Michele Kiesewetter: Patenonkel wird von Ex als „Verräter“ bezeichnet

Im thüringer Untersuchungsausschuss verhörten unsere Abgeordneten den Patenonkel von Michele Kiesewetter, Mike W. Er vermutete kurz nach Kiesewetters Erschießung schon im Jahr 2007 einen Zusammenhang zu den „Türkenmorden“, den Ceska-Morden, die Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zugeschrieben werden. Kurz nach der Erschießung von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos 2011 schrieb ihm seine ehemalige Lebensgefährtin „mehrere SMS“. Sie bezeichnete ihn als “Verräter”. W. gibt vor, nicht den Grund zu wissen. Es würde sich auch seiner Kenntnis entziehen, …

„… dass der neue Mann seiner Ex-Freundin von den Behörden der rechten Szene zugeordnet wird. Später fiel es ihm dann doch ein.
Der Beamte bestätigte auf Nachfragen, dass er in der Zeit, in dem er beim Staatsschutz arbeitete, bei Ermittlungen direkt oder indirekt mit führenden Nazis zu tun hatte, darunter mit dem NSU-Helfer und Ex-Verfassungsschutzspitzel Tino Brandt. ” (ta)

Kommentar

Wenn es ein Spielfilm wäre, würde ich sagen: Das ist zu plump, zu einfach gestrickt, ein zu offensichtlicher Zusammenhang. Die Lösung des Falles liegt klar vor uns. Aber unsere Abgeordneten reagieren unangemessen, naiv auf die behördliche Vertuschung, Kiesewetter wäre zufälligerweise ein NSU-Opfer geworden. Ohne öffentlichen Druck machen unsere Politiker nichts und Aufklärungs-Druck existiert nicht außerhalb des Internets.

Das Problem ist, dass die deutschen Massen-Medien mit ihrer Propaganda noch 75% der Bevölkerung unter Kontrolle halten. Deswegen ist der NSU-Skandal in der Bevölkerung kein Thema, es gibt keine öffentliche Debatte.

7 Gedanken zu „Michele Kiesewetter: Patenonkel wird von Ex als „Verräter“ bezeichnet“

  1. Eine Anja Kl. war diejenige, die ausgesagt hatte Uwe Böhnhardt habe sich beim oberweißbacher Gasthof „zur Bergbahn“ aufgehalten, was ein Freund von ihr namens Stefan Fi. auch bestätigte( 77. Verhandlungstag ).
    Die Drohungen an Mike W. kommen von einer Anja Wi., welche nach dem Mord an Kiesewetter mit einem Ralf Wi. zusammenkam. Die ist auch Polizistin, soll mal Dienstgeheimnisse an Nazis verraten haben, bei Ralf Wi. soll e sich um einen ehemaligen Bekannten von Böhnhardt handeln, bei dessen Sicherheitsfirma soll ein Marcel W. gearbeitet haben, der wiederum mit Andre K. befreundet sein soll[1].
    Beide Anjas kommen aus Oberweißbach und waren gute Freundinnen von Kiesewetter. Sind das nun zwei verschiedene Personen, oder könnte eine Scheidung die Namensänderung erklären ? Dann könnte die „Verräter“-Mail ja auch andersrum gemeint gewesen sein, und Mike W. könnte beschuldigt worden sein bei seiner Aussage Informationen zurückgehalten zu haben.
    In dem Punkt bin ich etwas irritiert.
    Jedenfalls sieht es nicht so aus als ob die Ermittler Interesse an Oberweißbach hatten, sie hatten dann ja den Gaststättenbetreiber, also Wohllebens Schwager, gefragt, und der meinte Böhnhardt sei mit einem „Brownie“ verwechselt worden. „Brownie“ sagte im Gegenzug aus der Schwager habe seine Ex, die Zschäpe, nicht mehr getroffen. Da das Trio dafür bekannt dafür ist mehrere Tarnidentitäten verwendet zu haben, so die von Holger G., ist das etwas dünne, aber das war es wohl schon.
    Die 5 Zeugen aus Oberweißbach, die Mundlos dort gesehen haben wollen, wurden ignoriert.
    ( Erinnert etwas an die Ermittlungen zu der Kneipe „Scharfes Eck“, wo dann ehemalige Gäste Mundlos, Temme und Thorsten Heise auf Fotos erkannt haben wollen . )

    [1] http://www.taz.de/!101623/

    1. Bei Anja Kl. und Anja Wi. handelt es sich tatsächlich um die selbe Person.
      https://haskala.de/2014/03/06/ticker-zum-nsu-untersuchungsausschuss-6-3-2014/#vierter
      Der Patenonkel von Michéle Kiesewetter, Mike W., hatte dienstlich mit Tino Brandt und der VP „Alex“ zu tun. Letzterer holte das liegengebliebene Fluchtauto des Trios ab und hatte den gleichen VP-Führer wie Wohllebens Freundin.
      Mike W. sagt die Rechten hätten ihn nicht mit Michéle Kiesewetter in Verbindung bringen können, was offensichtlich falsch ist, da seine damalige Freundin ja auch Polizistein und näher mit Michéle Kiesewetter befreundet war. Und Verbindungen in die Szene hatte.
      Kiesewetters e-mails wurden ja nicht ausgewertet, und das Handy hatte Mike W.. Kryptisch : “ Die Vors. Abg. Marx berichtet, dass es im Zusammenhang mit der Soko Parkplatz 2010/2011 nochmal eine Kontaktaufnahme gab, da ging es um ein [oder mehrere] Handy von Michèle Kiesewetter. Offenbar wurde das Telefon über Jahre nach dem Mord zunächst weder sichergestellt noch die darauf befindlichen Daten ausgewertet. Wenzel erinnert sich nicht mehr so genau, meint aber, dass es richtig sei, dass er und Michèle Kiesewetter ein baugleiches Gerät benutzten. Er habe offenbar die Rück- und Vorderschale des Gerätes von Kiesewetter auf sein Gerät ausgetauscht. „

      1. Und offensichtlich hat es nicht funktioniert. Das sagte er jedenfalls vor dem Untersuchungsauschuss. Wieso funktioniert ein Handy nicht? Weil es als Teilnehmer abgeschaltet ist. Aber warum sichert es niemand nach dem Mord? Das ist mir ein Rätsel. Im ländlichen Thüringen scheint im Kleinbürgertum eine rechte politische Orientierung so normal gewesen zu sein, dass niemand daran Anstoss genommen hat, dass sowohl Michelle Kiesewetter selbst als auch ihr Onkel keine Probleme mit Kontakten ins rechtsradikale Milieu hatten, – ja sogar zeitweise dort ihre Lebenspartner fanden. Das wirft dann schon einen anderen Blick auf den Fall. Wenn es Verbindungen gegeben hat zwischen privat offen rechtsradikal auftretenden KKK Mitgliedern in der Polizei- Einheit Böblingen mit ostdeutschen Neonazis bei Partys,wie es der Vorsitzende der Kritischen Polizisten Wüppesahl beschreibt (- er konstatiert direkt die Beteiligung von Böhnhardt und Mundlos) , wird dies Kiesewetter wohl kaum verborgen geblieben sein. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit liegt nahe, dass sie Zeugin dessen wurde oder selbst vielleicht sogar akzeptierend beteiligt war.
        (Was passierte eigentlich tatsächlich in diesem Haus in Kochersteinfeld, das von Tino Brandt gekauft wurde? Er soll ja nur der Strohmann für den insolventen Vorbesitzer gewesen sein, der dann dort weiter wohnte, – für welche Gegenleistung und wer ist das überhaupt?)
        Kiesewetters Onkel war beim Staatsschutz der Polizei in Thüringen tätig. Der Vater ihres Kollegen Arnold beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Eigentlich kein Problem für die Kollegen, solange alles nach Plan läuft. Wenn es da aber hakt, kann es Ärger geben.
        Seltsam ist doch, dass die Ermittlungen zum Mord an Kiesewetter zu ersteinmal von der EIGENEN Einheit übernommen wurden.
        Das ist doch nicht üblich. Alle beteiligten Ermittlungsbeamten waren gleichzeitig Verdächtige. Und Jahre später erst, nachdem sich die absurde Spur der „Phantom- Frau“ als solche erwiesen hatte, übernahm das LKA.
        Und zwar einen Trümmerhaufen. Da zeigte sich doch erst, dass die wesentlichen Tatortspuren beseitigt oder vernichtet waren.
        Baden-Württemberg braucht ganz dringend einen Untersuchungsausschuss!

      2. Anja Kl. ist nicht Anja Wi.

        Siehe haskala:
        13.39
        Die Vors. Abg. Marx. verweist auf einen SMS-Verkehr im Jahr 2011/2012. Es handelt sich speziell um eine SMS, in der mehrere Monate nach dem Auffliegen des Jenaer Trios er als „Verräter“ bezeichnet wurde. Wenzel: “Ja, dies bezüglich gab es SMS meiner ehemaligen Lebensgefährtin, das war die Frau Teichmann, jetzt Wittig”. Marx: Wie kommt sie dazu? “Das müssen sie Sie selber fragen”, er hätte damit abgeschlossen, Wittig wüsste, dass es „nicht so war“ erzählt er etwas kryptisch. “Die Frau…” holt er aus, bricht aber dann und sagt, dass er sich sehr drüber geärgert habe. Marx: Was stellen sie sich als Motiv vor? Wenzel gibt an, dass er das Motiv nicht kenne. “Es kann durchaus möglich sein, dass…“, er überlegt 10 Sekunden und pausiert kurz. „Zur Person Wittig, Teichmann früher, muss man sagen, …dass sie damals beurlaubt war… und dass sie mir all das, was sie mir persönlich geschrieben hat … [dass] habe ich dienstlich weitergegeben”, so der Zeuge, der sich eine Klärung erhoffte, wie er angibt. Er spekuliert, dass sie vielleicht dachte, er sei an ihrer Beurlaubung mit schuld, vielleicht deswegen das „Verräter“. So richtig klar ist das aber nicht. Frau Marx: Es gibt aber dann noch eine weitere SMS, wo sie schreibt, dass sie ihre Aussage zurücknimmt gegenüber dem oder den Ermittlern [im Fall Kiesewetter?], wegen „Bedrohung ihrer Familie“. Wenzel: “Das weiß ich nicht, dass müssen sie Sie fragen”. Marx interveniert, dass das doch nichts mit den Beurlaubungsproblemen zu tun hat und dass es da doch einen ganz anderen Hintergrund geben müsste. Wenzel erklärt, dass er sie seit der Trennung 2007 nur noch einmal traf und keine weiteren Kontakte zu ihr pflege. [Die Trennung geschah wohl [Tage/Wochen?] vor dem Mord an M.K.].

  2. Ich habe das ständig wiederkehrende Gefühl, dass nicht nur in Heilbronn Polizistinnen (und Polizisten) in die Nazi-Szene oder -umgebung Einblick haben und still sympathisieren, sondern auch in anderen Städten. Warum ich das meine? Die aktuelle Generation von Frauen und Männern der Polizei ist ausgesprochen klandestin und nicht mitteilsam gegenüber kritischen Fragen innerhalb der Polizei.

  3. Diese ganze NSU-Geschichte hat mittlerweile ein Stadium erreicht, in dem man des Kaisers neue Kleider nur noch sehen kann, wenn man harte Drogen nimmt oder, wie man in Wien sagt, „naturwach“ (naturweich) in der Birne ist. Abgesehen vom NSU und seiner schrecklichen symbolischen Bedeutung für das Wesen dieses Staates wirft das ein Schlaglicht auf den geistigen Zustand der hiesigen Politikerkaste. Wie am Ende der DDR sind diese Leute nicht mehr in der Lage, kognitive Strukturen zuzulassen, die ihnen einen Eindruck von der Realität verschaffen würden. Sogar jemand wie Binninger, der doch ein ehrenwerter Mensch ist, muss in einer Weise vernagelt und vernebelt sein, dass man ihn nur noch als Knalltüte bezeichnen kann.

  4. @ fatalist:

    Drüben redet ihr gerade vom angebl. fehlenden Auffindeprotokoll der CZ83 im Zwickauer Brandschutt und Du schreibst, Du wüßtest nicht mehr, wo Du dies gelesen hättest.

    Ich kann mich erinnern, daß Du vor Monaten mal irgendwo geschrieben hast, daß die anderen aufgefundenen Waffen mit Auffindeort, Datum, Zeit, Dienstgrad und Name des auffindenden Polizeibeamten angegeben gewesen seien, es bei der W04 aber abweichend davon nur geheißen habe:
    »Gefunden durch: Bereitschaftspolizei«

    Kann das sein, klingelt da was bei Dir? Ich weiß leider nicht mehr die genaue Fundstelle (könntet ihr drüben nicht mal ein Unterforum »NSU« einrichten mit Einzelthemen wie »Heilbronner Polizistenmord«, »Eisenach 4.11.2011«, »Zwickau«, »CZ 83«, »Temme«, »Fall Simsek«, »Fall Yozgat«, »Durchsuchung Jena Januar 1998« usw.?).

    Denn ihr habt dort so viele hochinteressante Beiträge zusammengetragen, nur leider findet sich in diesem Chaosstrang von fast 2.700 Seiten und 27.000 Beiträgen keine Sau mehr zurecht…?

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