Details aus NSU-Ermittlungsakte belasten Geheimdienste

Wie andere Zeitungen nahmen auch die „Stuttgarter Nachrichten“ (StN) Einblick in die Akten der Bundesanwaltschaft. Doch lediglich die StN berichtete über kritische Details, die bislang andere sogenannte „Qualitätsmedien“ ihren Lesern vorenthalten. Die StN beschreibt die aufgefundenen Gegenstände im Wohnmobil anhand Tatort-Fotos und hinterfragt die offizielle Darstellung des Geschehens im Wohnmobil. Die Fakten deuten nicht darauf hin, dass Böhnhardt und Mundlos Selbstmorde verübten sondern geben Anlass zur Sorge, dass am Tatort manipuliert wurde.

Stregda, 04.11.2011: Ein brennendes Wohnmobil mit zwei Erschossenen

Gefundene Beweismittel

Die meisten der im Wohnmobil gefundenen Gegenstände lassen nicht auf eine rechts-terroristische Gesinnung der Herren schließen:

„Der volle Kühlschrank, die aufgeräumten Ablagefächer, die wenig abgetragenen Kleidungsstücke, Markenware zumeist, von Tom Tailor, Camp David und Denim. In einem Wäschekorb liegen Computerspiele, wie sie viele junge Leute spielen, „Command & Conquer“, Civilization IV“. Daneben selbstgebrannte DVDs mit Spielfilmen und TV-Serien: Actionstreifen wie „Bunraku“ und „Ironclad“, Thriller wie „The Tourist“ und „Source Code“, in denen es um wechselnde Identitäten und ein Leben auf der Flucht geht, eine Staffel der US-Comedyserie „Big Bang Theory“. Zum Spielen einen Schachcomputer und mehrere Sammelkartensätze eines Fantasyspiels. (…)

Im Fahrerhaus fand die Spurensicherung Kinderspielzeug: ein Plüschbär, eine Plastikpuppe, eine Wasserspritzpistole. Als Böhnhardt am 25. Oktober 2011 das Wohnmobil im vogtländischen Schreiersgrün abholte, waren auch eine Frau und ein Kind dabei. Beate Zschäpe soll die Frau gewesen sein, wer das Kind war, das zu ihr Mama gesagt haben soll, weiß man bis heute nicht.

Im Ablagefach des Fahrerhauses lagen auch zwei selbst gebrannte Musik-CDs. Kein Nazi-Rock ist darauf, sondern eine Platte der finnischen Band Nightwish, die schwülstigen Metal-Rock spielt, und eine Zusammenstellung von Pop- und Rocksongs der 80er und 90er Jahre.“ (StN)

Jedoch wurde ein unbeschädigter Rucksack auf einer verrußten Matraze gefunden. Matratze und Textilien wären zusätzlich vom geschmolzenen Plexiglas des Wohnmobils verschmutzt gewesen. Die StN wundert sich daher über den „fleckenlosen“ Rucksack, der sich dann auch als wahres „Eldorado“ (Goldland) für die Ermittler entpuppte.

„Die Übersichtsaufnahmen vom Inneren des Wohnmobils zeigen viel Brandschutt, der von der durchgeschmorten Wand- und Deckenverkleidung und den Plexiglasfenstern auf Möbel und Fahrzeugboden gefallen ist. Die Einbauschränke, Betten und Sitze sind zwar völlig verrußt, ihr Inhalt aber nicht verbrannt. Selbst in den Ablagefächern über der Sitzecke sind die in Wäschekörben aus Plastik verstauten Gegenstände weitgehend unbeschädigt geblieben. (…)

Auf dem hinteren oberen Schlafplatz lagen mehrere Bekleidungsstücke und darauf ein nagelneuer Tourenrucksack. Was auffällt: Während Matratze und Textilien deutliche Schmutzspuren aufweisen, verursacht offenbar von dem durch die Hitzeeinwirkung geschmolzenen Plexiglasfenster über dem Bett, ist der darauf liegende Rucksack fleckenlos.“ (ebd)

Dort wurde Geld aus einem vorherigen Banküberfall in Arnstadt gefunden. Entgegen früherer Berichte über weit höhere Beträge im Wohnmobil wären es nur 23.000 Euro gewesen. Von anderen Geldfunden im Wohnmobil schreibt die StN nichts. Wo befand sich eigentlich das geraubte Geld vom Eisenacher Banküberfall?

Und noch etwas ist seltsam: Am 5. November 2011, als die Beweisstücke von der Tatortgruppe aus dem Wohnmobil geborgen und dokumentiert wurden, ist von den Beamten auch der Rucksack durchsucht worden. Sein Inhalt wird an diesem Tag fotografisch festgehalten. Das Bild aus der Ermittlungsakte zeigt mehrere, mit Banderolen versehene Geldbündel mit über 23 000 Euro aus einem wenige Wochen zurückliegenden Bankraub in Arnstadt sowie drei Kartons mit Patronen aus den Innentaschen.

Am 05. November wurde der Inhalt des dubiosen Rucksacks polizeilich erfasst und fotografiert. Fast einen Monat später wurde am 01.12.11 noch etwas „entdeckt“. In einer Innentasche stießen die Ermittler auf „sechs DVDs mit dem NSU-Bekennervideo“.

Aber erst einen Monat später, am 1. Dezember, findet die Polizei laut der Ermittlungsakte plötzlich noch etwas anderes im Rucksack – in einer Innentasche stecken sechs DVDs mit dem NSU-Bekennervideo.“ (ebd)

Dazu im Widerspruch berichtete das Bayerische Fernsehen am 12.11.11, dass im Wohnwagen ein „gefilmtes Geständnis“ gefunden worden wäre! (friedensblick) Die Medien berichteten also von dem NSU-Bekennerfilm im Wohnwagen, bevor die Filme dort überhaupt entdeckt worden wären.

Unglaublicher Doppel-Selbstmord

Von den Sicherheitsbehörden wird dargestellt: Mundlos schoss seinen Gefährten Böhnhardt in den Kopf, anschließend richtete er am Boden sitzend im hinteren Teil die Pumpgun an seinen Mund und betätigte aufgrund der Länge der Waffe wahrscheinlich den Abzug mit einem Zehen. Die Waffenfunde aus dem Wohnmobil und der Wohnung:

Die Selbstmord-Version erscheint angesichts neuer Details noch zweifelhafter:

Mundlos hätte bei der Erschießung Böhnhardts die Waffe steil nach oben halten müssen! Von Bodennähe abgefeuert müsste die Kugel von unten kommend erst Böhnhardts Schädel durchschlagen haben und anschließend noch die Wohnmobil-Decke vorne an der Seiten-Türe!

„Nach offizieller Darstellung tötete Mundlos Böhnhardt mit einem Schuss in die Schläfe und anschließend sich selbst. Auf den Fotos vom Wohnmobil sind jedoch – das war bislang unbekannt – zwei Löcher im Fahrzeugdach zu erkennen, die von Geschossen herrühren. Eins davon ist im hinteren Teil des Fahrzeugs, wo sich Mundlos auf dem Boden sitzend in den Mund geschossen hatte. Das andere befindet sich im vorderen Teil des Wagens. An der Seitentür muss Böhnhardt gestanden haben, als der tödliche Schuss auf ihn fiel. Wenn das Loch aber von diesem Schuss stammt, dann müsste Mundlos von unten her auf seinen Freund geschossen haben.“ (ebd)

Interessant auch, dass laut Tatort-Fotos beide Leichen auf dem Boden des Gangs lagen.

„Im Mittelgang ist eine große Blutlache zu erkennen. Hier lag, mit den Füßen zum Fahrerhaus, die Leiche von Uwe Böhnhardt. Unter seinem Körper war eine durchgeladene, aber nicht abgefeuerte Pumpgun. Im hinteren Teil des Innenraums, vor Böhnhardts Kopf, fanden die Beamten die Leiche von Uwe Mundlos. Zu seinen Füßen lag eine zweite Pumpgun, mit der er sich offenbar in den Mund geschossen hatte. Die Patronenhülse des tödlichen Schusses fand sich neben ihm auf dem Boden.“(ebd)

Jedoch gibt es Zeugen, wohl von der Feuerwehr, die diese Darstellungen widerlegen. Böhnhardt wäre „am Tisch gesessen“:

„Als die Retter der Berufsfeuerwehr die unverschlossene Tür öffnen, bietet sich ihnen ein grausiger Anblick. Ein Täter habe am Tisch gesessen, „mit einem großen Loch in der Stirn“, beschreibt ein Zeuge die Szene. Eine zweite Leiche liegt im Gang des Wohnmobils, ebenfalls mit Schussverletzung, wahrscheinlich im Oberkörper. „(Quelle: TA).

Diese Version wird anscheinend gestützt durch ein Tatort-Foto, dass die Bild-Zeitung zugespielt bekam. Es zeigt ein langes, dunkles rohrförmiges Gebilde, das tatsächlich auf der verkohlten Sitzbank liegt. Ist es eine Schuss-Waffe?

Die Bild-Zeitung zeigte außerdem eine Pumpgun, die auf dem blutverschmierten Gang liegt. Sie gehörte laut BILD Bönhardt (Bild). Sie müsste jedoch Mundlos gehören, da er im Gang liegend gefunden wurde, und Böhnhardt seine Waffe im Tod noch in der Hand hielt.

“Böhnhardt (…) im Tod eine Waffe in der Hand, aus der kein Schuss abgefeuert worden war.” (SZ)

Hier gibt es Vergleich-Fotos zu ähnlichen Gang-Belägen in Wohnmobilen (truckscout).

Woher kommen die Tatort-Fotos?

Es wurden „Übersichtsaufnahmen vom Inneren (…) des Fahrzeuges“ erst erstellt als  „das Wohnmobil in eine Halle in Eisenach abtransportiert worden war. Dort erst wurden auch die Leichen geborgen.“(StN)

„Sieg oder Walhalla“?

Die Herren Mundlos und Böhnhardt als militante Rechts-Terroristen handelten offenbar nicht nach dem Grundsatz „Sieg oder Walhalla“. Sie wählten statt dem Kampf gegen die drohende polizeiliche Festnahme, den weniger ruhmvollen Weg des Freitodes. Laut StN wäre die Aussage widerlegt, dass sie mit einer Maschinenpistole vom Wohnwagen auf die Polizisten geschossen hätten. Die Herren hätten sich also völlig ihrem Schicksal ergeben und den schnellen Abgang gewählt. Dabei lagen griffbereit überall im Wohnwagen durchgeladene Waffen herum:

„Die tödlichen Schüsse und das Entfachen des Feuers hat sich innerhalb eines Zeitraums von sieben bis 20 Sekunden abgespielt. So schildern es die beiden einzigen Ohrenzeugen des Geschehens am Tatort, die Polizeibeamten, die mit ihrem Streifenwagen am 4. November 2011 gegen 12 Uhr das Wohnmobil in Stregda erreichten. Dass aus dem Fahrzeug heraus auf sie geschossen wurde, was die Beamten zunächst vermutet hatten, scheint inzwischen widerlegt. Es gibt – außer einem nicht identifizierten Knallgeräusch – kein Indiz dafür.

Was aber hat sich in den wenigen Sekunden im Fahrzeug abgespielt? Offenbar, das zeigt die Akte, waren Mundlos und Böhnhardt auf ein mögliches Feuergefecht mit der Polizei eingestellt. Beide hatten Pumpguns zur Hand. Auf der Sitzecke lag eine Maschinenpistole mit ausgeklapptem Schulterstück, auf dem Boden im Bad eine der beiden beim Polizistenmord in Heilbronn geraubten Dienstpistolen. Die andere , die der ermordeten Polizistin Michelle Kiesewetter gehörte, lag griffbereit auf dem Tisch in der Sitzecke. Auf dem Herd lag ein Revolver, mit dem die beiden schon bei einem Bankraub in Zwickau 2006 auf einen Angestellten geschossen hatten. Schließlich befand sich auch noch auf dem Bett im Heck des Fahrzeugs eine Pistole. Sieben Waffen, alle waren durchgeladen.“ (ebd)

Dagegen berichtete Herr Hans Leyendecker am 26.12.11, dass ein Teil der Schusswaffen hinter der Verkleidung versteckt war.

„Also eigentlich genug Waffen, um sich dem Zugriff fürs Erste zu entziehen, wenngleich einige der Schießgeräte in der Verkleidung des Wohnmobils steckten und nicht sofort griffbereit waren.“ (SZ)

Die Widersprüche in der medialen Darstellung sind unglaublich!

Mehr Infos: NSU – die wesentlichen Ungereimtheiten

15 Gedanken zu „Details aus NSU-Ermittlungsakte belasten Geheimdienste“

  1. Der Thüringer Landtagsabgeordnete Bodo Ramelow in einem Radio-Interview vom 20.06.2012:

    “Es gibt ja die von mir immer wiederholte Information, dass unmittelbar nachdem die beiden tot in ihrem Camper lagen, der Bundesnachrichtendienst und der militärische Abschirmdienst hier in Thüringen in Erscheinung getreten ist. Die Polizisten erinnern sich, als sie die Ermittlungsarbeiten gemacht haben, dass, so die Information eines Polizisten, die Geheimsten aller Geheimen sich gegenseitig auf den Füßen ‘rumgelascht sind. Das fanden die Polizisten sehr seltsam, weil bei einem normalen, “normalen Sparkassenraub”, konnte man sich gar nicht erklären, was der BND und der MAD da tut. (…) Ich habe von Anfang an immer die Frage gestellt: Was macht der Bundesnachrichtendienst hier ? Auf die Frage habe ich bis heute noch keine Antwort gekriegt. Ich weiß aber: Er war involviert. Wie weiß ich nicht. Ich weiß aber auch seit damals, dass der Militärische Abschirmdienst involviert war. Das hat der Schäfer Bericht mittlerweile dokumentiert. Der MAD mit V-Leuten des MAD ist dokumentiert. “

  2. „Diese Version wird gestärkt durch ein Foto der blutverschmierten Sitzbank, wo laut Bild Böhnhardts Waffe lag“

    Das Foto in der Bild zeigt aber nicht die Sitzbank, sondern den Boden.
    Man vergleiche im folgenden Bild-Artikel das Bild 3 mit dem unteren Bild, das auch du hier verlinkt hast. Die Sitzbank ist bedeckt mit schwarz verbrannten Gegenständen, aber nicht mit Blut.
    Tatsächlich lag Böhnhardt wohl vor dieser Sitzbank auf dem Boden.
    http://www.bild.de/news/inland/nsu/nsu-moerder-richteten-sich-vor-einem-jahr-27012878.bild.html

    In vorherigen Berichten hieß es immer, Böhnhardt habe am Tisch gesessen, aber das war dann wohl falsch. Woher hatten die Journalisten ihre Infos?

    Wenn Böhnhardt allerdings am Boden liegt und zwar mit dem Kopf in Richtung Mundlos, dann ist das ebenfalls seltsam, da ein getroffener Körper normalerweise in Flugrichtung des Projektils fällt, also von Mundlos weg. Dann hätte Böhnhardt mit den Füßen in Richtung Mundlos müssen und mit dem Kopf in Richtung Fahrerkabine.
    Böhnhardt soll eine Schusswunde in der linken Schläfe gehabt haben und über der Seitentür soll es ein Ausschussloch des Projektils gegeben haben.
    Damit das alles zusammen passt, müsste sich Böhnhardt praktisch auf den am Boden sitzenden Mundlos gestürzt haben und dann vom Projektil noch im Fallen getroffen worden sein.
    Falls das so abgelaufen ist, dann war Böhnhardt offenbar nicht mit der Selbsttötung und Selbstverbrennng einverstanden und wollte sich auf Mundlos stürzen, um das noch zu verhindern, doch Mundlos war schneller.
    Das erklärt aber nicht die durchgeladene Pumpgun von Mundlos, falls diese Meldung überhaupt stimmt und sich nicht wieder mal ein Journalist geirrt hat.
    Das erklärt auch nicht den vom Brand nicht in Mitleidenschaft gezogenen Rucksack mit dem Geld und den DVDs, der auf einer Stelle lag, die deutlich vom Brand beschädigt war. Vielleicht lag dieser Rucksack in einem Schrank und ist dann während des Abtransports nach dem Brand aus diesem Schrank auf das Bett gefallen? Solche irren Abläufe müsste man konstruieren, um die offizielle Version zu retten.

  3. Warum zünden die Patronen eigentlich nicht, wenn sie im Feuer liegen?
    Gibt es irgendwo eine offizielle Auflistung, wieviel Munition welcher Art bei der NSU gefunden wurde?
    Besonders die Munition für die Ceska wäre interessant, da die Dönermorde nicht mit „normaler“ Munition verübt wurden, sondern mit Munition, die man in Zentraleuropa nicht so einfach erwerben kann.

  4. [gelöscht]
    Auch im NSU-Komplex erlangte Achim Schmid (Achim S.) eine Bekanntheit, nämlich als Gründer des Ku Klux Klan Ablegers in Deutschland.
    Achim Schmid ist auch der Sänger „The Mississippian“, offizieller „Grand Dragon“ des Ku Klux Klan, „Referend Ryan Davis“, Sänger bei Wolfsrudel, Celtic Moon, Er und seine Frauleiten die Firma „Rebel Knight Country Shop“, er war Herausgeber des „Der Rippenbrecher“ (Skinhead Magazin), er gründete die Betrüger Firmen „Neukundenportal GmbH“ und „in Service UG“ und er ist nicht zuletzt V-Mann des Verfassungsschutzes.

    vom Verfassungsschutz Rheinland-Pfalz 2001 als rechtsextremistisch eingestuft
    – Schmid, Achim / Wolfsrudel
    https://www.lks-bayern.de/download/1bandliste_rex.pdf

    Trotzdem wurde dieser Achim Schmid (Klanchef) von einem Verfassungsschützer bezüglich Telefon und email-Überwachung gewarnt (Also ist Achim Schmid mindestens V-Mann):
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article109921970/Verfassungsschuetzer-warnte-Chef-des-Ku-Klux-Klan.html

    Konstanzer Künstler (Achim Schmid) unterstützt Wohltätigkeitsverein:
    http://www.openpr.de/news/47491/Konstanzer-Kuenstler-unterstuetzt-Wohltaetigkeitsverein.html

    Auf dem Foto:
    Maja Synke Prinzessin von Hohenzollern und „The Mississippian“ alias Achim Schmid alias Gründer des Ku Klux Klan in Deutschland.

    Dieser Achim Schmid hat über Thomas Richter (Deckname „Corelli“) Zugang zu der NSU gehabt, denn die Nummer des Postfachs und die Telefonnummer von Thomas Richter (Corelli) fand man in einem privaten Telefonbuch des Uwe Mundlos.
    Zwei Polizisten P1 (damals 32 Jahre alt) und P2 (damals 21 Jahre alt) waren ebenfalls in dem von Achim Schmid gegründeten Ku Klux Klan Ablegers.
    Der jüngere P2 galt als harmloser Mitläufer, aber dieser ältere P1 steckt wohl tiefer mit drin. Entweder eine Art Überzeugungstäter oder aber er war verdeckter Ermittler. Jedenfalls wurde beide nicht großartig für ihr Dienstvergehen bestraft.
    P1 war dann auch noch der Gruppenleiter von Kiesewetter!, er führte mit ihr am Vortag ihrer Ermordung ein Telefongespräch, woraufhin sie ihren Urlaub abbrachund den ungeplanten Dienst in Heilbronn antrat und P1 war am Tattag selber in Heilbronn, nach eigenen Angaben aber nur am Bahnhof.
    Jedenfalls ist die Spur von Kiesewetter über P1 zu Achim Schmid und dem Verfassungsschutz sehr kurz und damit auch sehr verdächtig.

  5. Komisch, vier Wochen nach dem Anschlag in Köln 2004 (SPD-Schily war damals Innenminister) hat das Bundesamtes für Verfassungsschutz ein Dossier erstellt, in dem Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe namentlich genannt wurden:

    ….“Vier Wochen nach dem Kölner Anschlag, so der CDU-Politiker, habe das Bundesamt für Verfassungsschutz dann ein Dossier herausgegeben zum Thema „Neue Gefahren des gewaltbereiten Rechtsextremismus“. Der Theorieteil decke sich mit den Erkenntnissen, die man später über das Trio und seine Arbeitsweise gewonnen habe. Im Personenteil würden die Jenaer Bombenbastler Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sogar namentlich genannt, allerdings „falsch bewertet nach dem Motto, die sind untergetaucht und nicht mehr in Erscheinung getreten“.“…..

    http://www.presseportal.de/pm/66749/2347282/koelner-stadt-anzeiger-union-ruegt-ermittlungsfehler-in-nagelbombenanschlag

    Man sieht, dass die drei damals schon keine Unbekannten für das BfVsch. waren. Alle Akten über die drei wurden in der Kölner Behörde selbstverständlich „versehentlich“ an einem Samstag zu Karneval geschreddert.

    Das Drehbuch zum Film war also 2004 schon geschrieben, dessen „Wahrwerdung“ durch medienwirksame Inszenierung (brennendes Wohnmobil mitten im Wohngebiet, Expolsionen, Waffen, Bekennervideos unbekannter Herkunft usw.) im November 2011 dann vollzogen ward, um der Öffentlichkeit endlich „rechte Terroristen“ präsentieren zu können.

  6. Ulli Schneeweiß von Verdi Mittelfranken ist der Ansicht, dass die deutschen Behörden die lückenlose Aufklärung der NSU-Mordeserie bewusst behindern. Im Interview erhebt er schwere Vorwürfe gegen den Verfassungsschutz.

    Hier eine Zusammenfassung der Audio-Datei (Bayerischer Rundfunk):
    Nach dem Aufdecken der NSU-Mordserie sei es „der erste Reflex von ganz vielen leuten, die sich mit den thema Antifaschismus beschäftigen, gewesen zu sagen: die können eigentlich nur mit Unterstützung vor Ort agiert haben, die müssen vernetzt gesesen sein hierher (in Franken, Bayern), DAS GANZE TÄTERPROFIL, DAS PROFIL DER TATEN SPRICHT DAFÜR.“

    „Es waren Vermutungen und leider, leider, leider müssen wir jetzt festellen daß diese Vermutungen zutreffen, und noch viel schlimmer dabei wiegt, daß diese Informationen wirklich nur so tröpchenweise auch kommen, obwohl sie GANZ OFFENSICHTLICH SCHON LÄNGER BEKANNT SEIN MUSSTEN, sowohl unseren Ermittlungsbehörden als auch den Verfassungsschutzbehörden.“

    Schneeweiß aüßert sich entsetzt darüber, denn er sei „ganz selbstverständlich davon ausgegangen, daß nach dieser beispiellosen Mordserie unsere Behörden, sowohl die Ermittlungsbehörden als auch unsere Ämter alles dafür tun, rückhaltlos die gesamten Zusammenhänge aufzuklären, alles was sie an Akten, an Informationen haben, zusammenzutragen, offen wenigstens dem UA im bayrischen Landtag zur Verfügung zu stellen, von wo aus es dann auch weitergetragen werden kann an die Öffentlichkeit.“

    Die Aufdeckung „dieser Hintergründe der NSU-Morde und auch der regionalen Verstrickungen“ sei letzendlich immer nur stückchenweise herausgekommen, in dem Rahmen in dem es ohnedies schon beispielsweise durch Journalisten eben auch bekannt geworden war. Es würden lediglich die Punkte immer zugegeben die auch schon öffentlich bekannt waren. „Aber eine aktive Rolle der Ermittlungsbehörden als auch den Verfassungsschutzämter habe ich bis heute definitiv leider nicht wahrnehmen können. Darüber bin ich entstezt.“

    Er sieht hier ein strukturelles Versagen vorliegen, „das ist kein kein individuelles Versagen, auf das es gerne reduziert wird seitens unseres Innenministers, sondern ganz offensichtlich sind inbesondere der VS nicht in der Lage, strukturell seine Aufgabe in diesem Punkt Rechtsextremismus wahrzunehmen.“

    Eine einfache Reform des VS geht ihm da nicht weit genug, das bayrische Landesamt für VS, er spricht da zuerst einmal für Bayern, das „genauso versagt hat wie viele anderen und komplett neu aufgesetzt werden muß, wenn nicht gar abgeschafft werden muß. Also die Forderung geht wirklich dahin, komplett einen Neuanfang des VS zu wagen, der aber nicht möglich ist, ohne zunächst das gesamte Amt aufzulösen.“

    Er habe bis heute für die Verfolgung rechtsextremistischer Straftaten durch Polizei und Staatsanwaltschaften „definitiv keinen Mehrwert des VS wahrnehmen können“ und glaubt deswegen nicht, „daß die Abschaffung des VS in irgendeiner Weise Folgen hätte.“

    Dann kommen Beispiele dafür, daß die Behörden offenbar besser informiert sind, als sie zugeben (~3:10)
    „Schlamperei möchte ich mittlerweile ausschließen. Also nachdem letztendlich dann doch relativ schnell Informationen dann auch zugegeben werden, wenn sie dann auch nachweisbar waren, siehe dieses komische Kiesgrubentreffen mit Uwe Mundlos in Straubing 1994, siehe die Tatsache, daß diese Tiroler Höhe, diese Gaststätte im Nürnberger Süden, daß die Telefonnummer im Telefonbuch von Mundlos geführt wurde, in dem Moment wo die Info da war es auch zugegeben, mußte das dann ja auch zugegeben werden.
    SO SCHNELL WIE DIE INFORMATIONEN DANN DA WAREN, MUSSTE ICH DAVON AUSGEHEN, DASS DIE VORHER AUCH SCHON DA GEWESEN SIND UND ZUR HAND WAREN, ALSO ICH MUSS TATSÄCHLICH MITTLERWEILE UNTERSTELLEN, DASS DA NICHT NUR SCHLAMPEREI DAHINTER STEHT, SONDERN SYSTEM ALSO ABSICHT.
    DIE MAUERN GANZ BEWUSST.
    Kein Interesse an der Aufklärung, das glaube ich nun wieder nicht, ich glaube eher, daß es innere Strukturen in den Behörden sind, wo es verhindert wird.“

    Er sieht jetzt die Gefahr, „daß man jetzt natürlich ein Interesse hat, diese Beate Zschäpe jetzt zu verurteilen, aber ich glaube letztlich, daß das in der Absicht erfolgt, hier einen Mythos von Einzeltätern aufzubauen, ohne zugleich zugeben zu müssen, daß wir mittlerweile ein viel größeres Problem mit Rechtsextremismus und Rechtsterriorismus auch in Deutschland haben, als es bis heute zugegeben wurde.“

    Die Ideologie der Neonazis gehe doch „in die Richtung, daß im Interesse des sogenannten Volkswohls auch mal gemordet werden kann, auch drastischere Methoden ergriffen werden können.“
    „Das haben wir in Deutschland ja zur Genüge erlebt und da hat sich aber auch die letzten 70 Jahre nichts dran geändert, letztlich. Also die Erkenntnis daß Nazis morden, ist keine neue“, es sei aber aus seiner Sicht auch wichtig, daß man auch auf die Struktur der Neonazis und die Gefahr, die davon ausgeht, hinweist, das aber „wird derzeit verhindert durch diese Einzeltätertheorie.“

    Fazit für die bayrische/fränkische Region:
    „Für die Region kommt das raus, was wir eh schon befürchtet haben, das wir tatsächlich feststellen können, daß diese neonazistischen Netzwerke, die es ja schon damals gab“, die nicht mit den jetzt erst herausgebildet freien Kameradschaften entstanden wären, sondern es auch schon vorher gab, „teilweise verboten, die Vorläuferorganisationen dieses Vereins freies netz süd. Das bedeutet jetzt auch ganz konkret, daß wir den nachweis hätten, daß Rechtsterrorismus von vornherein zu ihrem Geschäft gehört hat.“

    Abschliessend fordert Ulli Schneeweiß, mit Nachdruck diese Tendenzen, auch ihre Verwobenheit hin zur NPD zu bekämpfen, aufzudecken, die NPD verbieten sei ein Punkt, aber unter vielen, und fordert eine „intensive gesellschaftlich, auch zivilgesellschaftliche Auseinandersetzung mit Neonazis, die „diese Ideologie nicht nur als Meinung ächtet, sondern tatsächlich sie als verbrecherisch brandmarkt.“

  7. In einigen Berichten und auch Büchern wird eine Handgranate zu den im Wohnmobil gefundenen Waffen gezählt.
    Gibt es dazu genaueres, welches Model diese Granate war ?
    Dazu kann ich nichts finden, in vielen Berichten taucht sie nicht auf.
    Eigentlich sollten die Masken aus dem Banküberfall im Wohnmobil zu finden gewesen sein, aber auch in den detaillierterern Auflistungen habe ich sie noch nicht gesehen.

  8. Erinnert Ihr Euch an Oklahoma City, Tim McVeigh – und Andreas Srassmeir, der [Das ist zwar eine begründete aber trotzdem eine Spekulation] Ex-MAD Soldat, der als Sicherheitschef in Elohim City taetig war?
    Elohim City war eine Siedlung von white supremacists of the patriot movement.

    Und hier taucht der MAD wieder auf. Dieses Mal im Zusammenhang mit deutschen white supremacists.

    Beate scheint als V-Frau benutzt worden zu sein. Ein Polizist manipulierte sie ueber romantische Gefuehle, damit sie tat, was er sagte. Er blieb schoen unauffaellig im Hintergrund und sie merkte nicht richtig, wie sie benutzt wurde.

    Am Schluss sollte Beate dafuer sorgen, dass die 2 Maenner zu dieser Zeit im Wohnwagen waren, damit sie von der Polizei zum Schweigen gebracht werden koennen. Vielleicht wurden die Getraenke im Wohnwagen mit Drogen versetzt, als dieser leer war – damit die Tat in aller Ruhe ausgefuehrt werden kann.

    Ein Laptop kann man mit einem Stick benutzen. Vermutlich verbrachte Beate die Zeit mit ihrem Minder – der sie im Stich liess, als sie zur Polizei ging. Vermutlich dachte sie, es geht nur um eine Befrgung.
    Nun ist sie auch zum Schweigen gebracht – denn wer wuerde ihr glauben?

    Damals gab es auch Vermutungen, dass Andi the German, der [angebliche] Ex-MAD, sich die Haare faerbte und sich als Tim McVeigh am Steuer des Autos ausgab, also als sein Double fungierte.
    Vermutlich gab es auch bei den Morden und Bankueberfaellem gelegentlich ein Double.

  9. „Aber erst einen Monat später, am 1. Dezember, findet die Polizei laut der Ermittlungsakte plötzlich noch etwas anderes im Rucksack – in einer Innentasche stecken sechs DVDs mit dem NSU-Bekennervideo.”

    Das war der Stand vor einem Jahr. Als sich in den Folgewochen mehrere Blogs über diesen seltsam sauberen Rucksack lustig gemacht haben, dämmerte den GenossInnen der Schutz- und Sicherheitsorgane, dass man vor Gericht nicht diese groben Unfug auftischen sollte … sondern noch gröberen.
    Hier ging das ganz einfach. Die mussten keine unbrennbaren Papiere produzieren, sondern nur die Zeugen instruieren. Z.B. Zeuge „Sche.“, der auftragsgemäß nunmehr nicht den Rucksack-Unsinn ausgesagt hat, sondern die neu erfundene Version, man habe noch im Wohnmobil drei USB-Sticks mit den Bekennervideos gefunden und lose DVDs, wo Bekennervideos und Vorversionen drauf gewesen seien.

    Muss man das noch kommentieren?

    1. “ Das bestätigt Sche., dann seien die losen DVDs auch im Brandschutt gefunden worden. “
      Hat Sche. offenbar verwechselt, er geht dann gar nicht auf Funde aus dem Wohnmobil ein. Es ist ein Jammer das noch kein Journalist ein Übersichtsfoto vom Rucksack auftreiben konnte, der soll ja neben der CZ70 gelegen haben. Die beim Überfall vorher verwendet worden sein soll, und, so wie der Revolver Melcher, dann bei einer Waffenpräsentation unerklärlicherweise fehlte.

  10. „Hat Sche. offenbar verwechselt,“

    Kann sein. Kann auch sein, dass es für all den anderen Humbug eine harmlose Erklärung gibt.
    Aber mit stinkt das immer mehr, wenn die Monate/Jahre nach der unrevidierbaren Verurteilung nicht nur immer noch keine Tatbeweise präsentieren, stattdessen selbst bei Nebensachen derart schlampen und ungenau sind, dass einem übel wird.
    Wenn Sche. als Experte vom BKA als Zeuge auftritt, erwarte ich von dem einfach einen fundierten Vortrag. Schließlich ist das der Fall seines Lebens, da sollte er schon Präzision bieten.

    Nebenbei ist mir gerade aufgefallen, dass dieses Statement des Bayerischen Rundfunk vom 12.11.2011 dort nicht mehr existiert (FB):
    “Im Wohnmobil, wo sich vergangene Woche zwei Männer erschossen haben, wurden DVD´s gefunden, diese enthielten ein gefilmtes Geständnis.”

    Vielleicht haben die das vom Server genommen, weil es zum angeblichen Rucksack-Fund der DVDs vom 01.12.2011 nicht passt. Ein allgemeiner Kehraus kommt als Grund für die Löschung nicht in Frage, denn vom 17.11.2011 gibt es im Archiv noch eine NSU-Sendung des BR; aber die vom 12.11.2011 ist gelöscht.
    Vielleicht gibt es auch dafür eine harmlose Erklärung.
    Aber ich erwarte eigentlich, keine Erklärungen für Verbalschrott zu erhalten, sondern ganz einfach mal eine geschlossene Darstellung des Tatgeschehens und der Beweislage.

  11. „die sendung kann im Archiv des BR für 40 Euro gekauft werden.“

    Vielen Dank. Da gibt es also eine harmlose Erklärung.

    Aber ich glaube nicht, dass es eine harmlose Erklärung dafür gibt, dass am 12.11.2011 DVDs gefunden worden sind, die erst am 01.12.2011 gefunden worden sind.

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