Sollte Informant „Piato“ Terrorgruppen aufbauen?

Carsten Szczepanski, Brandenburgische Verfassungsschutz-Informant, Deckname „Piato“, war ein führender Neonazi und wird jetzt immer mehr zur Schlüsselperson im NSU-Skandal. An sein Verfassungsschutz-Handy ging folgende SMS eines Fluchthelfers der Bombenbauer Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe: „Wo ist die Bums?“. Szczepanski unterstütze und gründete weiter eine Ku Klux Klan – Gruppe. Jetzt wurde bekannt, dass „Piato“ eine bewaffnete Wehrsportgruppe aufgebaut hätte, die er sogar zu Terroranschläge ermuntert hätte:

In „Piatos“ Wehrsportgruppe baute man „zündfähige Rohrbomben“, „organisierte ein Präzisionsgewehr mit Zielfernrohr, Schalldämpfer und 300 Schuss Munition.“ Laut Aussagen des damaligen Mitglieds „Nick Gregor“ oder „Greger“ hätte „Piato“ versucht, die Mitglieder zu Terroranschlägen zu bewegen. Anlass wäre gewesen, dass „Piatos“ Auto in Flammen aufgegangen war, Brandstiftung. Jetzt wäre für „Piato“ der Zeitpunkt gewesen, gegen den „verhassten Feind“ gewaltsam zurück-zuschlagen. Nachdem sich die anderen Gruppenmitglieder jedoch seinem Vorhaben verweigerten, wäre die Gruppe „von einer Welle von Hausdurchsuchungen und Verhaftungen überrollt“ worden.  Die Aussagen des damaligen Mitglieds  belasten „Piato“ und den Verfassungsschutz schwer. (nsu-watch)

Doch im Jahr 2000 wurde er enttarnt. Offenbar in Unwissenheit dieser Umtriebe verurteilte der damalige Vorsitzende der Parlamentarischen Kontrollkommission des Brandenburger Landtages (PKK), Christoph Schulze (SPD) das Ende der „hochwichtigen Quelle“. Schulze forderte „schärfste Konsequenzen gegen jenen Polizisten, auf dessen Konto die Enttarnung des V-Mannes „Piato“ gehen soll.“ (tagesspiegel) Der damalige PDS-Abgeordnete in der PKK, Michael Schumann, verlautbarte, „dem Verfassungsschutz seien „keine Versäumnisse“ anzulasten. Schumann fragte in der PKK jedoch ausdrücklich nach, ob …

„… Piato“ auch während seiner Zeit als Informant des brandenburgischen Verfassungsschutzes Straftaten begangen habe und diese gedeckt worden seien. Dieser Verdacht konnte dem Vernehmen nach von Verfassungsschutz-Chef Wegesin verneint werden.“

Das deckt sich mit den Erfahrungen aus anderen Bundesländer, siehe „Gibt es eine demokratische Kontrolle der Geheimdienste?“

Eine „Panne“ der Sicherheitsbehörden

„Die Brandenburger Sicherheitsbehörden haben offenbar versäumt, den Computer des Rechtsextremisten, der jahrelang als V-Mann für den Brandenburger Verfassungsschutz tätig war, rechtzeitig sicherzustellen. So dass der Rechner, der mit Daten über die rechte Szene und ihre Gegner gespickt sein dürfte, nun in den Besitz der NPD gelangt ist, wie ein Sprecher des NPD-Landesverbandes Berlin-Brandenburg der WELT am Dienstag bestätigte. Welche Informationen sich auf der Festplatte befinden und wie der Computer in die Hände der Partei geraten konnte, wollte der Sprecher der rechtsextremen Partei nicht sagen.“ (welt)

Dahinter könnte jedoch Prinzip stecken! Siehe Artikel „Prozess- und Vernehmungsakten waren in der NSU-Wohnung“.

Mehr Hintergrund-Informationen über „Piato“:

„Terrorist von Amts wegen“

Der Neonazi, Beinahe-Lynchmörder und Verfassungsschutzspitzel »Piato« soll zum engsten Unterstützerumfeld des NSU-Trios gehört haben. Weiterlesen bei junge Welt.

2 Gedanken zu „Sollte Informant „Piato“ Terrorgruppen aufbauen?“

  1. Jetzt gibt es eine Bestätigung dafür, dass der Verfassungsschutz etwas mit dem Ku-Klux-Klan zu tun hat und vor allem, dass dieser Achim Schmid ein V-Mann war.
    In der Süddeutschen wird zwar immer noch dessen Aliasname „Ryan Davis“ genannt, aber es handelt sich eindeutig um Achim Schmid, der auch als „The Mississippian“ unterwegs ist.

    Zitat:

    Ku-Klux-Klan und Verfassungsschutz Doppeltes Spiel im Kapuzen-Kostüm

    Er nennt sich Ryan Davis und kassiert als V-Mann in der Neonazi-Szene Geld. Dann läuft er aus dem Ruder und gründet in Deutschland einen Ableger des rassistischen Ku-Klux-Klans. Nur durch Zufall erfährt der Verfassungsschutz, dass sein Mann Chef eines Geheimbundes ist – und bezahlt Davis nach seinem Ausstieg erneut.
    Der Mann, der sich Ryan Davis nannte, trieb ein seltsames Spiel. Er bewegte sich in Neonazi-Kreisen, und Anfang des Jahrtausends baute er von Schwäbisch-Hall aus einen deutschen Ableger des Ku-Klux-Klans auf.

    Jahrelang lieferte er aber auch dem baden-württembergischen Verfassungsschutz Informationen und bekam für den Verrat Geld. Denn er war ein V-Mann. Bisher war dies nur ein Gerücht, jetzt hat die Süddeutsche Zeitung dafür die Bestätigung in vertraulichen Geheimdienst-Akten gefunden.

    Ryan Davis ist den Unterlagen zufolge bereits 1994 von der Behörde angesprochen worden. Er hatte mal einen Parteitag der NPD besucht und sich als Musiker in einer Skinhead-Band versucht. Diese Szene sollte er für den Verfassungsschutz ausforschen. Zunächst erhielt er den Status eines Informanten, schon bald wurde er förmlich als V-Mann verpflichtet.

    In einem Internet-Chat hatte er Kontakt zu einem anderen Neonazi, der nun ausgerechnet ebenfalls V-Mann war, Deckname „Corelli“. Corelli stand in den Diensten des Bundesamts für Verfassungsschutz, und möglicherweise staunten die Beamten in Stuttgart nicht schlecht, als sie über diesen Umweg erfuhren, was ihr eigener Mann, den sie offenbar nicht im Griff hatten, gerade so trieb.

    Von seinem V-Mann-Führer soll Ryan Davis mit der Klan-Geschichte konfrontiert worden sein. Davis habe die Aktivitäten abgestritten. Im November 2000 beendete daraufhin der Verfassungsschutz seine Zusammenarbeit mit ihm. Ryan Davis trieb weiter sein Unwesen als Anführer im Ku-Klux-Klan; unter den Augen seines V-Mann-Kollegen Corelli, der den Behörden darüber weiter fleißig berichtete – auch, dass mehrere Polizisten die Nähe zu dem Geheimbund suchten und an dessen Zeremonien teilnahmen.

    Schließlich witterte Ryan Davis einen Verräter in seinen Reihen; und weil auch noch private Probleme dazukamen, schied er 2003 aus der Klan-Gruppe aus und überließ anderen das Feld.

    Mit dem Verfassungsschutz kam er jetzt doch noch einmal ins Geschäft: In zwei Abschöpfungsgesprächen, für die er wieder die Hand aufhielt, erzählte er den Beamten, was er wusste – über jene Klan-Gruppe, die er einst selbst gegründet hatte. Wie hoch der Betrag war, den er dafür erhielt, erfuhr die SZ zunächst nicht.
    http://www.sueddeutsche.de/politik/ku-klux-klan-und-verfassungsschutz-doppeltes-spiel-im-kapuzen-kostuem-1.1592532

    Diese Darstellung im Artikel könnte aber auch Desinfo sein, damit nicht zugegeben werden muss, dass der Verfassungschutz der eigentliche Auftraggeber des KuKluxKlan ist und zweitens die Verbindung des Verfassungsschutzes zur NSU über Achim Schmid und Corelli unterdrückt wird.

    Das sieht für mich nach einem Limited Hangout aus.
    Die Süddeutsche Zeitung hat Beweise für die V-Mann-Tätigkeit von Achim Schmid gefunden und dem damit konfrontierten Verfassungsschutz blieb gar nichts anderes mehr übrig, als gewisse Details zuzugeben.
    Zugegeben wurden aber eben nur die bereits bewiesenen Details und nicht der Rest der Geschichte.

    Diese Bezahlung des Achim Schmid durch den Verfassungsschutz ist ein sehr guter Ansatzpunkt, um den Mordfall Kiesewetter aufzuklären.

    Dieser KuKluxKlan-Ableger hatte exakt 19 Mitglieder.
    Wie jetzt zugegeben werden musste, waren der Gründer und der Mitgründer beides V-Männer des Verfassungsschutzes.
    6 von den 19 Mitgliedern waren Polizisten und einer von diesen war der Gruppenführer von Kiesewetter, der sie am Tag vor ihrem Tod anrief und aus ihrem Urlaub zurückholte und für Heilbronn einteilte, wo sie dann ermordet wurde.

    V-Mann „Corelli“ alias Thomas Richter hatte Verbindungen zu der NSU, denn er wurde von Uwe Mundlos kontaktiert, als sie einen Unterschlupf suchten und die Schließfachnummer und Telefonnummer von Thomas Richter fand man als handschriftliche Notiz bei Uwe Mundlos.

    1. „V-Mann “Corelli” alias Thomas Richter hatte Verbindungen zu der NSU, denn er wurde von Uwe Mundlos kontaktiert, als sie einen Unterschlupf suchten (…)“.

      Davon hörte ich noch nie etwas. Könntest Du eine Quelle bieten?

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