Deutschland sitzt mit Griechenland im gleichen Boot

Griechenland wendete sich gegen den neoliberalen Reformkurs der konservativen und sozialdemokratischen Parteien. Der eigene wirtschaftliche Niedergang brachte offensichtlich viele Griechen zum Umdenken. Sie glauben den Versprechungen aus Brüssel endlich nicht mehr. Muss es uns Deutschen erst so schlecht wie den Griechen gehen, bis wir nicht mehr in einer „marktkonformen Demokratie“ leben wollen? Dabei wäre unsere Situation mit der der Griechen durchaus vergleichbar – wir sitzen alle in einem Boot auf einem Meer an Schulden, und drohen an den Hochgebirgen aufgestapelter Geldvermögen zu zerschellen.

Das Problem Griechenlands sind die Schulden des Staates. Die Zinszahlungen erdrücken Land und Menschen. Sie drücken den Staatshaushalt ins Minus. Durch Sparen und Privatisierungen konnte die Last aber nicht abgebaut werden, das bewies das Scheitern der abgewählten konservativ-sozialdemokratischen Regierung Griechenlands.

Wenn Unternehmen, Privatpersonen auch zum sparen anfangen, gerät die Wirtschaft in eine Rezession. Der Staat nimmt weniger Steuern ein und hat höhere Sozialausgaben. Trotz sparen, steigen die Schulden. Das ist das kapitalistische Schuldsystem zur Verknechtung der großen Mehrheit der Menschen. Im Kapitalismus gilt folgende absurde Grundregel:

Je höher die Schulden, desto stärker die Wirtschaftskraft.

Das geht aber nicht langfristig gut. Die Wirtschaft ist auf Pump aufgebaut. Sie kann solange wachsen, wie die Schulden bedient werden. Kapitalismus heißt, dass sich die Wirtschaft (und die Politik) an den Bedürfnissen des Geld ausrichten muss: Marktkonforme Demokratie.

Durch den Zinses-Zins wachsen jedoch Überschuldung und Übervermögen in unrealistische Höhen. Sie sind ungerecht verteilt: 10% der Bevölkerung wird immer reicher, der Rest verschuldet sich immer mehr. Es wird eine immer größer werdende Ungleichheit in der Vermögensverteilung aufgebaut.

Damit wird es Banken und Investoren immer schwerer, noch potente Schuldner und realwirtschaftliche Anlagemöglichkeiten zu finden. Die Nachfrage bricht ein, da die Leute sparen und kein Geld mehr haben. Es wird das volkswirtschaftliche Gleichgewicht gestört, denn dem Geldkreislauf wird Geld entzogen. Das Geld, was wir in unseren Geldbeutel haben, ist deshalb dort, weil jemand sich dafür verschuldete!

Die kleinbürgerliche Logik der „schwäbischen Hausfrau“ verleitet jedoch viele Deutsche zum Irrglauben, Schuldner wären einzelverantwortlich und die Rückzahlung der Schulden wäre  durch sparen möglich.

Politiker der großen Parteien schüren in der deutschen Bevölkerung diese Vorurteile. Zum Beispiel befürchtet der bayerische Finanzminister Söder, dass die niedrigen Zinsen in den verschuldeten Ländern wieder zum alten „Schlendrian“ führen würden.

Der Vorsitzende des deutschen Gewerkschaftsbundes Reiner Hoffmann findet klare Worte:

„Der Glaube, die Südeuropäer hätten über ihre Verhältnisse gelebt, ist das Ergebnis einer Gehirnwäsche. Das Lohnniveau in den Krisenländern liegt bis heute unter dem deutschen, die Arbeitszeiten sind zum Teil deutlich länger. Die Ursache der Krise ist, dass die Länder und die Menschen dort für die Fehler eines unregulierten Finanzmarktes haften müssen, während die Verursacher sich zum Nulltarif davon stehlen.“ (spiegel)

Hinsichtlich der Pro-Kopf-Verschuldung liegt Deutschland über den Durchschnitt Europas, bei 25.000 Euro. Griechenland hat eine höhere Staatsverschuldung von 32.000 Euro pro Kopf. 

pro-kopf-verschuldung

Quelle: OE-CafeIWF

Bei der Berechnung sind jedoch nicht die versteckten Staatsschulden einkalkuliert. Wenn zugesicherte Pensionen und Gesundheitsleistungen aufgeschlagen werden würden, würde die pro Kopf-Verschuldung Deutschlands nicht mehr bei 25.000 Euro liegen, sondern bei 95.000 Euro, bei unglaublichen 230 % des Bruttosozialproduktes! (welt)

Statt auf Griechenland herab-zu-schauen, sollten wir uns mit den Griechen solidarisieren! Es müsste in einem ersten Schritt zu einem Vermögens- und Schuldenschnitt kommen!

Die Politiker, die jetzt im Einklang mit der Bild-Zeitung gegen einen Schuldenerlass hetzen, werden auch einen weiteren Sozialabbau in Deutschland als „alternativlos“ einfordern.

7 Gedanken zu „Deutschland sitzt mit Griechenland im gleichen Boot“

  1. mit solcher argumentation, kannst du im völkischen deutschland nicht mehr punkten–es ist wieder so wie zu hitlers zeiten wo er das volk fragen konnte: wollt ihr den totalen krieg und alle wie hypnotosiert ja schrien

    1. Die zugrunde-liegende Einstellung ist leider an Stammtischen anzutreffen, bei vielen kleinbürgerlichen Leuten, die eigentlich unpolitisch sind: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ Welche Überheblichkeit, dass wir Deutschen irgendwie besser wären als andere Europäer. Es funktioniert, das haben wir bei zwei Weltkriegen gesehen.

      1. Überlege mal wie die Welt aussähe, wenn es „Die Deutschen“ nicht gegeben hätte.
        Viele wichtige Erfindungen wurden von Deutschen gemacht.
        Die Aufklärung und damit die Neutralisierung des Einflusses der christlichen Religion geschah hauptsächlich in Deutschland.
        Ohne diese Deutsche Taten wären wir immer noch nur Sklaven von religiösen Pfaffen und wir würden von der Hand in den Mund leben wie es heute noch viele Afrikaner machen.

        Am Deutschen Wesen ist ein großer Teil der Welt genesen.
        An unserem Wissen, an unserer Arbeit, an unserem Geld.

  2. Ein Problem ist die Geldschöpfung durch private Banken.
    Geldschöpfung sollte das Privileg des Staates sein und nicht von Privatbanken, denn sonst können die Privatbanken so viel Geld schöpfen, dass sie sich einen Staat zur Geisel machen, ihn erpressen können.

    Ein zweites Problem ist die angebliche Systemrelevanz von Banken.
    Statt dessen sollte man Banken einfach pleite gehen lassen.
    Dann wird man nämlich sehen, dass sehr viel mehr Sicherheiten vorhanden sind, als offiziell in den Büchern drin stehen, weil viel Besitz längst abgeschrieben wurde, also mit NULL in den Büchern drin steht, aber dennoch einen sehr hohen Wert hat.
    Die Insolvenzmasse wird dann eben ein anderer übernehmen, zum Beispiel der Staat.
    Blasenbildung wird durch Insolvenzen zurückgestutzt.
    Verhindert man Insolvenzen, dann wachsen die Blasen weiter bis irgendwann tatsächlich das ganze System kollabiert und nicht nur einzelne Banken.

    Ein drittes Problem ist Leben auf Pump, also Leben auf zu großem Fuß.
    Würde man sein Ego mal etwas zurückfahren und nur das konsumieren, was man sich auch leisten kann, dann gäbe es viele Probleme gar nicht.
    Ein Haus auf Pump gehört einem nicht, sondern es gehört der Bank.
    Ein Auto ebenso.
    Bis zur vollständigen Begleichung der Rechnung ist man nichts weiter als ein Sklave der Bank.
    Da der Staat ebenfalls auf Pump lebt ist man auch nur ein Sklave des Staates, was sich in einer absurd hohen Steuer- und Abgabenlast von inzwischen über 70 Prozent bemerkbar macht.
    Die direkte Einkommensteuer ist da nur ein geringer Teil, aber in den Statistiken wird diese Steuer am liebsten genommen, weil man dadurch all die indirekten Steuern so schön vertuschen kann („Wir arbeiten so und so viele Monate im Jahr für den Staat“ –>> Das ist aber falsch!, da sich diese Aussage nur auf die Einkommensteuer bezieht und die ganzen anderen indirekten Steuern einfach nicht berücksichtigt wurden. Würde man nämlich die indirekten Steuern und die sonstigen Sozialabgaben auch noch berücksichtigen, dann müsste die Meldung lauten: „Wir arbeiten bis Mitte September nur für den Staat“ und dann würde es Aufstände geben, weil die Sklaverei offensichtlich wäre.).

    Ein viertes Problem ist die Gutmütigkeit des normalen Bürgers.
    Er lässt es einfach zu, dass eine Regierung private Schulden sozialisiert und dadurch die Kastanien für private Gläubiger (Banken) aus dem Feuer holt. Politiker wie Peer Steinbrück werden dann nachträglich fürstlich von diesen geretteten Privatbanken entlohnt, indem er für lächerlichste Vorträge 5-stellige Beträge kassieren darf. Als ob eine Bank mit massenhaft vorhandener Expertise die Ratschläge eines Laien wie Steinbrück bedürfte.
    Das ist alles nur verschleierte Korruption (Bezahlung für geleistete Lobby-Aufträge, also für Verrat am Volk, für Veruntreuung von Steuergeldern) und sonst nichts weiter.

    Ein fünftes Problem ist die abgeschaffte Deckung des Geldes („In god we trust“).
    Geld ist nur bedruckte ‚Baumwolle‘ mit einem Gegenwert, der verdreckten und zerrissenen T-Shirts entspricht, also de fakto NULL.
    Das kann man feststellen, wenn alle Bürger gleichzeitig ihr Geld eintauschen wollten. Da es Gegenwerte in der Höhe der Guthaben nicht gibt können die Bürger ihr Geld auch gar nicht ausgeben, erhalten also keinen Gegenwert für ihr Geld.
    Die letzten beißen die Hunde.
    Realwerte sind wichtig.
    Geld ist nichts außer Hoffnung und diese stirbt zuletzt.

    1. Es gibt keine Geldschöpfung der Geschäftsbanken, sondern eine Schulden- und Vermögensschöpfung durch den Zinses-Zins. Wichtiger Unterschied. Wenn Kreditinstitute sich selbst Geld drucken lassen könnten, dann würde keine Bank pleite gehen, und Inflation herrschen. Nur die Zentralbanken können Geld „aus dem Nichts“ erschaffen. Ihr Problem ist jedoch, dass sie nicht die Umlaufgeschwindigkeit kontrollieren kann. Deshalb Umlaufsicherungs-Gebühr. Geld muss rosten.

      Wenn Banken pleite gehen, ist das Problem, dass sie die Wirtschaft mit in den Abgrund reißen, wie während der Weltwirtschaftskrise 1929 ersichtlich. Gerade die Golddeckung des Geldes bewirkte, dass Deutschland in die wirtschaftliche Krise stürzte, da die USA ihre Goldreserven in D abzogen. Deshalb verringerte die Zentralbank in der Krise die Zentralbank-Geldmenge. Dieser Fehler wird heute nicht mehr gemacht.

      Statt einfach Banken pleite gehen zu lassen, müsste es zu kontrollierten Schulden- und Vermögensschnitten kommen. Das würde die Banken von ihren Verpflichtungen gegenüber den Einlegern entlasten (und die Schuldner entschulden). Dadurch, dass Banken so nicht pleite gingen, können sie weiter Geld verleihen und die Wirtschaft stützen: Die Zentralbank-Geldmenge und die Umlaufgeschwindigkeit sinkt nicht.

  3. „Politiker der großen Parteien schüren in der deutschen Bevölkerung diese Vorurteile. “
    Und Typen wie Lanz assistieren ihnen. Das Gespräch mit Herrn Rossman heute Abend war erschütternd. Wer sich für die Ursachen der griechischen Tragödie interessiert sollte unbedingt die Sendung des ORF ansehen. http://tvthek.orf.at/program/Im-Zentrum/6907623 die Sendung wurde von Cashkurs verlinkt ategorie/tv-und-hoerfunk/beitrag/dirk-mueller-zu-gast-im-orf-im-zentrum-griechenlands-wahl-europas-qual-mit-heiner-flassbeck/ Diese Sendung ist sehenswert. Die Sendung mit M. Lanz stellt einen weiteren Tiefpunkt in der deutschen Fernsehlandschaft dar.

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