NSU: Thomas Moser schildert „Repression“ im „Kontext“

Wissenschaftler (Friedensblick) wie Journalisten haben es schwer, terroristische Anschläge aufzuklären. Wenn sie nicht einfach die offizielle Darstellung nachplappern wollen, kommen sie schnell in Konflikt mit mächtigen Kreisen. So kommt es auch in Sachen NSU zu immer weniger Recherchen und immer mehr zu linien-treuer Berichterstattung. Dies zeigt auch der Fall Thomas Moser und der Wochenzeitschrift „Kontext“, in der er bisher publizierte. Er gehöre …

„… seit Beginn (…) zu den wenigen Journalisten, die darüber so regelmäßig wie akribisch berichten. Und dafür hat er in Kontext den Platz, den er braucht (…).“ (Kontext)

Quelle: 3sat

Jedoch machte sich Moser Feinde bis in höchste Berliner Kreise, die ihm offen ankündigten, seine Aktivitäten würde man „nicht auf sich beruhen lassen“. Angesichts der Drohungen sprach „Kontext“ anfangs noch „von einem „Eingriff in die Pressefreiheit“(Kontext). Jedoch erscheinen sich die Drohungen jetzt zu erfüllen.

Thomas Moser berichtet von zunehmender „Repression“ bei „Kontext“.

„Zwei Mal hintereinander wurde ein NSU-Bericht nicht veröffentlicht. Zuletzt ein größerer Text zum Prozess in München und dem neunten Mord in Kassel.“

Im Juni wäre noch vergeblich versucht worden, „eine Recherche über den Anschlag in der Keupstraße in Köln zu verhindern.“ Haben sich die Machtverhältnisse in der Redaktionsleitung geändert? Laut Moser hätte es dort tatsächlich personelle Veränderungen gegeben. Es gäbe einen schwelenden Konflikt wegen unterschiedlichen Verständnissen von Journalismus und einen Richtungskampf.

Seine Schilderung erinnert stark an die Absetzung des bereits angekündigten wdr-Beitrags  “Zehn Morde und ihr parlamentarisches Nachspiel“. Die Sendung wurde …

„… vom Redaktionsleiter, gegen den ausdrücklichen Willen des verantwortlichen Redakteurs, aus dem Programm genommen. Hintergrund der Reportage: In dem Beitrag ging es inhaltlich um die Aktenzurückhaltung durch den MAD, um die Vernehmung des hessischen Verfassungsschützers Temme, der beim Mord in Kassel vor Ort war,(…)“ (machtelite)

Interessanterweise handelte auch einer von Mosers abgelehnten Artikeln über den Mord in Kassel und dem dubiosen „Verfassungsschützer“ Andreas Temme.

Ein weiterer herber Schlag für die Aufklärung war die Einstellung des sogenannten „NSU-Blogs“ von Caspar Bildner, im März 2013. Als Grund nennt er resigniert die Einflußinstrumente „des tiefen Staates“ sowie den mangelnden „Willen“ zur Aufklärung und die fehlende „Phantasie“ der „kritischen Öffentlichkeit“.

Diese Einflussnahme und Vorgänge sind auch bekannt bei der (fehlenden) kritischen Berichterstattung über den Terror des 11. September 2001. Der ehemalige Bundesminister Andreas von Bülow berichtet, dass Interview-Anfragen von Journalisten „offenbar nach Intervention von Redaktionsleitungen zurückgezogen“ worden wären. (fränkischer-anzeiger)

Quelle: youtube

2 Gedanken zu „NSU: Thomas Moser schildert „Repression“ im „Kontext““

  1. The Empire strikes back. Der Apparat ist überall, hat an allen Stellen seine Leute, ob nun bezahlt oder infolge erfolgreicher Konditionierung auch ohne spezifische An-und Abstellung bereits vorab im gewünschten Sinne funktionierend. Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, dessen erfolgreiche Verbreitung an und für sich schon dazu beitragen könnte, in immer mehr Medien-Köpfen schon ohne Zwangs-Op, sondern qua Evolutionssprung, die auf staatskompatible Schnitte voreingestellte Schere im Kopf naturhaft wachsen zu lassen.
    Freilich wurde der vom Redaktionsleiter WDR 5 / „Neugier genügt“ ursprünglich wegen angeblich zu alter O-Töne gecancelte Beitrag mittlerweile, am 25. 06. 2013, unter dem Titel „Fall abgeschlossen – oder 1000 Fragen offen?“ auf WDR 5 nach entsprechender Neubearbeitung denn doch gebracht. Es wäre angesichts des bereits eingetretenen öffentlichen Echos wohl auch zu peinlich gewesen, ihn gänzlich unter den Tisch fallen zu lassen.
    Da fällt dem Autor dieser Anmerkung doch gerade noch ein, daß er vom genannten Redaktionsleiter vor einem Jahrzehnt mal zuhause angerufen wurde; es herrschte offenbar angesichts eines vom Autor produzierten „Zeitzeichens“ auf WDR 5 über die plötzlichen Todesfälle auf dem Bahnhof von Bad Kleinen leichte Alarmstimmung; der hiermit redaktionell nicht befaßte Kollege versuchte jedenfalls mit fürsorglicher Milde, den Autor, wenn nicht zum Verzicht auf den Beitrag, so doch zum Verzicht auf die in den Diskursen zum Fall Bad Kleinen kommunizierte „Mordhypothese“ zu bewegen, unter Verweis darauf, daß er aufgrund persönlicher Bekanntschaft Mitgliedern der GSG 9 keinen Rechtsverstoß dieser Art zutraue. Die Vorab-Befürchtungen waren freilich schier umsonst, da der, wenn auch im Hinblick auf Zureden notorisch bockbeinige, Autor in seiner faktenorientierten Manier ohnehin lediglich den Hergang und die unterschiedlichen Gutachterversionen referierte, sich aber keine Hypothese zu eigen machte.
    Fiel mir, in diesem „Kontext“, halt nur gerade zufälligerweise ein, als eines (ein eigentlich recht harmloses) von etlichen selbsterlebten Beispielen, wie Einflußnahme auf Medienarbeit auch dann funktionieren kann, wenn 1.) an und für sich garkein Grund dafür besteht und 2.) – höchstwahrscheinlich – kein Auftrag zu entsprechender Einflußnahme vorliegt.-
    Gruß an den Kollegen Thomas Moser. – Hans-Detlev v. Kirchbach

    1. Wie auch immer das merkwürdige Verhalten der Redaktionen aller couleur zustande kommt – Fakt ist, dass nicht mehr wirklich investigativ berichtet wird. Das mag damit zusammen hängen, dass sowohl die meisten Medien als auch seit Jahrzehnten die Behörden selber bewusst provinziell ausbilden und handeln und die Schmalspurdenke zum Prinzip des Herrschens geworden ist. Man kann halt keine Karriere machen, wenn man über den Teller schaut, die vermeintlich „guten Bekannten“ des Redakteurs x oder y angreifen muss, den Kollegen a oder b kritisch beäugt. Das wird man nämlich büßen mit Missachtung, Kaltstellen, Ausgrenzung. Ich kenne das. – Mir fällt auch auf, dass zahlreiche Polizisten, Geheimdienstler, Justizangehörige ihre Ehepartner in Kirchenleitungen, Redaktionen, bedeutenden Konzernen auch der Medienbranche und genau dort sitzen haben, wo man Vorteile oder Anerkennung bekommt. Da diese Verflechtungen aber auch keiner aufdröselt, ohne selber von Informationen abgeschnitten zu werden, schweigt selbst der kritische Geist vorsichtshalber. Auch ich, denn ich möchte bald in Pension gehen und bis dahin keinen gesundheitsschädigenden Stress ertragen. So wird man angepasst, still. Aber einen Aufschrei erlaube ich mir doch in dieser Mörderbanden-Sache, an der diverse Dienste ihre Beteiligung hatten: Werft dies nicht den falschen Leuten vor. Täter und Möglichmacher und Vertuscher hatten zu allen Zeiten verantwortliche Stellen. Redaktionsleiter sind auch solche. Und wenn sie feige sind, ist das in diesem Fall kriminell.

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