Beobachteten Sinti und Roma den Heilbronner Polizistenüberfall?

Unbekannte überfielen am 25.04.2007 gegen 14:00 die Polizisten Michele Kiesewetter und Martin Arnold in der Heilbronner Theresienwiese. Die Streife parkte zuvor ihr Auto direkt neben einem Trafohäuschen, welches sich am Rande der Festwiese am Ufer des Neckars befindet. Zur gleichen Zeit bauten dort Schausteller ein Volksfest auf. Sie hatten ihre Wohnwägen und Wohnmobile auf der Festwiese geparkt. Auf der Festwiese parkten gleichzeitig auch Sinti und Roma („Landfahrer“), die mit dem Festaufbau nichts zu tun.

Am 27.04.07 teilte der Zeuge Heinz H.  der Sonderkommsion (Soko) mit, dass ihm gegen 13:15 eine Landfahrergruppe in der Nähe des späteren Tatorts aufgefallen sei. Um 14:18, also kurz nach dem Überfall, kontrollierten Ermittler tatsächlich sechs Landfahrer im süd-westlichen Bereich der Festwiese.

Heinz H. wurde am 16.08.2007 (abermals?) vernommen. Im Vernehmungsprotokoll steht, dass er direkt am Trafohäuschen vorbeiradelte. Er benützte den Radweg, der neben dem Neckar entlanggeht, und fuhr in südlicher Richtung zur Otto-Konz-Brücke. Hinter dem Trafohäuschen, nach der Schiffsschaukel, bemerkte er vier Männer, die er als gut gekleidete Osteuropäer einschätzte.

„Frage:
Warum waren es für Sie keine Schausteller?
Antwort:
Schausteller sehen anders aus. Die Personen, die ich sah, sahen sauber und gut angezogen aus. Die Personen hatten einen osteuropäischen Teint. Sie hatten eine dunkle Hautfarbe. Dabei war noch eine blonde Person, die auf mich einen russischen Eindruck machte. Diese Person hätte auffällig hervorstehende Wangenknochen.“

Es fiel ihm ein großer blonder Mann mit besonders geformten Wangenknochen auf, der sich in unmittelbarer Nähe zu einem am Radweg geparkten Wohnmobil aufhielt. Der Zeuge nahm dort ein weiteres Wohnmobil wahr, welches er auch der Gruppe zuordnete. Eines der Wohnmobile sah er gegen 08:00 Uhr vormittags am Wohnmobil-Abstellplatz am Wertwiesenpark, südlich der Theresienwiese.

„Ich bin am 25.04.07 morgens durch die Wertwiesen gefahren. Am dortigen Wohnmobil-Abstellplatz ist mir ebenfalls ein Wohnwagen aufgefallen. Dieser sah genauso’aus, wie der Kleine, den ich später auf der Theresienwiese gesehen habe. Der Wohnwagen hatte eine Umfaßleiste an den Ecken, deswegen kann es auch sein, dass es der selbe war wie der, den ich später sah.“

Seine Aussage erhielt die Spurennummer 101.

Die Soko stellte seine Aussage anschließend im Ermittlungsbericht ungenügend dar! Der Bericht datiert vom 05.10.2007. Dort wird seine Aussage zusammengefasst, nicht wortwörtlich zitiert. Es kommen zwar die vier Männer zur Sprache, jedoch nicht die zwei dazugehörigen Wohnmobile. Im Bericht steht lediglich, dass er ein geparktes Wohnmobil in der Theresienwiese stehen sah, welches er zuvor auch schon im Wertwiesenpark bemerkte. Der Bericht weist nicht darauf hin, dass der Zeuge das Wohnmobil mit den Männern verband.

Am Vortag des Überfalls sah der Zeuge Josef Peter L. ein Wohnmobil am Trafohäuschen sehen; er war sich nicht mehr sicher, ob es auch am Tattag noch dort stand. Morgens verließ er die Festwiese. Er wurde erst am 02.04.2009 vernommen!

Der Böblinger Bereitschaftspolizist Uwe G. (BFE 522) sah sogar noch am Tattag kurz nach dem Überfall ein „Geschäft“ eines „osteuropäischen Schaustellers“, welches „direkt neben dem Trafo-Häuschen“ stand! „Gerade der“ blockierte den Polizisten die Zufahrt zum Tatort, obwohl sie sich deutlich zu erkennen gaben.

Auf den Tatortfotos sind jedoch in der Nähe des Trafohäuschen und entlang des Radweges keine Wohnwägen oder „Geschäfte“ zu sehen. Aber wie hätte sich ein Fahrzeug nach dem Überfall entfernen können, während die Heilbronner Polizei die Theresienwiese kontrollierte und absperrte? Das erscheint für mich ausgeschlossen. Was meinte Uwe G. genau? 

Nachdem sich die DNA der „unbekannten weiblichen Person“ im März 2009 als eine Verpackungsmitarbeiterin herausstellte, die Wattestäbchen kontaminierte, wendete sich die Soko den kontrollierten Landfahrern zu. Dass dies nicht früher passierte, ist aus folgendem Grund unverständlich:

Die „unbekannte weibliche Person“ (uwp), nach der die Soko von 2007 bis 2009 fast zwei Jahre intensiv suchte, könnte in Übereinstimmung mit den Landfahrern gebracht werden. Der damalige Soko-Chef Huber bezeichnet die uwp, als Kriminelle, die herumreisen und verschiedenste Straftaten begehen würde! Das heißt nicht, dass alle Landfahrer kriminell sind, sondern nur dass sich unter ihnen Kriminelle hätten befinden können. Deshalb ist unverständlich, warum dieser Spur nicht mit mehr Nachdruck nachgegangen wurde.

Auf Grundlage der Aussagen von Josef Peter L. beschloss das Amtgericht Heilbronn am 19. Mai 2009 „Reisende Familien“ erneut polizeilich zu beobachten. Die Soko wendete sich auch dem Zeugen Heinz H. zu. Am 20.05.2009 erstellte er gemäß seiner Erinnerungen ein Phantombild, welches die Spurennummer 104 erhielt.

Ab April 2009 nahm die Soko die Lichtbilder in Augenschein, die die Polizeihubschrauber zwischen 15:00-17:25 vom Tatort anfertigten. Es wurde festgestellt, dass in dieser Zeit keine Fahrzeuge die Theresienwiese verließen; lediglich ein Wohnmobil wurde umgeparkt.

Darin befindet sich eine nicht maßstabsgerechte Tatortskizze, in der die Standorte der Wohnmobile eingezeichnet sind. Dort stehen zwei Wohnmobile von Landfahrern direkt am Radweg, wie sie auch Heinz H. schilderte. In der Analyse befindet sich auch ein Luftbild mit einem Ausschnitt der Festwiese. Dort sind keine Wohnmobile am Radweg zu sehen. Die Analyse würde mit den Spuren Nr. 101 und 104 übereinstimmen! „Korrespondierende Spuren Nr. 101 und 104“. 

Tatortskizze, Ermittlungsorder 3 Quelle: Luftbild aus Ermittlungsordner Nr. 3

In den Akten findet sich eine Übersicht zur „3-Männer-Spur“, datiert vom 14.06.2010. Dort wird die Aussage von Heinz H. zusammengefasst, mit einem bisher unerwähnten Detail: Als ihm die Lichtbilder der Theresienwiese vorgelegt wurden, bemerkte er „aufgeregt“, dass die Wohnwägen, die er um 13:15 sah, auf den Fotos nicht mehr da wären!

„(…) bei der späteren Vorlage von Lichtbildern der Theresienwiese gibt er aufgeregt an, dass die Wohnwagen nicht mehr da seien.“

Am 25.06.2009 vernahm die Soko Mitglieder der Landfahrerfamilie J., die um 14:18 in südlichen Bereich der Theresienwiese kontrolliert wurden. Einem Miroijub J. wurden folgende Vorhalte gemacht: Da die Täter sich hinter dem Trafohäuschen an das Polizeiauto anschlichen, hätten die Landfahrer sie sehen müssen. Zweimal wurde er direkt mit der Aussage von Heinz H. konfrontiert, auch mit den zwei (verschwundenen) Wohnwägen:

„Miroijub J. Vorhalt: Sie haben angegeben, dass sie auf dem Grünstreifen gelegen sind. Zusammen mit den anderen Zigeunern. Es gibt einen Zeugen der an ihnen vorbei gefahren ist und sie dort hat liegen sehen. Darüber hinaus gibt der Zuge an, dass neben ihnen – und dem Wohnmobil von Mosa – noch 2 andere Wohnwägen standen. Unter anderem fiel ihm hierbei der kräftige, große, blonde Mann auf, der mit angelehnter Hand an einem dieser Wohnwagen stand. Von ihrer Liegeposition aus kann man den kompletten Fahrrad- und Fußweg bis vor zum Backsteinhaus sehen, hinter dem die Polizisten ihr Fahrzeug parkten. Aufgrund dieser Begebenheit muss ich davon ausgehen, dass sie von der Tat etwas mitbekommen haben. Was sagen sie dazu ?
Antwort:
Ich kann ihnen nicht mehr sagen welche Position genau ich hatte. Ich habe jedenfalls nichts gesehen. Und die anderen auch nicht, sonst hätten sie etwas gesagt. Wir haben keine Schüsse gehört und nichts gesehen.“

Der Zeuge hat Sie um 13.30 Uhr dort liegen sehen und Sie selbst haben gesagt, dass Sie zum Zeitpunkt der Polizeikontrolle noch auf der Wiese lagen. Folglich lagen Sie zur Tatzeit auf der Wiese und hatten Blickkontakt zum Tatort. Die Täter haben sich von hinten an das Polizeiauto geschlichen und ins Fahrzeug geschossen. Folglich mussten sich die Täter in Ihrem Blickbereich aufgehalten haben. Bleiben Sie immer noch bei Ihren Angaben, nichts gesehen zu haben?
Antwort:
Ich habe nichts gesehen.
Frage:
Und die anderen Leute die dort lagen ?
Antwort:
Wenn einer von uns etwas gesehen hätte, dann hätte er es bestimmt gesagt. Keiner hat was gesagt.“

Ein anderer vernommener Landfahrer, Dejan J., machte eine bemerkenswerte Aussage: Zwar sagte er auch, dass er „nichts gesehen und gehört“ hätte ….

„Ich – und auch alle anderen Romas – haben im Zusammenhang mit dem Mord nichts gesehen und gehört.“

… , aber er hätte sich Gedanken über den Überfall gemacht. Die Opfer wären, „wie man hört“, vom Angriff „total überrascht“ worden. Er fragte, ob die Täter daher nicht die eigenen Kollegen gewesen sein könnten. Sie hätten sich von vorne den Streifenwagen nähern können.

„Haben sie schon einmal überlegt, ob nicht eigene Kollegen die Täterwaren? Da die beiden Polizisten im Streifenfahrzeug – wie man hört – total überrascht wurden, könnte es doch sein dass Kollegen auf sie zugingen und sie diese sahen und nichts böses ahnten“

Er hätte immer gedacht, dass der Überfall „vermutlich um 11 Uhr“ stattfand.

„Sie haben mir nun gesagt, dass die Tat gegen 14 Uhr war. Ich selbst war überzeugt, dass es vermutlich um 11 Uhr war. Dies zeigt ihnen wohl auch, dass es mir an diesem Tag nicht besonders gut ging. Wir Männer waren die ganze Zeit an der Wiese beim Aufgang zu dem Radweg bei unseren Wohnmobilen und haben entweder geschlafen oder geredet und auch etwas getrunken, aber kein Alkohol.“

Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Gruppe nichts von dem Überfall mitbekamen. Sie hätten zumindest die Schüsse hören müssen, so wie eine Vielzahl anderer Zeugen.

Zur Mittagszeit besuchte ausgerechnet der „blonder Landfahrer“ Dusan L. die Gruppe in der Theresienwiese. Er wäre jedoch laut seiner Aussage eine Stunde vor dem Überfall schnell wieder abgereist. Dusan L. sagte, dass er nur kurz auf der Theresienwiese die Gruppe besucht hätte. Die Gruppe verstrickte sich Ungereimtheiten.

Miroljub J. „Frage: Wer genau lag zusammen mit ihnen auf der Böschung ?
Antwort: Mosa, Dejan, Mustafa, Dragoslav und ich. Es war warm an diesem Tag, wir sind imSchatten gelegen. Wir hatten sogar Teppiche ausgelegt und uns daraufgelegt.
Frage: Bekamen sie Besuch von einem großen kräftigen Mann mit blonden Haaren ?
Antwort: Wenn sie sagen groß und blond dann fällt mir ein, dass in der Verwandtschaft von Dejan so jemand ist. Es kann sein, dass während ich in der Stadt war, Dejan Besuch bekam. Diese Person heißt „DULE“. Der kommt aus Mannheim und ist mit Dejan verwandt. (…)
Frage:
Kennen Sie einen Dusan L.?
Antwort:
Ich kenne ihn zwar nicht aber ich vermute, dass dies wohl der kräftige blonde Mann ist, den ich vorher meinte. Den nennen wir Dule. Das ist der Bekannte von Dejan. Der kommt aus der Nähe von Mannheim, hat aber lange Jahre in Holland gelebt.
Frage.
Haben Sie den Dule auf der Wiese am 25.04.07 gesehen?
Antwort:
Nein.
Frage:
Warum hat der Dule den Dejan besucht‘.‘
Antwort?
Weiß ich nicht.
Frage: Was arbeitet der Dule?
Antwort:
Das weiß ich nicht. Ich habe nur gehört, dass er in der Nähe von Mannheim ein Haus gekauft haben soll.“

Am 01.07.2009 wurde Jela D. und ihr Mann Mustafa N.  befragt, von den Beamten H. und B. In ihrem Vermerk steht: Während der Zeugenvernehmung unterbrach Mustafa N. plötzlich seine Frau Jela D. und kommandierte sie in einer ausländischen Sprache „aschatee“, was „sei still“ bedeutet. Darauf hin wurden beide „für den nächsten Tag“ zum Polizeipräsidum Köln vorgeladen. Mustafa N. kam allein, weil seine Frau schwer krank wäre. Sie konnte nicht mehr vernommen werden, da sie „mit unbekannten Reiseziel“ abreiste, noch „am selben Tage“.

„Beide wurden für den nächsten Tag zum PP Köln vorgeladen. Mustafa N. erschien auch pünktlich. (…) Auf die Frage nach dem Verbleib seiner Frau Jela D. gab Hr. N. an, diese könne nicht zur Polizei kommen, da sie sonst sterben müsse. Wir hätten ja gestern die gesamten Medikamente gesehen, die Jela einnehmen muss um überhaupt zu überleben. Jela D. kann derzeit nicht vernommen werden, da sie sich am selben Tage mit der gesamten Familie mit unbekanntem Reiseziel in den Urlaub begab.“

Im Ermittlungsbericht, unterschrieben von Herbert T., vom 25.03.2010 schreibt die Soko, dass Jela D. danach nicht mehr vernommen wurde! Wegen dem „sei still“ wären beide für den 26.06.2009 (?) vorgeladen worden.

„Beide wurden für den 26.06.2009 zum Polizeipräsidium Köln zu einer förmlichen Vernehmung vorgeladen. Mustafa N. kam wie vereinbart zum Polizeipräsidium Köln. (…) Auf die Frage nach dem Verbleib seiner Frau Jela D. gab Hr. N. an, diese könne nicht zur Polizei kommen, da sie sonst sterben müsse. Gründe hierfür nannte er nicht. (…) Bis zum heutigen Tag konnte die Jela D. nicht vernommen werden.“

In den Ermittlungsakten befinden sich jedoch Vermerke, dass Jela D. sehr wohl vernommen wurde!

Am 09.07.2009 machten sich zwei Ermittlern auf, um die beiden Zeugen nachzuvernehmen. Es war ausgerechnet der Kriminaltechniker Manfred Nordgauer, zusammen mit dem Beamten F.! Nordgauer war schon mehrfach Thema in diesem Blog.

Er kam Anfang 2009 zur Sonderkommission „Parkplatz“, kurz bevor das „Phantom von Heilbronn“ sich auflöste. Er war sowohl bei der Spurensicherung im „NSU-Wohnmobil“ wie auch in der Zwickauer „NSU-Wohnung“ in Sachsen beteiligt. Dafür reiste er bereits am 05.11.11 extra von Baden-Württemberg an. Im BW-NSU-Ausschuss beantwortete er die Frage, worin damals sein Auftrag bestand, folgendermaßen: „Ha, gucken, dass die alles richtig machen in Anführungszeichen.(…).“ (Protokoll)

Warum wird ein Kriminaltechniker, der für DNA-Untersuchungen etc. zuständig ist, auf einmal für Vernehmungen eingesetzt? 

Der Beamte F. schreibt in seinem Vermerk:

„Die Zeugin befand sich während der Befragung alleine im Wohnmobil was mir von Mustafa N. ausdrücklich gestattet wurde. Ihr Mann und die anderen Zigeuner wurden von KOK Nordgauer befragt. Ihr Mann entfernte sich auch im weiteren Vernehmungsablauf soweit von dem Wohnmobil, dass keine Sichtverbindung zu dem Wohnmobil bestand.“

„(…) des Nachmittags wurde der Jela D. von einem Zahnarzt ein Eiterzahn gezogen, weshalb sie über starke Schmerzen klagte und angab mehrere Schmerztabletten genommen zu haben.“

„Der Zeugin wurden die großen Luftbilder des Tatortes in Heilbronn vorgelegt und sie wurde mit der Zeugenaussage des Zeugen H. konfrontiert, der angibt, dass ca. 30 Minuten vor der Tat neben den abgestellten Wohnmobilen zwei kleine weitere Wohnwägen gestanden hätten.

Außerdem wurde ihr mitgeteilt, dass die Roza S. angegeben habe, dass sie in einem Gespräch mit ihr gesagt hätte, dass der auf dem Lichtbild Nr. 11 der Lichtbildmappe der Soko Parkplatz vom 30.06.2009 auf der Theresienwiese anwesend gewesen sei.

Jela D. bestritt; dass noch andere Zigeuner auf der Theresienweise gewesen seien als die, die man ja schon kenne. Dort hätten auch keine anderen Wohnwägen gestanden.“

Manfred Nordgauer schreibt in seinem Vermerk, dass die Vernehmung als vier-Augengespräch stattfand. War dies bei seinem Kollegen F. auch der Fall? Befand er sich alleine mit Jela D. in ihrem Wohnmobil? Wie soll man sich das vorstellen? Fanden die Vernehmungen also ohne Dolmetscher statt? 

„In einem intensiv geführten 4 Augen Gespräch mit dem Unterzeichner und der blieb der N. bei seinen oben gemachten Äußerungen.“

„Er wurde ferner mit der Aussage des Zeugen Habermeyer konfrontiert, wonach sich auf der Theresienwiese im Anschluss an die Zigeunerwagen noch zwei weitere, rundliche Wohnwagen befanden, welche auf dem vorgelegten großen Übersichtsbild vom Tattag gegen 14.45 Uhr nicht mehr zu sehen sind, verneinte er, dass dort zwei weitere Wohnwägen gestanden hätten. Allerdings führte er auch an, dass Zigeuner oder auch Schausteller ihre Wägen im Laufe eines Aufenthalts hie und da auch mal verändern. Er begründete es damit, dass Zigeuner keine Toiletten benutzen, sondern ihre Notdurft direkt hinter dem Wohnwagen verrichten, weshalb man die Position immer wieder mal verändere.“

Die Befragungen erbrachten keine neue Erkenntnisse.

Am 29.04.2010 verfasst Herbert T. einen Ermittlungsbericht. Darin wird die Aussage von Heinz H. falsch dargestellt: Es werden die zwei Wohnwagen nicht nur verschwiegen, jetzt wird sogar explizit falsch informiert: Er hätte keine Fahrzeuge in dem Bereich gesehen. „Fahrzeuge sind dem Zeugen in diesem Bereich nicht aufgefallen.“

Es gibt eine weitere bemerkenswerte Falschaussage, für die auch der Ermittler Herbert T. verantwortlich zeichnet. Er schreibt:

„Die 6 Personen wurden am Tattag um 14:18 Uhr auf der Theresienwiese kontrolliert. Versehentlich wurde angenommen, dass es sich bei ihnen um Schausteller handelt. Kennzeichen der von ihnen benutzten Fahrzeug wurden nicht erhoben“.

Das ist jedoch nicht der Fall! Die Männer wurden sofort als „Landfahrer“ identifiziert. Am 05.06.07 steht in einem Zwischenbericht über die „Spur Landfahrer“, dass zwischen 14.18 Uhr und 14.30 Uhr „im südlichen Bereich der Theresienwiese“ eine Polizeistreife eine 6-köpfige Gruppe kontrollierte, „die dem näheren Umfeld der Landfahrersippe J. angehören und Bezug zur Tatörtlichkeit am Tattag“ gehabt hätte.

Fragen

Warum wurde die Spur 101 nicht bereits 2007 intensiver nachgegangen und das Phantombild 2009 nicht verbunden mit dem blonden Landfahrer Dusan L.? Besteht eine Ähnlichkeit? Was sagen die Zeugen? Wurde dem Zeugen Heinz H. ein Foto von Dusan L. gezeigt? Hat Dusan L. eine DNA-Probe abgegeben?

Um 13:15 sah Heinz H. einen blonden Mann an der Theresienwiese, den er als Russen einschätzte, um 14:05 sah Lieselotte W. gleichfalls einen blonden (blutverschmierten) Mann von der Theresienwiese weglaufen, den sie gleichfalls als Russe ansah! Handelt es sich um die gleiche Person?

Phantombilder Lieselotte W. …………………Phantombild Heinz B.

Warum reiste die Landfahrer-Gruppe am Abend des 25.04.2007 von der Theresienwiese ab? Warum verschwanden zwischen 13:15 und 15:00 zwei Wohnwägen vom Tatort? Könnte es sein, dass die Soko kurz nach der Tat Zeugen loshaben wollte und die Landfahrer wegschickte? Der Zeuge Chehade sagte aus, dass die zuerst eintreffenden Polizisten ihn vom Tatort weggeschickt hätten. 

Wie erklären sich die gegensätzlichen Darstellungen in den Ermittlungsakten? Wusste die eine Hand nicht, was die andere machte?

Was soll die Aussage bedeuten, wenn die Zeugin Jela D. sprechen würde, müsste sie sterben? Haben die Landfahrer wichtige Beobachtungen gemacht, über die sie lieber schweigen? Was könnten das für Beobachtungen sein?

Der Pressesprecher des Landeskriminalamtes Ulrich Heffner informierte am 18.11.2011 in Stuttgart falsch, dass die Soko „keine Hinweise auf ein Wohnmobil“ gehabt hätte!

„Doch die Polizei wusste zu jenem Zeitpunkt überhaupt nicht, nach wem sie eigentlich suchen sollte. „Wir hatten keine Hinweise auf ein Wohnmobil“, erklärte der LKA-Sprecher, „wir hatten auch überhaupt keine Hinweise auf die Täter.“ (ebd)

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