Donald Trump – das hässliche Entlein?

Vermutlich kennen alle das Märchen von Hans Christian Andersen vom hässlichen Entlein …

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Heute wird so ein „hässliches Entlein“ zum 45. Präsident der USA vereidigt und prompt titelte n-tv „…era of Bullshit“. Ach wirklich?

Wie verfettet und träge ist unsere Denkweise geworden, wenn sie einem Neuen noch nicht einmal die Chance lässt zu zeigen was er will und was er kann?

Donald Trump hat ein Wirtschaftsimperium aufgebaut und geleitet. Hemdsärmlich, brutal und auch mit unfeinen, fast betrügerischen Methoden. Der typische Unternehmer halt, nicht sehr gebildet, flapsige, inkorrekte und teilweise auch falsche Meinungen. Und doch, all die ungebildeten Arbeiter und ehemaligen Bergleute haben ihm ihre Stimmen gegeben, während der gebildete Mittelstand des digitalen Zeitalters sich die Mühe des Urnengangs ersparte.

Und nun jammern sie und demonstrieren. Vielleicht hätten sie wählen sollen, vielleicht hätten sie sich auch einmal Gedanken machen sollen was aus den Hunderttausenden Industriearbeitern wurde, die einst unschwer 60.000 Dollar im Jahr verdienten. Deren Arbeitsplätze in Billiglohnländer abgewandert sind. Sie gingen weder zur Wahl, noch hat sie das Schicksal der Industriearbeiter und Bergleute interessiert. Ebenso wenig wie sich die Beschäftigte des Silicon Valley Gedanken darüber machten, das sie und ihr hoher Verdienst Ursache dafür ist, das ein Arbeiter mit 20.000 Dollar Jahreseinkommen sich kein Zimmer mehr in San Franzisko leisten kann, wo jeder Bruchbude heute eine monatliche Miete von 3.000 Dollar bringt.

Klar, nun muss dieser Neue madig gemacht werden, muss inakzeptabel sein, den nun droht Ungemach. Werden Autos nur noch in den USA gebaut, dann wird die bisherige Wegwerfware Auto teuer und trotz des hohen Verdienstes der Traum vom Mercedes oder BMW zum Alptraum. Selbst die billige, illegale Putzfrau oder das illegale, unterbezahlte und nicht versicherte Kindermädchen will der Neue den guten Bürgern nehmen, die zum Wählen zu Faul sind.

Und wir Deutsche?

Antiamerikanismus war ja schon Pflicht. Das Böse dieser Welt kam natürlich vom CIA. Nicht von Frau Merkel, auch wenn diese erst jüngst afrikanische Staatschefs drängte dem Abfall unserer Massentierhaltung, wie Hühner- Flügel, Zollfreiheit zu gewähren, zum Schaden der dortigen Kleinbauern. Und unsere nationale Sicherheit bezahlten die braven US- Steuerzahler.

All dies soll nun vorbei sein?

Wir sollen für unsere eigene Sicherheit bezahlen. Eine Frechheit. Der freie Welthandel soll dort seine Grenzen finden, wo er nationalen Interessen zuwider läuft. Und unser Traum von der Ausdehnung der EU und der NATO bis zum Kaukasus wird zur Seifenblase. Dieser Trump will den Putin einfach nicht als natürlichen Feind anerkennen. Wusste ich es doch, der Amerikaner ist für alles Böse dieser Welt verantwortlich.

Es wird sich vermutlich vieles ändern in unserer heilen Welt, in der wir die GUTEN und die Exportweltmeister waren und die Amerikaner und die Russen die Bösen. Und auch die Briten wollen neue Wege gehen. Zu ihrem Schaden, wie wir meinen.

Andersen irrte, wenn er glaubte er habe nur ein Märchen geschrieben, auch wenn es in den Sternen steht, ob Donald Trump jemals ein Schwan wird. Der Mann ist Selbstverliebt und Dünnhäutig. Spontan und Unbeherrscht. Und doch ist er die Hoffnung vieler Millionen Amerikaner. Ob es uns gefällt oder nicht. Wir können nur abwarten und ihn ernst nehmen. Denn er wird künftig den Ton angeben und nicht wir.

11 Gedanken zu „Donald Trump – das hässliche Entlein?“

  1. Es macht Sinn, emotional und rhetorisch von Donald Trump Abstand zu halten (Tacitus: sine ira et studio). Er ist der amerikanische Präsident. So habe ich es (trotz Bush) auch mit Obama gehalten, und es hat sich bewährt.
    In Deutschland gibt es jetzt viele Politiker und Publizisten, die sich dadurch ein gutes Image machen, dass sie die Weltopposition gegen Trump aufführen, während sie hinter den Kulissen natürlich genauso mit seiner Administration Abstimmungen treffen wie mit der von Obama. Es ist sehr wichtig, sich von solchen Spielchen nicht hinters Licht führen zu lassen und diese Leute allein nach den Entscheidungen zu beurteilen, die sie wirklich verantworten. Alles übrige ist Opium fürs Volk, nicht nur für das amerikanische.

  2. @ Rudi Ratlos

    Keine Replik, nur eine Korrektur: 1914 gab es noch keine anglo-amerikanische Zusammenarbeit und daher auch noch keine gemeinsame Ziele. Die USA waren damals nur eine regionale Großmacht.

    @ Hintermbusch

    Jeep ? Unser Präsident ist er nicht. Ob er die Welt- Wirtschafts-Ordnung durcheinander bringt ist mir egal. Die Bedarf ohnehin ein Lifting zu Gunsten der ärmeren Länder.
    Abwarten und sich auf eigene Möglichkeiten und Stärken besinnen ist wohl die einzig richtige Antwort auf DJ T.
    Und, unsere Politiker sollten sich fragen, ob wirklich Millionen zu den Verlierern unserer Gesellschaft gehören müssen.
    DJT will 25 Millionen neue Arbeitsplätze in den USA. Wenn ihm das Teilweise gelingt dürfte dies bei uns 2-3 Millionen Arbeitsplätze kosten.
    Obama war teilweise ein Rohrkrepierer, auch seine Obamacare, die nur noch von rasant steigenden Beiträgen geprägt war.
    Und dies in einem Land in dem Knast droht wenn einer das Schulgeld für seine Kinder oder die Grundsteuer der Gemeinde nicht bezahlen kann. In dem Menschen in primitiven Holzhütten hausen und sich selbst eine Unterkellerung nicht leisten können. Strassen, Brücken, Staudämme, Energie- und Wasserversorgung in einem Zustand sind, den selbst die Türkei ihrer Bevölkerung nicht zumutet.

    Trump hat viel zu tun ……

      1. Jo, wir können nur abwarten und beobachten.

        Etwas für die restlichen Leser: In DE gibt es etwa 44 Millionen Arbeitsplätze. Trump will 25 Millionen neue Arbeitsplätze in den USA schaffen, in den nächsten zehn Jahren.

        Er hat viel zu tun, wenn er dieses Ziel erreichen will.

        ….. andere Aufträge….. ??? Von wem? Glauben Sie bitte nicht an Gespenster. Die US Geheimdienste dürften über ihn alles wissen. Ich bin immer noch ein Fan von JFK – richtiger von seinem Bruder Robert. Nee, bitte nicht noch einmal ….

  3. Kolumnist Christian Engel von der Badische Zeitung erwähnt eine nicht näher bezeichnete Studie und erklärt, „warum schimpfende Menschen ehrlicher sind“ – gemeint sind ausdrücklich „der Donald, die Frauke und der Brexit-Boris“,
    http://www.badische-zeitung.de/kolumnen-sonstige/unterm-strich-verflucht-wir-schaffen-das–132686746.html

    Trotz unverkennbarer Ironie nähert sich hier mal einer dem Problem-Thema Political Correctness, auch wenn er diese humorlose Zwangshaltung dann doch nicht audrücklich erwähnt oder sie analysiert – denn dann müsste er sich ja auf einer der beiden Seiten positionieren und das ist langweilig (falls für den Mainstream) bzw. gefährlich (falls gegen den Mainstream).

    Unvergessen ein Herbert Wehner, der im Hohen Haus gegnerische Abgeordnete gerne mal als „weiß-blaues Arschloch“ titulierte; u.a. Strauß von der Gegenseite war ebenso wenig zimperlich, sondern genauso als Dampfwalze bekannt.

    So was ist in unseren viel „anständigeren“ Zeiten nur möglich, wenn es gegen die Mainstream-amtlich zu Bösewichtern erklärten Menschen geht. Ein Böhmermann kann einen umstrittenen ausländischen Staatschef ungestraft (da Kunstfreiheit) einen Ziegenficker nennen. Eine ähnliche Bezeichnung für Özdemir, den Sohn dieses ausländischen Volkes oder für die umstrittene Dame aus der Uckermark wäre zweifellos (und selbst dann, wenn mit berechtigter Kritik verbunden) eine strafbare schwere Beleidigung und würde noch zahllose weitere Attribute bekommen: menschenverachtend, rechtsradikal, rassistisch, sexistisch, volksverhetzend, gewaltverherrlichend etc.

    Wie hinsichtlich des Libyen-Krieges selber, war es für die Mainstream-Medien auch völlig o.k., als Killary Clinton während des von ihr mit-angefachten Angriffskrieges über den dortigen, kurz zuvor vom Westen noch hofierten Staatschef lästerte:
    „Wir kamen, wir sahen, er starb“.
    Gaddafis Tod durch Analpfählung bei vollem Bewusstsein war schließlich eine lustige und originelle Art der Verabschiedung. Und der Krieg gegen ihn eine gerechte Sache – wollte er doch plötzlich und ohne um Erlaubnis zu fragen die Dollar-Vorherrschaft in Libyen und Nachbarstaaten beenden und durch ein unabhängiges Währungssystem ersetzen.

    Vielleicht dachte die Caesar-imitierende Clinton 2011 sogar noch einen Schritt weiter? Besser ein zerbombtes und im Dauer-Bürgerkrieg liegendes Libyen als eines, das den „Nafris“ unverdienten Wohlstand hätte bringen können – den sollen sie doch bitte (wie dann 2015 tatsächlich geschehen) in Merkels Wohlfühlland abholen?

    So wie ja auch die Kriegs-Hetze von Clinton und Gesinnungsgenossen gegen Russland nicht nur Russland klein halten soll, sondern – ganz getreu der uralten Herzland-Theorie und dem seit den 70er Jahren agierenden Zbigniew Brzezinski – auch Deutschland, indem es von einer lukrativen wirtschaftlichen Kooperation mit den Russen abgeschnitten wird. Dass auch und gerade die Kreise um Obama und Clinton damit eine knallharte „America first“-Politik fuhren (und es bloß nicht offen zugaben), das wollen auch unsere Mainstream-Medien nicht zugeben.

    Die offenen Macho-Sprüche und „America first“-Parolen eines Donald Trump sind dagegen natürlich unverzeihlich und bedürfen einer ständig wiederholten Anprangerung. Dass er mit Putin Kooperation statt Konfrontation pflegen will, ist ein völliges Unding – als wollte sich der Papst mit dem Satan selber freundschaftlich arrangieren.

    F. William Engdahl berichtet von einer tiefen Spaltung in der US-Oberschicht bzw. Machtelite (also nicht nur zwischen Ober- und Unterschicht, zwischen „angry white men“ und politisch korrekten Gender- und Minderheiten-Förderern etc.). Wo genau in der Elite der Graben verläuft, ist aber für Nicht-Amis schwer auszumachen; wie inzwischen auch in Deutschland sind Parteigrenzen kein Anhaltspunkt mehr.

    Das Beendigung von Obamas Kriegshetze gegen Russland und damit der akuten Kriegsgefahr in Europa durch Trump ist beruhigend, aber er will sich mit China und Iran anlegen. Mit Iran hat Obama – gegen Israels Widerstand – den Friedensweg beschritten, auch wenn er das Verhältnis (zur Enttäuschung des iranischen Volkes) zuletzt wieder etwas abkühlen ließ. Auch gegenüber Kuba hat Obama die Fühler ausgestreckt, was dort aber viel reservierter und skeptischer aufgenommen wurde als im Iran.

    Es scheint, als ob die „Obama-Leute“ schnell (und vermutlich sehr blutig, d.h. mit Krieg) zum großen Showdown mit Russland und China gleichzeitig kommen wollten und dafür (d.h. um die Kräfte zu bündeln und die beiden großen Feinde zu isolieren) sich im Vorfeld mit vielen kleinen bisherigen Feindstaaten zu arrangieren. Die andere Fraktion, der Trump evtl. anhängt, scheut entweder den von der bisherigen Administration angestrebten großen Krieg und / oder ist so vernünftig einzusehen, dass man Russland und China nicht gleichzeitig anfeinden kann, ohne sie dadurch zusammenzuschweißen und erst recht stark zu machen (siehe BRICS-Staaten mit der halben Weltbevölkerung in einem künftig evtl. Dollar-freien Wirtschaftsraum).

    Hier ist der offen wütende Trump also tatsächlich ehrlicher: Er braucht uns nicht für einen Krieg gegen Russland oder sonstwen und beschwört daher auch nicht heuchlerisch-pathetisch die ewige nordatlantische Waffenbrüderschaft in der NATO.
    Er rechnet nüchtern wie ein Kaufmann Kosten und Erträge auf und spricht offen aus, was jede Vorgänger-Regierung zumindest heimlich ebenfalls immer in Rechnung gestellt hatte: Amerika und Europ sind wirtschaftliche Erz-Rivalen mit gravierenden Interessen-Gegensätzen und insbesondere Deutschland als Export-(Vize-)Weltmeister wird in den USA ähnlich argwöhnisch beobachtet wie China.

    Dass er den Rückzug aus einer weltweiten Umsturz-, Drohnenmord- und Angriffskriegs-Politik als einen Verzicht auf selbstlose aber kostspielige Entwicklungshilfe verkauft, ist der allgemeinen Sprachregelung in den USA geschuldet.

    Dass unsere Medien diesen Rückzug bedauern, ist keine Gutmenschen-Naivität, sondern ebenso schändlich wie die Ambitionen unserer Politiker, dass dann halt wir anstelle der USA eben selber „mehr Verantwortung“ (d.h. Kriegsaktionen) übernehmen sollen. Hieran und an der Hetze gegen Trump sieht man deutlich, das die Brücke der transatlantischen Kriegstreiber noch intakt ist, nur der Brückenkopf auf US-Seite ist (vorläufig?) verwaist. Wollen wir hoffen, dass die hartnäckig auf der Brücke ausharrenden und Trump mit Dreck bewerfenden NATO-Krieger nicht deshalb ausharren, weil sie auf eine Lösung à la JFK 1963 warten.

    Kennedys Vorgänger Eisenhower (als Weltkriegsgeneral wie als Präsident bestimmt kein Pazifist gewesen) warnte seinen Nachfolger vor dem militärisch-industriellen Komplex, der immer mehr alles durchdringt und seine Pfründe verteidigen wird. Diese Gefahr ist nicht geringer geworden und genausowenig wie wir sie exakt beurteilen können, wissen wir nicht, ob Trump die evtl. Gefahren durchschaut und im Griff hat oder nicht.

    1. „Hieran und an der Hetze gegen Trump sieht man deutlich, das die Brücke der transatlantischen Kriegstreiber noch intakt ist…“
      Es gehört zu den Mythen der Nationalfraktion, dass es auf dieser Brücke nur einen Sender im Westen und einen Empfänger im Osten gibt. Dabei ist es immer auch eine interessante Frage, inwieweit ein Schwanz mit dem Hund wedeln kann.
      Vor einiger Zeit habe ich erstaunt irgendwo gelesen, dass das langjährige Ringen der außenpolitischen Gaullisten gegen die Transatlantiker der alten Bundesrepublik erst um 1970 entschieden worden sei: ausgerechnet durch Willy Brandt und seine Ostpolitik. Die Gaullisten seien eher in der CDU und im Süden und Westen der Republik angesiedelt gewesen, die SPD stark transatlantisch orientiert. Gut getarnt ist halb gewonnen.

  4. @ bekir
    Ich kommentiere ihre Meinung nicht, nur etwas zur Grenze zwischen Trump Befürworter und Trump Gegner. Sie ist sicherlich fliesend und daher kaum zu beschreiben. Ich versuche es trotzdem.

    Vielleicht sahen sie schon einmal die Coca-Cola Reklame zu Weihnachten. Bunt erleuchtende LKW fahren durch verschneite Dörfer.
    In Europa gibt es wenige die diese Reklame verstehen.
    Das Gebiet nördlich der Appalachen war immer schon ein Armenhaus. Auch das kanadische Neu-Braunschweig zählte einst dazu. Nach dem Krieg berichtete eine Journalistin in der NYT das dort Kinder selbst im Winter keine Schuhe haben, kein eigenes Bett, keine Spielsachen……
    Die Reaktion auf diesen Artikel war zweigeteilt. Die einen meinten man solle dieses unamerikanische Gesindel in den Atlantik jagen und ersäufen. Die anderen Spendeten Kleidung, Betten, Spielsachen und Geld.
    Coca-Cola schickte vier Lkws die bunt erleuchtet durch die Dörfer fuhren und den Kindern Kleidung, Spielsachen, Süssigkeiten, usw. zuwarfen. Gerade so als würden sie Affen im Zoo füttern.

    Tja, das war ist die Grenze. Es hat sich nichts verändert.

  5. Die ganz Armen sind sicher bedauernswert und sollten nicht vergessen werden. Ob sie überhaupt wählen gehen und mit einer Wutenergie zur Veränderung strebten und beitrugen, ist aber fraglich. Der abgestiegene Mittelstand und sein weiterhin abstiegsbedrohter Rest sind diesbezüglich interessanter und wichtiger.

    Trumps Schicksal wird sich aber vermutlich nicht am Riss entscheiden, der durch die Gesellschaft geht, sondern am Riss, der die Elite teilt. Diese Grenze ist etwas undurchsichtiger, weil die Elite und ihre Teilgruppen ihre Interessen ja nicht immer offenlegen oder zumindest oft nicht ehrlich.

  6. @Bekir

    Sie haben nichts verstanden. Deshalb deutlicher: Wen Gott liebt, dem gibt er Reichtum. Die etwa ist amerikanisch. Unamerikanisch ist es die Verlierer zu füttern, es sei denn es ist der Nachbar der unverschuldet in Not geraden ist.

    Dies ist die Grenze. Der Riss geht durchs Land und durch viele Familien.
    Noch deutlicher:
    Der Staat soll sich raushalten und die Wirtschaft den Akteuren überlassen. Jeder ist seines Glückes Schm….. Die Regierung kann keine Arbeitsplätze schaffen, ebensowenig kann sie es regnen lassen.

    Der Staat verschwendet unser Steuergeld, weil er Weltpolizist spielt, weil die NATO Partner ihren Verpflichtungen nicht nachkommen und weil er es zulässt, das Firmen im Ausland produzieren und nur noch wenige Arbeitsplätze schaffen.

    Deutlicher kann ich es Ihnen nicht sagen. Es sind diametrale Pole, die nicht vereinbar sind.

    Eine Umverteilung, wie bei uns, ist für viele US Bürger undenkbar. Selbst das kanadische Modell ist nicht akzeptabel. Kanadier sind Versicherungsamerikaner, im Sprachgebrauch.

    1. Es geht doch noch deutlicher:
      Die Illegalen drücken die Löhne, nehmen uns die Jobs und dealen mit Drogen, mit denen sie unsere Kinder vergiften.
      Illegale sind notwendig. Sie bringen die Ernte ein und sichern den Doppeltverdienst, in dem sie bei uns putzen, die Kinder umsorgen, den Garten pflegen und den Pool reinigen.

      Trump hat eindeutig Position bezogen. In all diesen konträren Punkte.

      Es geht um die Wahrung des Besitzstandes und um Veränderung.
      FIN bin erst wieder am 25. im Lande.

  7. Klar geht in den USA Freiheit unbestritten vor Gleichheit und führt dazu, dass selbst viele (noch gesunde) Kleinverdiener, die von Obamacare am meisten profitieren sollten, die (Pflicht-)Versicherung als Bevormundung und Enteignung empfinden.

    Diese Bevorzugung der Freiheit mit all ihren Gefahren setzt aber voraus, dass der „American dream“ noch seine Gültigkeit hat: Im Gegensatz zu anderen Ländern garantiert das „Land of the Free“, dass jeder mit nur ausreichend Fleiß und Ausdauer (und manchmal mit Glück oder Erfindungsgabe) es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen kann.
    Die sichtbare Ungleichheit (statt staatlicher Gleichmacherei) gilt als Beweis für die grundsätzlich allen offenstehen Aufstiegschancen.
    Zumindest glaubten das bis in die 70er Jahre alle Amerikaner und irgendwie auch zu Recht, denn bis dahin konnte man mit einem Fließbandjob immerhin noch damit rechnen, eine Familie ernähren, Kinder großziehen, sich zwei Autos leisten und bei der gleichen Firma bis zur Rente ohne Arbeitslosigkeit bleiben zu können. Die ausgebliebene Millionärs-Karriere konnte man da gut verschmerzen – man könnte ja, wenn nur wollte und entsprechend ranklotzen würde, sagte man sich.

    Seit dem Krisenjahrzehnt der 70er blutet in den USA aber der Mittelstand aus, weil Neoliberalismus und Freihandel Arbeitsplätze in Billiglohnländer verfrachteten und ein Dumping-Druck auf die Löhne verbliebenen Arbeitnehmer entstand.
    Für ihren Abstieg haben die immer zahlreicheren Betroffenen lange die Schuld bei sich selbst oder bei Latinos und Farbigen gesucht.

    Dann schlug „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des Franzosen Piketty wie eine Bombe in den USA ein, was bei ausländischen Büchern nicht oft vorkommt:
    http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/34696/der-piketty-schock-fuer-die-usa/

    Was vorher nur ungeliebte Linke behauptet hatten, wurde jetzt nämlich wissenschaftliche Gewissheit: Die allerhöchsten Einkommen stammen hauptsächlich aus Vermögen, nicht aus Arbeit – selbst viele fürstlich bezahlte Spitzenmanager sind dagegen noch arme Hunde. Und zudem wachsen diese Großvermögen auch noch wesentlich schneller als die Kleinvermögen und damit erzielen immer weniger Großreiche einen immer größeren Anteil des Gesamteinkommens, ohne dafür zu arbeiten.
    Der „American dream“ als Grundglaube der amerikanischen Gesellschaft wird dadurch erschüttert, d.h. als (falsche) Illusion entlarvt: Wer nicht schon reich ist, hat so gut wie keine Chance, durch eigene Leistung aufzusteigen, sondern wird eher weiter absteigen, denn der Kuchen wächst nicht so schnell wie der Anteil, den die Superreichen sich davon immer unverschämter als Kapitaleinkommen abschneiden.

    Zu „Sozialisten“ oder „Sozialdemokraten“ ist die Masse der Wähler dadurch nicht geworden; sie wollen als Wutbürger keine (marxistische) Revolution, sondern einfach zurück in die vermeintlich gute alte Zeit. Oder vielleicht täuschen wir uns? – Ein Bernie Sanders wurde von der eigenen Partei mit üblen Tricks abserviert, obwohl er besssere Chancen als Hillary gehabt hätte; die frustrierten Fans hat dann Sanders zusätzlich vor den Kopf gestoßen, weil er – ganz treuer Parteisoldat – sie nach seinem Unterliegen zur Wahl von Hillary aufrief.

    Die Abneigung gegen den Staat ist zwar uralt und ebenfalls auf den Freiheitsdrang (d.h. die Ablehnung von Gleichmacherei) zurückzuführen. Aber dass der manchmal übergriffige Staat im Kern eine echte Demokratie ist – die älteste noch bestehende der Welt – daran hatten sie kaum Zweifel; zumindest schart man sich im Krisenfall als aufopferungsbereite Patrioten treu hinter dem vom Volk in freier Wahl bestimmten Präsidenten, wie noch nach 9/11 zu besichtigen war.

    Auch diese Illusion wurde ihnen inzwischen geraubt: Nach einer Studie der Universität Princeton sind die USA keine Demokratie mehr, sondern eine Oligarchie, in der nicht Gesetze im Interesse des Volkes sich durchsetzen, sondern Gesetze im Interesse der reichen Oberschicht:
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-06/usa-oligarchie-kapital

    In einem Land, das als „Ein-Parteien-System mit zwei rechten Flügeln“ verspottet wird und in dem echte Gewerkschaften fehlen und wo man reich sein muss, um kandidieren zu können (oder reiche Unterstützer braucht), konnte wohl nur ein Mann wie Trump als Volkstribun der Wutbürger den Wahlsieg schaffen. Ob er wirklich ein Volkstribun ist oder doch nur ein etwas schräger heimlicher Lobbyist der Oberschicht, der gekonnt den Volkstribun spielt, wird sich zeigen. Ebenso, ob er im Establishment so einsam und gefährdet ist wie JFK es war, ohne es zu merken.

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