Lockdown in Sachsen-Anhalt – seit März 78 Todesfälle durch Corona und 21 000 Todesfälle durch andere Ursachen

Mittlerweile neigt sich das Jahr dem Ende zu und die deutsche Datenbasis in Sachen COVID-19 wird damit immer belastbarer. Vergleichsweise könnten wir uns auch die Datenbasis der John-Hopkins-Universität vornehmen, welche in diesem Augenblick (30. Oktober 2020, 14.37 Uhr MEZ) die weltweiten COVID-19 Todesfälle seit Januar diesen Jahres mit 1182908 beziffert.  Eine gewaltige Zahl welche unser Verstand emotional kaum mehr zu verarbeiten in der Lage ist und die hier natürlich in Relation zur Gesamtzahl der anderen weltweiten Todesfälle seit Januar 2020 gesetzt werden müsste.

Es ist deswegen viel effektiver und näher an unserer Alltagswirklichkeit, sich mit (Todes)Zahlen auseinanderzusetzen, welche sich in einem für uns auch emotional, weil fassbaren Rahmen bewegen -, und außerdem einen geografischen und politischen Bezug aufweisen. Hier bietet sich das relativ kleine Bundesland Sachsen-Anhalt auch deshalb an, weil es nicht wie NRW, Sachsen oder Bayern Corona-Patienten aus dem Ausland (Tschechien/ Belgien) auf seinen Intensivstationen betreut.  Immerhin kann dadurch in diesen Bundesländern eine nennenswerte Zahl der 400 000 Kurzarbeiter des deutschen Gesundheitswesens, wieder einer geregelten (Vollzeit)Arbeit nachgehen

Tatsache ist aber, dass die Hilfe für unsere Nachbarn, die Aussagekraft der Zahlen des deutschen Intensivregisters, bezüglich der tatsächlichen Gefährdung der deutschen Bevölkerung verfälscht. Regional arbeiten deutsche Intensivstationen nicht deswegen an ihren Kapazitätsgrenzen, weil besonders viele positiv getestete deutsche Patienten dort eingeliefert wurden, sondern weil besonders viele schwere COVID-19 Fälle unserer europäischen Nachbarn behandelt werden. Das dies eine Selbstverständlichkeit ist, bedarf keiner weiteren Erörterung, aber die Verantwortlichen sollen dann nicht so tun, als ob in Deutschland der medizinische Notstand wegen Corona drohe.

Sachsen-Anhalt bietet also für eine Analyse der tatsächlichen Corona-Gefahrenlage günstige Voraussetzungen, weil die Statistik des Intensivregisters nicht durch ausländische Belegungen verfälscht wird und die tatsächlichen Corona-Sterbefälle in einem Bereich liegen, welcher noch nicht ins mathematisch Abstrakte abgleitet, sondern uns in seiner Bedeutung auch emotional durchdringt.

Die aktuelle Pressemitteilung (Stand 29.10.2020; 15.28 Uhr) des zuständigen Ministeriums beziffert die amtlich festgestellten Corona-Sterbefälle in Sachsen-Anhalt für den Zeitraum von März bis Oktober auf 78. (sic)

In 8 Monaten oder rund 240 Tagen starben also in Sachsen-Anhalt 78 Personen an oder mit SARS-CoV-2.

Zurückhaltend geschätzt starben im selben Zeitraum in Sachsen-Anhalt 21000 Personen an anderen Ursachen. Dies ergibt das monatliche Mittel der Sterbefälle der letzten 29 Jahre. Durchschnittlich starben in den letzten 29 Jahren in Sachsen-Anhalt jährlich 31459 Personen. ( Quelle )

Wer das taggenau und gegebenenfalls auch für andere Bundesländer nachprüfen möchte, kann das gerne hier ab Seite 74 tun.

Demzufolge haben wir in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt der letzten acht Monate die Situation, dass unter 269 Todesfällen lediglich 1 Corona-Sterbefall amtlich festgestellt wurde.  Anders ausgedrückt starben in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt der letzten 8 Monate täglich (sic) mehr Personen – nämlich 87 – an anderen Ursachen, als alle in dieser Zeit erfassten Corona-Toten – nämlich 78 – zusammen. 

Es ist also tatsächlich irre, dass COVID-19 in Sachsen-Anhalt überhaupt jemand irgendeine Bedeutung zumisst. Und dieser Irrsinn lässt sich noch auf eine andere Art deutlich machen.

Denn die oben eingeblendete Grafik der Sterbefälle der letzten 29 Jahre zeigt überaus signifikante Schwankungen der Todeszahlen. So starben 1991 in Sachsen-Anhalt 9159 Menschen mehr, als im Jahr 2004. In den letzten 29 Jahren schwankt demzufolge die Mortalität in Sachsen-Anhalt um einen Mittelwert von 33605 Todesfällen, bis zu 4580 Todesfälle nach oben oder nach unten. Da Sachsen-Anhalt nur 2,2 Millionen Einwohner hat, ist eine jährliche Schwankungsbreite von 4580 Toten besonders beachtlich.

Hat man in den vergangenen 29 Jahren aus Sachsen-Anhalt je etwas dazu vernommen? Wurden in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung  irgendwelche Maßnahmen in Jahren getroffen, in welchen ein signifikantes Ansteigen der Todesfälle im vierstelligen Bereich zu verzeichnen war?

Es ist an intellektueller Unredlichkeit nicht mehr zu unterbieten, dass die Landesregierung Sachsen-Anhalts wegen 78 Todesfällen durch oder mit SARS-CoV-2, eine außerordentliche Gefahrenlage für die Bevölkerung unterstellt und am 2. November einen Lockdown verordnet, während sie in den Vorjahren bei Exzessmortalität im vierstelligen Bereich solche Maßnahmen nicht ergriff.

Die Sterbefälle durch Corona sind also auch in dieser Beziehung in Sachsen-Anhalt derartig geringfügig, dass man sich tatsächlich die Frage vorlegen muss, ob diejenigen, welche diese Maßnahmen angeordnet haben, noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind. Vernünftiges Handeln im Sinne einer tatsächlich nicht vorhandenen Bedrohung durch SARS-CoV-2, ist heute jedenfalls auszuschließen.

Die aktuelle Verordnung der Landesregierung kommt bereits in der Präambel zu dem Zirkelschluss, dass, Zitat:

„Ohne solche Beschränkungen würde das weitere exponentielle Wachstum der Infiziertenzahlen unweigerlich binnen weniger Wochen zu einer Überforderung des Gesundheitssystems führen und die Zahl der schweren Verläufe und der Todesfälle würde erheblich ansteigen“ Zitat Ende

Nun, hat man dem Bürger nicht genau das auch im März diesen Jahres – also vor 8 Monaten erzählt? Ein Blick in das neu geschaffene Intensivregister entlarvt die Prognose der Regierung:

Es gibt kein exponentielles Wachstum bei der Auslastung der Intensivstationen. Die rot unterlegte Kurve der Corona-(Test)Fälle findet keinen Niederschlag in der Gesamtbelegung. Auch hier wieder der Hinweis, dass Patienten, welche aus dem Ausland zur Behandlung in deutsche Krankenhäuser verbracht werden, gesondert aufgeführt werden müssten. Wahrscheinlich würde sich dann ein ähnlich harmloses Bild ergeben, wie dies für Sachsen -Anhalt der Fall ist.

Stand 30.10.2020, 13 Uhr, waren in Sachsen-Anhalt lediglich 25 (sic) von insgesamt 730 intensivmedizinisch behandelten Patienten auch Corona-positiv getestet worden.  Die Gesamtzahl der in Sachsen-Anhalt vefügbaren Betten – ohne Notreserve -, war demzufolge zu 2,5 Prozent mit Corona-positiv getesteten Patienten belegt, was grafisch im Intensivregister wie folgt dargestellt wird:

Fazit

In Anbetracht der äußerst geringen absoluten (Corona)Fallzahlen für Sachsen-Anhalt, nämlich 78 Tote durch oder mit SARS-CoV-2, während im Vergleichzeitraum ca. 21000 Menschen an anderen Todesursachen verstarben, sowie eine intensivmedizinische Behandlung von lediglich 25 Corona-positiv getesteten Patienten, drängt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der aktuellen Coronaverordnung als geradezu unabdingbar auf.  Das die CDU geführte Landesregierung die Frechheit besitzt, ein vom Oberverwaltungsgericht am 27. Oktober 2020 gestopptes Beherbergungsverbot

bereits einen Tag später (sic) via Ministerpräsidentenkonferenz erneut zu beschließen – siehe Verordnung vom 30. Oktober 2020 -, hat es in der deutschen Rechtsgeschichte so wahrscheinlich noch nie gegeben. Die Landesregierung Sachsen-Anhalts hat das Grundgesetz durch Aushebelung der Gewaltenteilung gebrochen.

3 Gedanken zu „Lockdown in Sachsen-Anhalt – seit März 78 Todesfälle durch Corona und 21 000 Todesfälle durch andere Ursachen“

  1. Deutlich mehr Infizierte und Patienten als Sachsen-Anhalt hat Baden-Württemberg, wie sich auch aus der obigen Grafik ergibt.

    Aber auch hier bestätigen selbst die Mainstream-Medien:
    „Kliniken: Platz, aber wenig Personal für Corona-Patienten“,
    https://www.zeit.de/news/2020-11/02/krankenhaeuser-haben-noch-genuegend-platz-fuer-corona-patienten

    Es gebe auch noch keinen Hinweis auf einen Aufnahmestopp, (=den Spahn für normale Patienten anordnen müsste, um die Plätze für Corona-Patienten freizuhalten)
    sagte eine Sprecherin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) am Montag in Stuttgart.

    Von mehr als 3000 Intensivbetten seien rund 800 frei, so die Sprecherin. Hinzu komme eine Notfallreserve von 1746 Betten, die innerhalb einer Woche aufgestellt werden könnten. Von den belegten Betten würden nur 245 für Corona-Patienten genutzt. Insgesamt – also auch auf anderen Stationen – wurden nach Angaben vom Montag etwa 1100 Corona-Infizierte in den Krankenhäusern im Land behandelt.

    Im Frühjahr hatten viele Patienten mit anderen Erkrankungen als Corona häufig aus Angst vor einer Infektion einen großen Bogen um Krankenhäuser gemacht. Dafür gebe es auch heute keinen Grund, betonte die BWKG-Sprecherin. „Wir hoffen, dass das eine Lehre aus der ersten Welle war.“

  2. Zu viel leere Betten – oder zu wenige?

    Darüber sind sich leider sogar die im Krankenhaus tätigen verschiedenen Berufsgruppen äußerst uneinig. Wie es aussieht, geht es hierbei allerdings mindestens einer der beiden Parteien weniger um tatsächlich oder vermeintlich gewonnene wissenschftliche Corona-Erkenntnisse, sondern um die wirtschaftlichen Interessen des eigenen Berufsstandes.

    Die Vertreter der Krankenhausträger haben einen nüchternen betriebswirtschaftlichen Blick (siehe oben) und erinnern an Kurzarbeit sowie an das panik-getriebene Fernbleiben von Patienten im Corona-Frühjahr.

    Mediziner-Verbände behaupten dagegen, dass die Krankenhaus-Verwaltungen aus ökonomischen Gründen keinen Platz für Covid-19-Patienten machen wollen und verlangen ein „Machtwort“ der Politik.
    Sie fordern, „plan- und verschiebbare stationäre Eingriffe je nach Belastungssituation zu reduzieren beziehungsweise einzustellen“, [1].

    Vordergründig könnte man meinen, es ginge nicht den Ärzten, sondern nur den Krankenhausverwaltungen um den schnöden Mammon. Denn das Retten von Leben ist schließlich wichtiger als das Vermeiden von Kurzarbeit und Umsatzminderung.

    Jedoch sollte man sich erinnern: Im Frühjahr gab es Berichte z.B. aus Großbritannien und Österreich, wonach die Zahl der Panikfolgen-Toten (unterlassene Herz-/Krebs-OPs etc.) die Zahl der Corona-Toten zeitweise überschritt. Über die „Verschiebbarkeit“ hatte damals nämlich nicht etwa eine kompetente Diagnose entschieden, sondern die Angst der Patienten (und manchmal vielleicht auch die des Personals).

    Ob das dieses Mal mit der „Verschiebbarkeit“ wirklich besser klappt, wenn nicht mehr Panik über den (Nicht-)Gang ins Krankenhaus entscheidet, sondern eine von Ärzte-Verbänden ersehnte Regierungs-Verordnung (hinter der sich dann „aufnahme-unwillige“ Ärzte verstecken können), ist sehr zweifelhaft.
    Kein 50-jähriger mit Herzproblemen geht leichtfertig unters Messer und kein Arzt kann ihm verbindlich sagen, wann sein nächster „regulärer“ Herzinfarkt denn anstünde, wenn er „vorerst“ (bis St. Nimmerlein?) auf den wichtigen Eingriff verzichtet.

    Stirbt der 50-jährige Herzpatient aufgrund solcher Spielchen, dann verliert er bis zu 30 Lebensjahre, die er u.U. noch äußerst vital genießen könnte. Der durchschnittliche Corona-Tote ist über 80 Jahre alt und könnte selbst bei bestmöglicher Versorgung oft nur noch einige Wochen oder Monate hinzugewinnen, die er häufig nur noch im Krankenhaus- oder Pflegeheim-Bett verbringen wird. (Und es geht hier ja noch nicht um „Triage“, also ob man dem alten Menschen ein Bett verweigert, sondern darum, dass man das leere Bett – vorerst – nicht für seine nur evtl. künftige Ankunft leer lässt.)

    Wie lange würde ein angeblich „Aufschiebbarer“ im Falle seiner Aufnahme denn ein Intensivbett „blockieren“? Tendenziell wohl eher kurz, sonst könnte man ihm nicht von vorneherein das Etikett „aufschiebbar“ ankleben!
    Da wir in Deutschland bereits bei der ersten Welle nie in die Nähe der Überlastung kamen, kann und sollte man auch jetzt bis zur hypothetischen Corona-Fallzahlen-Explosion alle „Zeitpuffer“ bestmöglichst nutzen, d.h. viele der angeblich Aufschiebbaren können bis dahin längst behandelt und wieder entlassen sein.

    Unter den Ärzteverbänden, die sich jetzt so laut hervontun, haben zumindest die Funktionäre der Anästhesisten selber bereits Leichen im Keller: Sie beharrten im Frühjahr eisern auf dem Nutzen ihrer Beatmungsmaschinen, obwohl sich herausgestellt hatte, dass sich diese in vielen Fällen nicht nur als unnötig, sondern regelrecht als kontraproduktiv (nämlich tötend oder schwerst schädigend) herausgestellt hatten.

    Insoweit gibt es eine spezielle „Spur des Geldes“:
    Palliativmediziner Thöns erinnerte an die Erfahrung, „dass sich die hochpreisige Intensivmedizin in einen Bereich ausgedehnt hat, wo das die meisten Menschen für sich nicht wollen“. Es gebe „schon deutliche Hinweise, dass da Geld eine Rolle spielt, und wir wissen ja alle, dass Beatmungsmedizin extrem gut vergütet wird, da wird ein Tag zum Beispiel über 24 Stunden Beatmung teilweise mit über 20.000 Euro vergütet“, [2].

    Ob da nicht die Hersteller der teuren Maschinchen die ärztlichen Verbandsfunktionäre ab und zu mal auf ein Teechen einladen? Die Lungenärzte erhalten wohl eher keine Einladung, denn sie plädieren (schon seit Jahren) für einen äußerst sparsamen Einsatz der nicht unproblematischen Maschinchen und ihr Verband gehört wohl auch nicht zu Unterzeichnern des aktuellen „Betten-freihalten“-Appells.
    Gerade in Sachen Corona sind aber die Lungenärzte bestimmt nicht eine fachfremde Ärztegattung, sprach man doch von Anfang an von Corona als der „neuartigen Lungenkrankheit“.

    Unter Panik-Bedingungen kann man eigene wirtschaftliche Interessen halt besser durchsetzen: „Einsätze dauern länger – Krankenwagen in Bayern werden knapp“, titelt die WELT[3].
    Was nach Alarm klingt, hört sich dann im Bericht schon viel geruhsamer an: Patienten, die keine Notfälle seien, müssten womöglich mit etwas mehr Wartezeit rechnen. Unversorgt bleibe laut dem Sprecher deswegen aber niemand.

    Die Gesamtzahl der Krankenhausbetten nahm von 1991 – 2018 um 25 Prozent = 168.000 ab, während im gleichen Zeitraum die Zahl der Intensivbetten um 36 Prozent = 7.300 zunahm. Man muss „Intensivstationen als Einnahmequellen“ sehen, denn „Angebot schafft Nachfrage, gibt es leere Intensivbetten, legt man da einen Sterbenden hinein“, bemerkt Thöns [2], der bereits im Frühjahr dieses Jahres im Zusammenhang mit Covid-19 mehrmals die „sehr einseitige Ausrichtung auf die Intensivbehandlung, auf das Kaufen neuer Beatmungsgeräte, auf Ausloben von Intensivbetten“ kritisiert hatte. Für morbide Patienten bedeutet das laut Thöns:
    „Also es ist eine Gruppe, die üblicherweise und bislang immer mehr Palliativmedizin bekommen hat als Intensivmedizin, und jetzt wird so eine neue Erkrankung diagnostiziert und da macht man aus diesen ganzen Patienten Intensivpatienten.“

    [1] https://www.n-tv.de/panorama/Arzte-fordern-OP-Stopp-wegen-Corona-article22168407.html
    [2] https://www.rubikon.news/artikel/missbrauchte-intensivbetten
    [3] https://www.welt.de/vermischtes/live218692856/Corona-live-Einsaetze-dauern-laenger-Krankenwagen-in-Bayern-werden-knapp.html

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