Kairo: Menschen werden in Moschee belagert!

Nach dem gestrigen Massaker (Friedensblick) flüchteten sich hunderte unbewaffnete Menschen in die Moschee „Fateh“. Dort wurden sie von einem wütenden Mob und der Polizei belagert. Die Demonstranten trauten sich nicht heraus und verbarrikatierten sich.

Der Augenzeuge Karim El-Gawhary Arabesken (Freier Nahost-Korrespondent in Kairo) veröffentlichte folgenden Kommentar:

„Immer noch eine total verfahrene Lage vor der Fath-Moschee am Ramsis-Platz. Hunderte Demonstranten und mehrere Dutzend Leichen sind in der Moschee, die die ganze Nacht von einer Mischung aus bewaffneten zivilen Schlägertruppen, Militär und Polizei belagert wurde. Auch nach Ende der Ausgangssperre weigern sich die Menschen drinnen herauszukommen, solange die Belagerung weitergeht.
Vor laufenden Kameras sehen wir, wie Polizei, Militär- und bewaffnete zivile Schlägertruppen zusammenstehen. Was haben die zivilen Schlägertrupps dort die ganze Nacht während der offiziellen Ausgangssperre direkt vor den Augen der Armee gemacht?
Dafür gibt es nur zwei Erklärungen: sie arbeiten zusammen oder das ist ein Beipiel von „failed state“. Die Geschichte der Mubarak-Zeit und die Art und Weise, wie damals die Polzei mit zivilen Schlägertrupps kooperiert hat, die die Drecksarbeit gemacht haben, spricht für ersteres.“

Laut Augenzeugen wurde gegen 14:00 geschossen! Auch die Belagerten bestätigen in panischen Handyrufen, dass in die Moschee geschossen würde (al jazeera). Laut Recherche (al-jazeera) vor Ort war die Situation:

15 Minuten vor den Schüssen zeigte das ägyptische Staatsfernsehen eine kleine Rauch-Wolke. Es erschien, als ob sie aus dem Minarett-Turm der Moschee „Fateh“ austrat. Deshalb begannen die „Sicherheits“kräfte, auf den Turm zu schießen, man vermutete dort einen Scharfschützen. Von der Moschee hätte man nicht den Turm besteigen können, er lag außerhalb des Gotteshauses.

Die Menschen, die aus der Moschee kammen, wurden teilweise brutal zusammengeschlagen und vom Mob weggetragen.

Die Angst der Menschen vor der Polizei erscheint verständlich, wenn das am Tag zuvor verübte Massaker berücksichtigt wird (Friedensblick) und die ungeklärten Todesumstände von 36 in der Moschee gefangenen-genommenen Menschen:

„Von einem Ausbruchsversuch war die Rede und davon, dass die Gefangenen erschossen wurden. Das Innenministerium veröffentlichte zunächst widersprüchliche Berichte und gab schließlich am Montag bekannt, dass die Gefangenen erstickt seien. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt, um ihre Flucht zu verhindern.

Die „Anti-Coup-Allianz“ unter Führung der Muslimbruderschaft meldete Zweifel an dieser Beschreibung des Tathergangs an: Augenzeugen, die in einem Leichenschauhaus einen Blick auf einige der Leichen der Gefangenen geworfen hätten, sollen deutliche Spuren von Gewaltanwendung beschrieben haben. (Berliner-Zeitung)

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