Argentinien steht vor Bankenkrise

Einer der ersten Maßnamen des neoliberalen Präsident Mauricio Macri war, im August 2016 den Finanzmarkt zu deregulieren, Devisenspekulationen möglich zu machen. Der Wechselkurs wurde freigegeben und hielt sich bis Anfang 2018 bei 25-30 Pesos für einen Euro. Massiv konnte der Liebling des internationalen Währungsfonds (IWF) sein Land verschulden. Auch westliche Politiker gaben sich die Handklinke in der Hauptstadt Buenos Aires in die Hand.

Die Milliardenkredite an US-Dollar und Euro flossen allerdings nicht in die Infrastruktur sondern direkt in die Taschen der Superreichen. So wechselten Großgrundbesitzer ihre Exporterlöse in Devisen um und transferierten sie ins Ausland. Da gleichzeitig Macri die Abgaben auf Exporterlöse aufhob bzw. senkte, konnten die Großgrundbesitzer wesentlich größere Gewinne machen als davor.

Dieses korrupte System brach allerdings letztes Jahr zusammen, da der argentinischen Zentralbank die Devisen ausgingen. Scheinbar ohne Grund und ohne Vorwarnung sprang über Nacht der Wechselkurs von 30 Pesos für einen Euro, auf 48 Peso! Schnell liehen der IWF, Finanzhäuser wie BlackRock und Templeton Milliarden, als Sicherheit verpfändete die Regierung Bodenschätze. Die Journalistin Gaby Weber berichtete:

„Erst im Mai 2018 haben BlackRock und Templeton die argentinische Regierung vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt, kein Akt der barmherzigen Nächstenliebe. Eher ein Dankeschön für das Dekret Nummer 29, worin die Regierung versprochen hat – im Falle einer erneuten Zahlungsunfähigkeit – gegen die Pfändung der Naturvorkommen keinen Einspruch einzulegen.“ (Gaby Weber, „Geld“, youtube)

Der Wechselkurs geht allerdings seitdem unaufhaltsam nach oben, die Abwertung der heimischen Währung, damit die „importierte Inflation“. Da die Importe immer teurer werden, immer mehr exportiert wird, steigen die Preise unaufhaltsam. Die Inflation bekämpft die Zentralbank mit immer höheren Leitzinsen, inzwischen 76 %. Der Wechselkurs steht heute bei 68 Pesos für einen Euro, Tendenz steigend.  Die Menschen wechseln ihre Peso in US-Dollar um, solange es noch möglich ist.

Das kürzlich abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen der EU und Argentinien/Brasilien zeigt die Zukunftsvision, die Macri für sein Land hat: Argentinien exportiert Fleisch in den EU-Markt, dafür importiert es Autos aus der EU.

Der Immobiliensektor ist tot, da die Grund- und Bodenpreise nicht wesentlich gefallen sind. So kostet ein Quadratmeter in der besten Gegend von Buenos Aires weiterhin um die 7.000 US-Dollar.

Freiwirtschaftliche Reformvorschläge spielen keine Rolle.

Ein Gedanke zu „Argentinien steht vor Bankenkrise“

  1. Die „tagesschau“ berichtet falsch über die Hintergründe der Krise: „Seit Argentiniens Präsident Macri am 11. August die Vorwahl gegen seinen linksgerichteten Herausforderer Alberto Fernandez verlor, steht der Peso massiv unter Druck.“ https://www.tagesschau.de/wirtschaft/argentinien-devisen-101.html
    Auf folgender Grafik ist klar ersichtlich, dass die Abwertung bereits vor einem Jahr begann: https://www.finanzen.net/devisen/euro-argentinischer_peso-kurs

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