der Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe, der gemeinsame Ursprung von Judentum, „Christentum“ und Islam) entstehen, weil vor 3000 Jahren das Wissen noch nicht zur Verfügung stand, um das Geld an den Menschen anzupassen. Also wurde der Kulturmensch an ein darum bis heute fehlerhaftes Geld angepasst. Das – und nichts anderes – ist der eigentliche Zweck der Religion, die vom Wahnsinn mit Methode (etwa bis zum 6. vorchristlichen Jahrhundert) zum Wahnsinn ohne Methode (spätestens mit der Gründung der „heiligen katholischen Kirche“ im 4. Jahrhundert) mutierte, und die uns alle zu Untertanen machte, die ihr eigenes Programm nicht kennen:

    Glaube Aberglaube Unglaube

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