Was ist Freiland? Definition Silvio Gesell

Silvio Gesell (1862-1930) veröffentlichte sein Hauptwerk „die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ im Jahr 1916. Der Kaufmann Gesell lebte zeitweise in Deutschland, in der Schweiz und in Argentinien. Auf dieser Grundlage machte er Vorschläge, wie alle Grenzen der Welt aufgehoben werden könnten und jeder Mensch frei sein könnte zu leben, wo er will. Seine Vorschläge sind gerade in der momentanen Flüchtlingskrise aktueller denn je.
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1. Der Wettstreit unter den Menschen kann nur dann auf gerechter Grundlage ausgefochten werden und zu seinem hohen Ziele führen, wenn alle Vorrechte auf den Boden, private wie staatliche aufgegeben werden.
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2. Der Erde, der Erdkugel gegenüber sollen alle Menschen gleichberechtigt sein, und unter Menschen verstehen wir ausnahmslos alle Menschen – ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der Bildung und körperlichen Verfassung. Jeder soll dorthin ziehen können, wohin ihn sein Wille, sein Herz oder seine Gesundheit treibt. Und dort soll er den Altangesessenen gegenüber die gleichen Rechte auf den Boden haben. Kein Einzelmensch, kein Staat, keine Gesellschaft soll das geringste Vorrecht haben. Wir alle sind Altangesessene dieser Erde.
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3. Der Begriff Freiland läßt keinerlei Einschränkungen zu. Er gilt unbeschränkt. Darum gibt es der Erde gegenüber auch keine Völkerrechte, keine Hoheitsrechte und Selbstbestimmungsrechte der Staaten. Das Hoheitsrecht über den Erdball steht dem Menschen, nicht den Völkern zu. Aus diesem Grunde hat auch kein Volk das Recht, Grenzen zu errichten und Zölle zu erheben. Auf der Erde, die wir uns im Sinne von Freiland nur als Kugel vorstellen können, gibt es keine Waren-Ein- und Ausfuhr. Freiland bedeutet darum auch Freihandel, Weltfreihandel, die spurlose Versenkung aller Zollgrenzen. Die Landesgrenzen sollen nur einfache Verwaltungsgrenzen sein, etwa wie die Grenzen zwischen den einzelnen Kantonen der Schweiz.
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4. Es folgt aus dieser Freiland-Erklärung auch ohne weiteres, daß die Ausdrücke „englische Kohle, deutsches Kali, amerikanisches Petroleum“ usw. nur die Herkunft dieser Erzeugnisse bezeichnen sollen. Es gibt keine englische Kohle und kein deutsches Kali. Denn jeder Mensch, gleichgültig welchem Staate er angehört, hat das gleiche Recht auf die „englische Kohle“, das „amerikanische Erdöl“ und das „deutsche Kali“.
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5. Die Übergabe des Bodens an die Bebauer erfolgt auf dem Wege der öffentlichen Pachtversteigerung, an der sich jeder Mensch beteiligen kann, und zwar ausnahmslos jeder Bewohner der Erdkugel.
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6. Das Pachtgeld fließt in die Staatskasse und wird restlos in Monatsbeträgen unter die Mütter nach der Zahl der Kinder verteilt. Keine Mutter, einerlei woher sie kommt, kann von diesen Bezügen ausgeschlossen werden.
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7. Die Einteilung des Bodens richtet sich ganz nach den Bedürfnissen der Bebauer. Also kleine Ackerteile für kleine Familien und große Ackerteile für große Familien. Auch große Landstrecken für Genossenschaften, für kommunistische, anarchistische, sozialdemokratische Kolonien, für kirchliche Gemeinden.
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8. Die Völker, Staaten, Rassen, Sprachgemeinschaften, religiösen Verbände, wirtschaftlichen Körperschaften, die auch nur im geringsten den Freilandbegriff einzuengen suchen, werden geächtet, in Bann getan und für vogelfrei erklärt.
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9. Die Ablösung der heutigen Privatbodenrente erfolgt auf dem Wege der vollen Entschädigung durch Ausgabe einer Entsprechenden Summe von Staatsschuldscheinen.

Ohne diese Reform warnte Silvio Gesell im Jahr 1918:

“Trotz des heiligen Versprechens der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten (…) muss ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft beibehalten wird, (…) es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen. Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir.

Der heutige Stand der Technik lässt die Wirtschaft bald zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch ein Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann ge-hamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird ein-schrumpfen und große Heere von Arbeitslosen werden auf die Straße gehen.

An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift lesen können: “Arbeitssuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur die Faulenzer mit voll-gestopftem Geldbeutel sind willkommen.” Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen (…).”

2 Gedanken zu „Was ist Freiland? Definition Silvio Gesell“

  1. Auch wenn ich hier in Ungnade fallen sollte: ich halte die Spinnereien des Silvio Gesell für theoretisches Geschwafel eines Theoretikers ohne realen Bezug.
    Alle Grenzen öffnen? Das funktioniert noch nicht mal dann, wenn der Lebensstandard überall gleich wäre.
    Auch wenn der Unterschied zwischen Ghana und Deutschland gleich Null wäre, könnte nicht jeder Deutsche nach Ghana gehen und die dortigen Sozialleistungen (Krankenkasse!) ausnutzen und umgekehrt.

  2. Es kann sogar sein, dass der famose Silvio seine Prophezeiung (aus 1918) eines neuen Krieges bei britischen Politikern und sogar bei Keynes abgeschrieben hat. Keynes war nämlich einer der ersten, die hinsichtlich der Höhe der Kriegsreparationen warnten: „das sind die Zutaten für einen neuen europäischen Krieg“. Er und viele andere sollten recht behalten.
    Mit dem Zinssystem hat das wenig zu tun.
    Wenn ich mit einem roten Auto zweimal einen Unfall habe, liegt es dann an mir, dem Auto, oder der Farbe?

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